Vitamine, Spurenelemente und Co. – die Regale in den Drogeriemärkten sind voll damit. Manchmal hat ein Arzt tatsächlich etwas davon empfohlen. Oft allerdings steckt irgendein Trend dahinter. Irgendetwas, das in verschiedenen Podcasts und Videos auf Social Media von meist ungeschulten Influencern empfohlen wurde. Daraufhin greifen die Konsumenten frei Schnauze und sehr großzügig in die Regale. Ein Milliardengeschäft für die Hersteller. Leere Geldbeutel für die Käufer. Alles o. k., solange wenigstens nichts Schlimmes passiert.
Lebensqualität steht nicht im Regal
Man mag anprangern, dass unser Glaube an Nahrungsergänzungsmittel hauptsächlich durch den Placeboeffekt gefüttert wird. Oder durch die nostalgische Sehnsucht an eine Zeit, als Oma bei Halsweh einen Quarkwickel machte und Kamillentee aufkochte. Eine Zeit, in der Menschen sich selbst geholfen haben, weil es entweder keinen Arzt und keine wirksamen Medikamente gab oder sie sich beides nicht leisten konnten. All diese Mittel müssen auch nicht falsch sein. Und freilich kann bei betagten Menschen beispielsweise ein Folsäuremangel entstehen. Oder Schwangere einen höheren Folsäurebedarf haben. Auch bestimmte Medikamente können den Folsäurespiegel senken. Dann empfiehlt ein Arzt zusätzlich zur Nahrung Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel und wird den Spiegel im Blut weiter beobachten.
Heute wird jedoch häufig einfach ins Regal gegriffen und werden vielversprechende Tabletten gekauft. Vitamin D wird eingenommen, ohne den eigenen Vitamin-D-Spiegel zu kennen. Nach "Gefühl". Folsäure ebenfalls. Vitamin C wird geschluckt, als gälte es, per Dreimaster und ohne frische Früchte an Bord die Welt zu umsegeln. Anstatt sich zum Beispiel ausbalanciert zu ernähren und gesund zu bewegen. Was möglicherweise weniger bequem wäre. Das entspricht vielleicht dem aktuellen Lifestyle, führt aber nicht immer zum Ziel. Gesundheit und Lebensqualität steht meist nicht im Regal.
Nüsse anstatt von Tabletten
Ein solcher Stoff, der aktuell fast überall und von jedem angepriesen wird, ist Lithium. Bei Batterien setzt man das Alkalimetall als mobilen Trägerstoff ein. Im menschlichen Körper ist es ein Spurenelement mit Einfluss, unter anderem auf die Funktion von Nervenzellen. Tatsächlich wird es in der Medizin aufgrund seiner stimmungsaufhellenden Wirkung bereits eingesetzt, zum Beispiel in der Therapie bestimmter bipolarer Störungen und Depressionen. Eine Studie an Mäusen, die vergangenen Herbst veröffentlicht wurde, hat die Diskussion um Lithium als eine Art „Allheilmittel“ bei kognitiven Problemen nun befeuert.
Allerdings, und das ist Prof. Mathias Mäurer in seinem Blogbeitrag wichtig anzumerken: Lithium kann schnell überdosiert werden. Das kann schwerwiegende, mitunter lebensbedrohliche Folgen haben. Ein guter Grund, Lithium nicht „frei Schnauze“ oder „nach Gefühl“ auszuprobieren. Mit Tabletten kann es leicht aus Versehen zu einer Überdosierung kommen. Auf der sicheren Seite ist man, indem man lithiumhaltige Nahrungsmittel hin und wieder in seinen Essensplan mit aufnimmt. Zum Beispiel Hülsenfrüchte oder Nüsse. Gerade Erdnüsse enthalten vergleichsweise viel Lithium. Dazu jede Menge Ballaststoffe und gesundes Fett. Wer eine fettfreie Alternative sucht, kann auch zu Mineralwassern greifen, die mit Lithium angereichert sind.
Nicht auszuschließen, dass Lithium, individuell dosiert, je nach individuellem Spiegel, eines Tages auch bei neurologischen Erkrankungen wie vielleicht der MS verschrieben wird. Dazu braucht es jedoch Daten aus Studien am Menschen. Einfach mal so Lithium zu nehmen, kann zu ungewollten Nebenwirkungen führen.
Lifestyle? Spielt eine Rolle!
Was kann ich noch tun? – Es ist völlig normal, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen sich fragen, was sie sonst noch tun können. Also, außer den verschriebenen Maßnahmen wie bestimmte Wirkstoffe, Physiotherapie usw. Lifestyle hat einen Einfluss, nicht nur auf unsere Lebensqualität, sondern mitunter auch auf den Verlauf einer Multiplen Sklerose. Darum geht es im eingangs dieses Absatzes verlinkten Textes. Und auf diesen AMSEL-Seiten:
Quelle: MS-Docblog, 17.04.2026.
Redaktion: AMSEL e.V., 20.04.2026
