AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)
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Ocrelizumab

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Wirkstoff

Ocrelizumab ist ein großteils humanisierter, monoklonaler Antikörper (anti-CD20) und gehört zu den Immunsuppressiva.

Handelsname

Ocrevus®

Indikation

Ocrelizumab ist zur Behandlung von Patienten mit aktiver schubförmiger MS (RMS) und primär progredienter MS (PPMS) zugelassen. Bei Patienten mit PPMS ist die Indikation auf das frühe Stadium des Verlaufs beschränkt.

Verabreichungsform

Als Infusion: Zu Beginn der Behandlung zwei Initial-Infusionen im Abstand von zwei Wochen mit je 300 mg. Anschließend an diese beiden Initial-Infusionen alle sechs Monate mit einer Dosis von 600 mg, ohne dass eine zwischenzeitliche Überwachung erforderlich ist. Ocrelizumab muss vom Arzt verabreicht werden.

Wirkweise

Ocrelizumab hat selektiv immunsuppressive und zytotoxische Eigenschaften. Der Wirkstoff bindet gezielt an das Protein CD20 auf der Oberfläche von B-Zellen und führt zu einer sog. B-Zell-Depletion, also einer transienten Elimination dieser CD20-positiven B-Zellen. Dadurch wird die B-Zell-Aktivität herunterreguliert, allerdings Stammzellen und Plasmazellen nicht beeinflusst, so dass wichtige Funktionen des Immunsystems erhalten bleiben.

Nicht geeignet bei/für

Patienten mit sekundär chronischem Verlauf ohne Schübe sowie Patienten mit einem primär progredienten Verlauf im späteren Stadium.
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- schwerer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium IV)
- schwerer Immunsuppression, Behandlung mit Immunsuppressiva
- Vorliegen einer aktiven Infektionskrankheit
- bestehenden aktiven malignen Erkrankungen (Ausnahme kutanes Basalzellkarzinom)
- Therapiebeginn während der Schwangerschaft

Nebenwirkungen

Infusionsreaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag und Atembeschwerden, leichte bis mittelschwere Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen.
Als immunsuppressiver Wirkstoff kann Ocrelizumab grundsätzlich die Entstehung von Infektionskrankheiten begünstigen. In den Studien wurde eine leicht erhöhte Zahl von Krebserkrankungen (insbesondere Brustkrebs) gegenüber Plazebo festgestellt, die aber der Krebsrate der Allgemeinbevölkerung zu entsprechen scheint. Ein Fall einer PML (Progessive Multifokale Leukenzephalopathie) unter Ocrelizumab dürfte auf die vorangegangene Behandlung mit Natalizumab zurückzuführen sein, also eine sog. ‚carry-over‘ Konstellation, wo die PML vor der Gabe von Ocrelizumab klinisch noch nicht erkennbar war. Unter Rituximab (siehe unten) beträgt das PML-Risiko bei autoimmuner Indikation 1:50.000.

Wissenswertes

Ocrelizumab wurde auf Basis des in der Krebstherapie, bei rheumatischen Erkrankungen und in Einzelfällen auch bei MS off-label eingesetzten Arzneimittels Rituximab entwickelt. Es ist das erste Mittel, das in Europa zur Behandlung der frühen primär progredienten MS zugelassen ist.
Bei Patienten mit primär progredienter MS führte der Wirkstoff innerhalb von zwölf Wochen zu einer Reduktion des Progressionsrisikos um 24 Prozent.
Ocrevus® ist unter anderem bereits in den USA, Kanada, Australien und der Schweiz zugelassen.



Letzte Aktualisierung: 30.08.2019

Multiple Sklerose Lexikon

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Wissenschaftliche Betreuung

Prof. Dr. med. Peter Flachenecker
Chefarzt Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof Bad Wildbad.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.
Vorsitzender des Ärztlichen Beirates AMSEL e.V.

Prof. Dr.med. Ralf Gold
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef- Hospital.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.

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