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Zwischenergebnisse aus Stammzellstudie

Knapp 80 % der Teilnehmer sind seit 3 Jahren frei von Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose. Diese Studie arbeitete mit Blutstammzellen und einer hochdosierten Immuntherapie.

Ein US-amerikanisches Forscherteam berichtet über die Zwischenergebnisse aus einer kleinen, fünfjährigen Studie der Re-Transplantation von eigenen hämatopoetischen (Blutzellen-bildenden) Stammzellen in Kombination mit einer Hochdosis-Immuntherapie bei 24 Patienten mit schubförmiger MS. Blutstammzellen werden aus dem Knochenmark gewonnen und sind der Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Abwehrsystems (Hämatopoese).

Warnung vor unseriösen Stammzelltherapien

Auf dem Markt werden Patienten auf dessen Kosten immer wieder intrathekale Stammzelltherapien angeboten. Vor dieser unnützen und obendrein gefährlichen Geldausgabe warnen Ärzte- und Patientenverbände immer wieder. Tatsächliche Stammzelltherapien werden derzeit ausschließlich an spezialisierten Zentren und im Rahmen von Studien angeboten.

Dieses komplizierte und gefährliche Verfahren zielt auf den Neustart des Immunsystems und soll so weitere Immunattacken der Multiplen Sklerose auf Gehirn und Rückenmark verhindern. Die Abkürzung des Verfahrens heißt HSCT.

Bei der HSCT werden diese Stammzellen (aus Knochenmark oder Blut des Patienten selbst) zwischengelagert und der Rest der individuellen Immunzellen wird üblicherweise durch Chemotherapie verarmt. Dann werden die zwischengelagerten Stammzellen wieder zurück in den Blutkreislauf geführt. Die neuen alten Stammzellen wandern ins Knochenmark und produzieren nach und nach neue Zellen und somit - was zu wünschen ist - ein völlig neues Immunsystem, quasi "ohne" Multiple Sklerose. Das jedenfalls ist Ziel dieses experimentellen Verfahrens.

In die aktuelle Studie waren ursprünglich 25 Patienten mit MS -Schub und Verlust neurologischer Funktionen trotz Einnahme von krankheitsmodifizierenden Therapien während der vorangegangenen 18 Monate eingebunden. Die Teilnehmer erhielten HSCT mit hochdosierten immunsuppressiven Therapie und werden 5 Jahre lang nachbeobachtet. Der primäre Endpunkt der Studie ist das "ereignisfreie Überleben" der Teilnehmer, was bedeutet - und hier zeigt sich die Gefahr des potenziell hochwirksamen Verfahrens -, dass sie weder sterben oder noch einen Anstieg der Krankheitsaktivität erleben, also weder den Verlust neurologischer Funktionen, einen klinischen Schub oder neue Läsionen im MRT haben.

Ergebnisse: Eine Patientin hatte eine Lungenembolie durch Heparin (als Teil der Stammzellsammlung) und zog sich aus der Studie zurück. Bei 5 Patienten schlug die Behandlung fehl. Ereignisfreie Überlebensrate nach drei Jahren hatten 78,4%, nach 1 Jahr waren es noch 95,8% gewesen. Ergebnisse der klinischen Skalen zur Messung der Krankheitsaktivität und der Lebensqualität einschließlich der EDSS, zeigten sich bei diesen Patienten deutlich verbessert drei Jahre nach HSCT. Analysen des Immunsystems Analyse zeigte einen Rückgang der Immunzellen, die das Immunsystem angreifen, was darauf hinweist, dass das Immunsystem in der Tat "neu gestartet" werden konnte.

Zwei Todesfälle gab es unter den Teilnehmern: einen nach Komplikationen aufgrund der MS-Progression und einen anderen aufgrund von Asthma. Eine Person erlebte einen MS-Schub. Sie war nicht mit der Prednison-Therapie einverstanden, um dieses Risiko beim Gewinnen der Stammzellen zu reduzieren. Es gab insgesamt 130 Nebenwirkungen, die schwerwiegend oder lebensbedrohlich waren, meist Zytopenien (Blutkörperchensenkungen) und Infektionen.

Die Ergebnisse der Studie machen beides deutlich: Wie gefährlich Stammzelltherapien sind, wie genau alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden müssen, um schwere und schwerste Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Aber auch wie vielversprechend das Verfahren ist, um die Multiple Sklerose drastisch einzudämmen wenn nicht gar zu stoppen.

Es gibt dringenden Bedarf an wirksameren Behandlungen für Multiple Sklerose Patienten, insbesondere für diejenigen mit progressiven Formen der Krankheit. Nach Ansicht der (US-amerikanischen) National MS Society, muss das Potenzial aller Arten von Zelltherapien erkundet werden. Die Gesellschaft unterstützt derzeit 15 Forschungsprojekte zu verschiedenen Arten von Stammzellen, einschließlich Zellen aus Knochenmark, Fett und Haut. Insgesamt 70 Stammzellstudien hat sie in den letzten 10 Jahren unterstützt. Auch deutsche Forscher konnten Ergebnisse zur Stammzellgewinnung beitragen (AMSEL.DE hatte berichtet).

Quelle: Interim Results Reported from Clinical Trial of Stem Cell Transplantation in People with Relapsing-Remitting MS, Bericht der National Multiple Sclerosis Society, 31.12.14

Redaktion: AMSEL e.V., 22.01.2015