Wirkstoff:
Tolebrutinib ist ein BTK-Inhibitor (Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor). Er ist sowohl peripher als auch direkt im zentralen Nervensystem wirksam und im Nervenwasser nachweisbar.
Handelsname:
Cenrifki®
Indikation:
SPMS ohne Schübe in den vergangenen 2 Jahren
Vor Therapiestart müssen aktive Infektionen auskuriert sein. Notwendige Impfungen sollten grundsätzlich vor Therapiebeginn erfolgen. Eine Impfung mit Totimpfstoffen ist in Ausnahmefällen auch während der Therapie möglich, eine Impfung mit Lebendimpfstoffen ist während der Therapie auf keinen Fall möglich.
Zulassung:
2026
Wirksamkeitskategorie:
Die aktuell gültigen Wirksamkeitskategorien gelten für den schubförmigen Verlauf, Tolebrutinib ist jedoch für die sekundär progrediente MS ohne Schübe zugelassen und kann daher keiner Wirksamkeitskategorie zugeordnet werden.
Dieser erste Vertreter der neuen Substanzklasse der Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (BTKi) besetzt zusammen mit Siponimod (zugelassen für aktive Verläufe) eine eigene, neue therapeutische Kategorie für chronisch fortschreitende Krankheitsverläufe.
Verabreichungsform:
Tablette, oral
Tolebrutinib wird als Filmtablette in einer Dosierung von 60 Milligramm (mg) einmal täglich mit einer Mahlzeit eingenommen. Bei Operationen sollte die Medikamenteneinnahme drei bis sieben Tage vor und nach der Operation unterbrochen werden.
Wirkweise:
BTKi sind sehr kleine Moleküle, die aufgrund ihrer geringen Größe die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so direkt vor Ort im ZNS wirken können. Tolebrutinib blockiert ein Enzym namens Bruton-Tyrokinase (BTK), das die Funktion von Immunzellen (B-Zellen, Mikoglia und Makrophagen) beeinflusst. Diese spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Entzündungen im zentralen Nervensystem bei MS. Durch die Blockade der BTK reduziert Tolebrutinib die Aktivierung dieser Immunzellen und hemmt somit die Entzündungsaktivität im Gehirn und Rückenmark. Dies führt zu einem verlangsamten Fortschreiten der Behinderung.
Nicht geeignet bei/für:
Menschen mit mittelschweren oder schweren Leberproblemen oder mit abnormalen Leberwerten vor Therapiestart sowie Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem (z.B. fortgeschrittenes AIDS) oder einer Allergie gegen einen Bestandteil des Medikaments.
Nebenwirkungen:
COVID-19, Erkältungen, Infektionen der oberen Atemwege, Grippe, Infektionen der Lunge, Blutergüsse und blaue Flecken, Bauchschmerzen, starke Menstruationsblutungen und erhöhte Leberwerte.
Um Leberschäden zu vermeiden, sollten Patienten keine Johanniskraut-Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen und andere leberschädigende Medikamente – vor allem in den ersten zwölf Wochen – vermeiden.
Weil der Wirkstoff selbst Leberschäden verursachen kann, sind regelmäßige Blutuntersuchungen zur Kontrolle der Leberfunktion zwingend erforderlich:
- vor Therapiebeginn Kontrolle der Baseline-Leberwerte
- erste zwölf Wochen wöchentliche Kontrollen
- Monat 4 bis 12 monatliche Kontrollen
- Monat 12 bis 24 halbjährliche Kontrollen
- nach 24 Monaten regelmäßige Kontrollen nach klinischer Indikation
Warnsymptome, die auf einen Leberschaden hindeuten können und sofortige ärztliche Abklärung erfordern: ungewöhnliche Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber oder Hautauschlag, Appetitlosigkeit, dunkler Urin oder eine Gelbfärbung der Haut oder Augen.
Wissenswertes:
Unter den BTKi ist Tolebrutinib der erste Wirkstoff mit Zulassung in Europa. Erstmals steht damit eine wichtige Therapieoption für MS-Erkrankte mit sekundär progredienter MS ohne Schübe zur Verfügung.
Die Zulassung der EU basiert auf der Phase-3-Studie HERCULES, die eine relative Risikoreduktion der Behinderungsprogression um 31 Prozent zeigte. Zusätzlich zeigte sich eine relative Reduktion um 38 Prozent neuer Läsionen im MRT.
Tolebrutinib (Cenrifki®) soll ab Herbst 2026 in Deutschland zur Verfügung stehen, der genaue Zeitraum ist aktuell (Juli 2026) jedoch nicht bekannt.