AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)
MS behandeln

Inhaltsbereich

Nebenwirkungen der immunprophylaktischen Therapie

Die zur Beeinflussung des MS-Verlaufs eingesetzten Medikamente können Nebenwirkungen hervorrufen, die im Rahmen einer symptomatischen Therapie behandelt werden.

Therapieziele

Verbesserung der Lebensqualität, Sicherung der Therapietreue (Compliance), Vermeidung von Komplikationen.

Interferon-beta 1-a und 1-b

  • Grippeartige Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen treten vor allem in den ersten drei Monaten der Therapie auf. Sie folgen 3 bis 6 Stunden nach der Injektion. Diese Nebenwirkungen lassen sich verringern durch
    - langsames Eindosieren, 
    - Injektion am Abend (um die Reaktion zu verschlafen), 
    - Einnahme von Ibuprofen (400 mg) 1 Stunde vor der Injektion und gegebenenfalls 4 bis 8 Stunden nach der Injektion.
  • Bei unter die Haut (subkutan) gespritzten Medikamenten (Betaferon, Extavia, Rebif) kann es zu schmerzhaften Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle, selten zu Nekrosen kommen. Diese Nebenwirkungen lassen sich verringern durch:
    - Erlernen einer korrekten und sterilen Spritztechnik und Einsatz sogenannter Injektomaten,
    - Auswahl einer geeigneten Hautpartie mit ausreichend Fettgewebe,
    - vorherigem Kühlen des Injektionsbereichs.
    - Schmerzen an der Injektionsstelle können gelindert werden durch die Einnahme von 400 mg Ibuprofen oder Einreiben der Haut mit Hydrocortison-Salbe.
    - Bei einer Nekrose sollte erwogen werden, die subkutane Applikation durch eine intramuskuläre zu ersetzen. Die Nekrose heilt unter steriler Wundbehandlung in aller Regel ab.
  • Depressionen können sich unter einer Interferon-beta-Therapie verstärken. (Behandlung siehe Depression.)
  • MS-Symptome, vor allem Spastik, können sich durch die grippeähnlichen Symptome verschlechtern. Oft sind Maßnahmen wie die bei grippeartigen Symptomen wirksam, alternativ kann eine antispastische Therapie begonnen oder gesteigert werden (siehe Spastik).
  • Gelegentlich treten Menstruationsstörungen auf, die sich in Absprache mit dem Gynäkologen unter Umständen durch die Gabe eines Antikonzeptivums (Anti-Baby-Pille) bessern.
  • Eine Blutbildveränderung und eine Erhöhung der Leberwerte treten öfter auf, sind aber meist vorübergehend und brauchen nicht behandelt zu werden. Regelmäßige Kontrollen dienen der Sicherheit, um bei schwerer wiegenden Abweichungen die Interferon-beta-Dosis zu reduzieren. In schweren Fällen muss die Therapie abgesetzt werden, dies ist aber selten erforderlich.

Glatiramerazetat

Das subkutan injizierte Medikament ist in der Regel sehr gut verträglich. 

  • Hautreaktionen und Entzündungen an der Einstichstelle treten in milder Form auf. (Behandlung siehe Interferon-beta). Die „Lipoatrophie“ bezeichnet den Schwund von Fettgewebe an der Einstichstelle.
  • Bei einigen Patienten tritt eine ungefährliche, aber bedrohlich wirkende Reaktion auf: Die sogenannte „sofortige Postinjektionsreaktion“ äußert sich in Herzrasen, Atemnot, Druckgefühl und Schweißausbruch. Sie dauert 30 Sekunden bis längstens 30 Minuten und klingt von allein wieder ab. Meist tritt sie bei ein und demselben Patienten nur einmal auf, kann sich aber bei einzelnen Patienten wiederholen. 

Azathioprin, Mitoxantron, Cyclophosphamid

Die Therapie mit Immunsuppressiva verursacht regelmäßig Veränderungen des Blutbildes, die zum Teil erwünscht sind, aber auch zu einer Reduzierung der Dosis veranlassen können.

Letzte Änderung: 26.03.2010

Multiple Sklerose Lexikon

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Wissenschaftliche Betreuung

Prof. Dr. med. Peter Flachenecker
Chefarzt Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof Bad Wildbad.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.
Vorsitzender des Ärztlichen Beirates AMSEL e.V.

Prof. Dr.med. Ralf Gold
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef- Hospital.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.

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