Natalizumab

Wirkstoff:

Natalizumab ist ein monoklonaler Antikörper. Dies sind im Labor produzierte Eiweißstoffe, die ganz bestimmte Eiweißstrukturen im Körper erkennen.

Handelsname:

Tysabri®

Indikation:

RRMS, aktive/hochaktive Erkrankung

Natalizumab ist zur verlaufsmodifizierenden Therapie der schubförmig remittierenden MS (RRMS) bei Erwachsenen zugelassen, wenn:

  • diese trotz Behandlung mit einem vollständigen und angemessenen Zyklus mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie eine hochaktive Erkrankung zeigen

oder

  • ihre MS rasch fortschreitet, definiert durch zwei oder mehr Schübe mit Behinderungsprogression in einem Jahr und mit mindestens einer Gadolinium-anreichernden Läsion in der MRT des Gehirns oder mit einer signifikanten Erhöhung der T2-Läsionen im Vergleich zu kürzlich durchgeführter MRT.

Zulassung:

2006

Wirksamkeitskategorie:

3

Verabreichungsform:

Infusion

Natalizumab wird monatlich als intravenöse Infusion in einer Dosis von 300 mg verabreicht; dies dauert rund eine Stunde. Danach ist noch eine Nachbeobachtung für eine weitere Stunde notwendig.

Wirkweise:

Natalizumab wirkt an der Blut-Hirn-Schranke: Der Antikörper verhindert, dass sich T-Lymphozyten (T-Zellen) im Gehirn an die Innenwand von Blutgefäßen heften und ins Gehirn übertreten. Zwei große Studien haben gezeigt, dass Natalizumab die Schubrate erheblich verringern und das Fortschreiten der MS verlangsamen kann.

Nicht geeignet bei/für:

Personen unter 18 Jahren, Überempfindlichkeit/Allergie gegen den Wirkstoff, systemischen Pilzinfektionen innerhalb der vorangegangenen sechs Monate, progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML), HIV-Infektion, einigen Infektionen (z.B. Tbc, Herpes etc). Es ist sehr wichtig, Risiken bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit abzuschätzen.

Wenn MS-Erkrankte, die für die Therapie mit Natalizumab infrage kommen, vorher bereits mit einem anderen Medikament behandelt wurden, müssen Auswaschphasen/Karenzzeiten abhängig von der Vormedikation eingehalten werden. Dasselbe gilt nach Absetzen der Natalizumab-Therapie und Umstellung auf eine andere Behandlung.

Nebenwirkungen:

Harnwegsinfekte, Entzündungen von Nase und Rachen (Nasophyryngitis), Nesselsucht, Kopfschmerzen Schwindel, Erbrechen, Übelkeit, Gelenkschmerzen, Fieber, Rigor, Fatigue, Herpes-Virus-assoziierte Infektionen.
Die Anwendung von Natalizumab ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer PML assoziiert, vor allem bei Patienten mit hohem Antikörperindex gegen das JC-Virus. Das Risiko einer PML steigt mit zunehmender Behandlungsdauer an. Zusätzlich erhöht sich das Risiko durch vorherige Behandlung mit einem Immunsuppressivum.

Wissenswertes:

Die Gabe von Natalizumab erfordert sowohl bei Therapiebeginn als auch während der Therapie besondere Sorgfalt und Erfahrung, um den Patienten vor den Folgen der möglichen schweren Nebenwirkung PML adäquat zu schützen. Natalizumab sollte nicht bei Patienten mit schon überwiegend schleichendem, also primär chronisch-progredientem und sekundär chronisch-progredientem Krankheitsverlauf verordnet werden. Da das PML-Risiko mit einem hohen Antikörperindex gegen JC-Virus assoziiert und nach 18 Monaten deutlich erhöht ist, muss alle 6 Monate der JCV-Antikörper bestimmt und die Fortführung der Therapie immer wieder mit dem Patienten besprochen werden.

In Kürze wird mit der Zulassung für die subkutane Gabe gerechnet.

Letzte Änderung: 21.01.2021