AMSEL - Aktion Multiple Skleroser Erkrankter - Landesverband der DMSG (AMSEL, Landesverband e.V.)
MS behandeln

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Cladribin

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Wirkstoff

Der Wirkstoff zählt zur Stoffgruppe der Zytostatika. Er ist von der organischen Verbindung Purin abgeleitet (Purin-Analogon) und unterscheidet sich von den bisher verfügbaren Zytostatika im Wesentlichen dadurch, dass er die hierfür empfindlichen Zellen, wie Lymphozyten oder Monozyten, nicht nur in ihrer Wachstumsphase, sondern auch in der Ruhephase angreifen und abtöten kann.

Handelsname

Mavenclad®

Indikation

Cladribin ist zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmiger Multipler Sklerose und hoher Krankheitsaktivität* zugelassen, sofern diese durch klinischen Befund oder Bildgebung bestätigt ist.

Verabreichungsform

Patienten nehmen Cladribin oral als Tablette mit je 10 mg Wirkstoff in maximal zwei aufeinander folgenden Jahren an bis zu 20 Tagen als tägliche Einmaldosis ein. Die empfohlene kumulative Dosis beträgt 3,5 mg/kg Körpergewicht, das heißt pro Jahr eine Behandlungsphase von 1,75 mg/kg – bei einem Körpergewicht von 70 kg entspricht das zwei Zyklen à 60 mg. Jede Behandlungsphase besteht aus zwei Behandlungswochen im Abstand von einem Monat mit vier oder fünf Tagen, an denen Cladribin verabreicht wird.

Wirkweise

Cladribin ist ein Präparat für die orale Kurzzeittherapie. Es greift selektiv eine bestimmte Gruppe von weißen Blutkörperchen an, die T- und B-Lymphozyten. Diese sollen maßgeblich am Krankheitsgeschehen von MS beteiligt sein. Der Wirkstoff stört unter anderem die Synthese der Erbsubstanz (DNA) bei der Zellteilung, so dass die betroffenen Zellen zugrunde gehen. Cladribin soll die Häufigkeit der Schübe mindern und so das Fortschreiten der Krankheit verzögern.

Nicht geeignet bei/für

Immungeschwächte Patienten und Patienten, die eine immunsuppressive oder myelosuppressive Therapie erhalten, Schwangere und Stillende, Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Bestandteile, aktiven chronischen Infektionen (HIV, Tuberkulose oder Hepatitis), aktiven malignen Erkrankungen, mittelschweren oder schweren Einschränkungen der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min)

Nebenwirkungen

Lymphopenie (Vor und während der Behandlung mit Cladribin muss in regelmäßigen Abständen die Lymphozytenzahl des Patienten bestimmt werden), Infektionen, Hautausschläge, Herpes Zoster (Gürtelrose), mögliches erhöhtes Risiko für maligne Erkrankungen.

Wissenswertes

Die Post-hoc-Analyse der zweijährigen Phase-III-Studie CLARITY zeigte, dass Cladribin-Tabletten bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität die jährliche Schubrate um 67 Prozent im Vergleich zur Plazebogruppe senkten. Das Risiko einer bestätigten EDSS-Progression sank in einem Zeitraum von sechs Monaten um 82 Prozent im Vergleich zu Placebo. Laut der Erweiterungsstudie CLARIT EXTENSION hält diese Wirkung über drei bis vier Jahre an.

Wenn keine Immunität besteht, ist es notwendig, sich vor Behandlungsbeginn gegen Herpes / Varizella-Zoster impfen zu lassen.

*Patienten mit einem Schub im vorausgegangenen Jahr und > einer T1-Gd+-Läsion oder > neun T2-Läsionen unter Behandlung mit anderen Basistherapeutika ODER Patienten mit > zwei oder mehr Schüben im vorausgegangenen Jahr unabhängig von einer erfolgten Basistherapie.



Letzte Aktualisierung: 30.08.2019

Multiple Sklerose Lexikon

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Wissenschaftliche Betreuung

Prof. Dr. med. Peter Flachenecker
Chefarzt Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof Bad Wildbad.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.
Vorsitzender des Ärztlichen Beirates AMSEL e.V.

Prof. Dr.med. Ralf Gold
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef- Hospital.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.

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