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Videoreihe 7 Schlüssel der Resilienz: Verantwortung und Netzwerk-Orientierung

Sein Leben (wieder) selbst in die Hand nehmen und ein Netzwerk aufbauen - Heike Meißner zeigt in der Videoreihe "7 Schlüssel der Resilienz", wie man dahin kommt.

In der Videoreihe „Sieben Schlüssel der Resilienz“ geht es darum, seelische Widerstandskraft aufzubauen, um Lebensqualität (zurück) zu gewinnen. Heike Meißner, Leitende Neuropsychologin am Reha-Zentrum Quellenhof in Bad Wildbad, erklärt in sieben Videos die sieben Schlüssel. Der vierte Schlüssel heißt Verantwortung, der fünfte Netzwerkorientierung. Darum geht es in den hier vorgestellten beiden Videos.

4. Schlüssel: Verantwortung

Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – 4. Verantwortung

Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, bringt viel Gutes. Nicht zuletzt nimmt man sein Leben so (wieder) selbst in die Hand und ist aktiv. Heike Meißner zeigt im Video auf, was das noch bedeutet.

(Wieder) Verantwortung für sich selbst zu übernehmen – im Kontext von Resilienz bedeutet dies, sein Leben (wieder) in die eigene Hand zu nehmen. Verantwortung für sich selbst darf auf gar keinen Fall verwechselt werden mit Verantwortung für die eigene Erkrankung. Die gibt es nämlich nicht. Keiner ist schuld an seiner Erkrankung. Weder der Lebensstil, noch Verhaltensweisen oder große Stressbelastungen können eine Multiple Sklerose auslösen. Eine Erkrankung wie Multiple Sklerose ist Folge der Genetik in Kombination mit ein paar Umweltfaktoren (bestimmte Viren sind zum Beispiel im Gespräch).

Gemeint ist im Sinne der Resilienz eine Verantwortungsübernahme, ein „Wo geht die Reise hin?“ Oft nämlich passiert es, dass wir uns in der Kuschelzone der passiven Opferrolle allzu gemütlich einnisten. Klar, es tut gut, Trost zu empfangen. Das ist wichtig. Aber es bedarf auch einiges an Mut und Willen, um aus dieser Komfortzone wieder auszubrechen. Wie bei jeder Veränderung wird es vielleicht zunächst etwas ungemütlich. Das gilt natürlich nicht nur im Falle einer Multiplen Sklerose. Typisch für die Einnahme einer Opferrolle ist es, zum Beispiel einer schwierigen Kindheit oder dem belastenden Arbeitsplatz die „Schuld“ für sein Schicksal zu geben. Anstatt zu sagen: Das war ein schlechter Start oder das könnte besser laufen, aber ab hier nehme ich das Zepter selbst in die Hand. Ich übernehme Verantwortung dafür, wie es weitergeht und suche Lösungen.

Was hilft, das ist,

  • Die eigene Situation zu analysieren. D. h., auch Handlungsoptionen zu prüfen. Welche Möglichkeiten habe ich? Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung? Was verhindert, dass ich bestimmte Ressourcen nutze?
  • Eine andere Perspektive einzunehmen: sich zum Beispiel näher zu beschäftigen, mit dem vermeintlichen Auslöser einer problematischen Situation.
  • Ehrlich mit sich (und anderen) zu sein. Es liegt nicht immer an der Umwelt.
  • Lösungen suchen und finden, nach dem Motto: Was ich selbst initiiere, das habe ich auch selbst in der Hand. Was andere für mich tun, eher nicht.

Anstatt die eigene Situation als belastend und ausweglos zu betrachten, kann man sie auch als schwierige Zeit betrachten, als Herausforderung, die Zeit braucht. Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor. Zum Beispiel, wenn es bei Menschen mit Multipler Sklerose darum geht, zum ersten Mal in ihrem Leben einen Rollstuhl für längere Strecken einzusetzen.

Vielleicht kam der Hinweis dazu von einem Therapeuten. Das ist für viele im ersten Moment ein Schock. Die meisten stellen jedoch fest, wenn sie den Rolli erst einmal ausprobiert haben, dass sie so wieder mehr Freiheiten und Mobilität genießen können als ohne. Sie haben ihr Leben in die eigene Hand genommen, haben (sich und) dem Rolli eine Chance gegeben und somit an Lebensqualität gewonnen, auch wenn es zunächst gar nicht so aussah.

5. Schlüssel: Netzwerkorientierung

Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – Netzwerkorientierung

In guten wie in schlechten Zeiten: Unser Netzwerk trägt uns. Heike Meißner gibt in diesem Video Tipps, wie auch schüchterne Menschen Freundschaften schließen können. – Netzwerkorientierung ist der 5. Schlüssel zur Resilienz.

Das persönliche Netzwerk ist ein wichtiges Element, nicht nur im Resilienzmodell, sondern auch bei verwandten psychologischen Modellen wie der Salutogenese oder dem “mentalen Immunsystem”. Netzwerk, das kann jeder sein: vom Frisör und den Nachbarn über Familie, Kollegen und Bekannte bis hin zu “dicken” Freunden.

Wirklich gute Freunde, das sind Menschen, die für mich da sind. Die im Ernstfall auch nachts um drei Uhr kommen, um zu helfen. Die sowohl aktiv helfen (im Rahmen ihrer Möglichkeiten), als auch nur zuhören können. Unser gesamtes Netzwerk trägt uns (und wird natürlich auch von uns mitgetragen). Es ist nicht zu unterschätzen. Sein Netzwerk auszubauen und zu pflegen, ist eine der besten Investitionen in die Zukunft, sogar lebensverlängernd, wie Untersuchungen gezeigt haben.

Es gibt Menschen, die viele Freunde um sich herum brauchen und es gibt Menschen, die mit wenigen Freunden auskommen. Auf die Anzahl kommt es nicht wirklich an. Denn richtig gute Freundschaften muss man pflegen und das braucht Zeit. Wer 2-3 wirklich gute Freunde hat, kann sich bereits als reich betrachten.

Was aber tue ich, wenn ich zu den introvertierteren Menschen gehöre, die schwer Kontakt schließen? Neuropsychologin Heike Meißner hat Tipps:

  • Wenn ich jemanden kenne oder neu treffe, der mir sympathisch ist, könnte ich versuchen, die Beziehung zu vertiefen.
  • Ich kann Kurse oder Vereine besuchen,
  • neuen Nachbarn beim Einzug einen Kaffee kochen,
  • einem Kollegen, von dem ich weiß, dass er gerade schwierige Zeiten durchmacht, ein Post-it mit einem Smiley und den Worten „Kopf hoch!“ oder etwas anderes Nettes auf den Schreibtisch legen.
  • Soziales Engagement und Selbsthilfegruppen sind ein sehr guter Zugang zu neuen Bekanntschaften und oft auch Freundschaften. Zumal man seine eigene Situation im Umfeld Gleichgesinnter nicht zu erklären braucht. – Kleiner Tipp am Rande: mit der Umkreissuche auf der Seite AMSEL Regional findet jeder AMSEL-Kontaktgruppen in seinem Umkreis.
  • Auch die Reha eignet sich, um sein Netzwerk zu erweitern: Heike Meißner spricht gewissermaßen aus dem Nähkästchen, denn als Leitende Neuropsychologin im Rehazentrum Quellenhof bekommt sie hautnah mit, wie Patienten während ihres Aufenthalts in Bad Wildbad Freundschaften schließen, die weit über die Reha hinaus halten.

Es geht einfach darum, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, sich ein Stück weit in andere hineinzuversetzen und auf sie zuzugehen, frei nach dem Motto: 

„Wenn du einen guten Freund suchst, ist der beste Weg, selbst ein guter Freund zu sein.“

Auf Freunde zugehen sollte man nicht nur, wenn es einem schlecht geht. Man sollte selbstredend auch nicht nur erwarten, dass andere auf einen zugehen. Heike Meißner erlebt es gelegentlich, dass Menschen enttäuscht sagen: „Jetzt bin ich in Reha und keiner meldet sich.“ Am besten ist es, einfach selbst anzurufen. Eventuell hat der Freund oder Bekannte ja einfach eine Scheu, einen in der Reha anzurufen. Die gilt es ihm zu nehmen. Oder er hat einfach wirklich sehr viel um die Ohren und es passt zeitlich nicht. Die beleidigte Leberwurst zu spielen, ist jedenfalls selten hilfreich, wenn es darum geht, Freundschaften zu pflegen.

Man sollte auch in guten bzw. besseren Zeiten auf andere zu gehen, nicht nur dann, wenn es einem schlecht geht und man Hilfe braucht. Ganz wichtig: Freundschaft ist keine Einbahnstraße. Es tut einem selbst und der Freundschaft selten gut, wenn man „Leistungen“ gegeneinander aufrechnet. Wer großzügig bleibt, gewinnt.

Die übrigen 2 Schlüssel zur Resilienz gibt es demnächst hier, auf amsel.de in der Rubrik Videos. Für AMSEL-Mitglieder gibt es schon jetzt die ganze Videoreihe "7 Schlüssel zur Resilienz" auf AMSELplus.

Redaktion: AMSEL e.V., 05.09.2025