Alemtuzumab

Wirkstoff:

Alemtuzumab ist ein zytotoxischer (zellschädigender) Wirkstoff und gehört zur Gruppe der humanisierten monoklonalen Antikörper. Der Wirkstoff wird gentechnologisch hergestellt.

Handelsname:

Lemtrada®

Indikation:

RRMS, hochaktiver Verlauf

Medikament für die Monotherapie erwachsener MS-Patienten mit hochaktiver Verlaufsform einer schubförmig remittierenden MS (RRMS) trotz angemessener Behandlung mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie oder sich rasch entwickelnder schwerer Erkrankung. Die Aktivität der MS sollte durch klinische Befunde (zwei oder mehr Schübe mit Behinderungsprogression in einem Jahr) oder Bildgebung (MRT) definiert werden (MRT zeigt mindestens eine Gadolinium-anreichernde Läsion des Gehirns oder eine signifikante Erhöhung der T2-Läsionen im Vergleich zu einer kürzlich durchgeführten MRT). Entsprechend neuester Empfehlungen der EMA (European Medicine Agency) wird Alemtuzumab als sog. Drittlinientherapie eingestuft.

Zulassung:

2013

Wirksamkeitskategorie:

3

Verabreichungsform:

Infusion, intravenös, zwei Behandlungsphasen

Das Dosierungsschema für MS-Patienten umfasst zwei Behandlungsphasen: In der ersten Phase wird der Wirkstoff an fünf aufeinander folgenden Tagen als intravenöse Infusion verabreicht (12 mg pro Tag). In der zweiten Phase zwölf Monate später an drei aufeinander folgenden Tagen in gleicher Dosierung. Bei Bedarf kann Alemtuzumab mit einem Abstand von jeweils zwölf Monaten zur vorherigen Gabe ein drittes und viertes Mal in gleicher Dosis an drei aufeinander folgenden Tagen gegeben werden.

Wirkweise:

Alemtuzumab führt zu einer verringerten Anzahl von Immunzellen (Lymphozyten), die maßgeblich an der Zerstörung der Myelinscheide beteiligt sind. Dazu bindet es an das CD52-Glykoprotein an der Zelloberfläche der Lymphozyten (B- und T-Zellen, Fresszellen) und führt zu einer Zerstörung der Zellen („Depletion“). Dabei werden reaktiv Entzündungsstoffe während des Zelltods freigesetzt, weshalb zu den Infusionen begleitend Hochdosis–Cortison als Vorabinfusion verabreicht wird.

Nicht geeignet bei/für:

Unkontrolliertem Bluthochdruck, Zustand nach Hirnblutung/Schlaganfall, Herzinfarkt Angina pectoris oder bei Rissen in den hirnversorgenden Gefäßen (Dissektion), Überempfindlichkeit/Allergie gegen den Wirkstoff, systemischen Infektionen, einer HIV-Infektion, nicht ausgeheilten bösartigen Krebserkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit. Vorsicht ist geboten bei: Personen unter 18 Jahren, Infekten durch Bakterien, Viren sowie Pilzen, einer signifikanten Infektionsneigung, verschiedenen Autoimmunerkrankungen, Blutgerinnungsstörungen, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen sowie bei begleitender Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern oder Blutverdünnern. In den folgenden 4–6 Wochen nach der Infusion sollten ungekochte, potentiell mit Listerien behaftete Lebensmittel wie frisches Met oder unpasteurisierte Milchprodukte unbedingt vermieden werden.

Nebenwirkungen:

Infusionsreaktionen wie Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen und Erbrechen, Infektionen der oberen Atemwege und im Harnwegsbereich, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, der Blutplättchen (immunthrombozytopenische Purpura, ITP) und der Niere, Verminderung von weißen Blutkörperchen (Lymphopenie und Leukopenie), Listeriose/Listerienmeningitis. Deshalb sollte vor Beginn der Therapie eine umfassende Risikoabwägung erfolgen und eine Basisdiagnostik durchgeführt werden. Während der Behandlung und danach müssen bis zu einem Zeitraum von 48 Monaten auf Blutungszeichen geachtet und in monatlichen Abständen Blutbild, Nierenwerte und Urin untersucht werden. Alle drei Monate müssen Schilddrüsenfunktionstests durchgeführt werden. Die Behandlung mit Alemtuzumab sollte zudem in einem Krankenhaus mit Spezialisten und der Möglichkeit intensivmedizinischer Behandlung durchgeführt werden, um potenziell schwerwiegende Nebenwirkungen behandeln zu können.

Wissenswertes:

In klinischen Studien hatten mit Alemtuzumab behandelte Patienten weniger Schübe und eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung der Behinderung als Patienten, denen dreimal wöchentlich 44 µg Interferon-beta-1a unter die Haut injiziert wurde.

Letzte Änderung: 21.01.2021