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Videoreihe 7 Schlüssel der Resilienz: Lösungs- und Zukunftsorientierung

Wie man Probleme löst, anstatt sie zu wälzen und wie man seine Zukunft mitgestaltet - Diplompsychologin Heike Meißner hat dafür gute Tipps.

Körperliche Einschränkungen sind das eine. Oft leidet aber auch die Seele an der MS und ihren Folgen. Wie man seelisch widerstandsfähiger wird und so trotz aller Behinderungen wieder mehr Lebensqualität gewinnt, das erklärt die Diplompsychologin Heike Meißner in der Videoreihe “7 Schlüssel zur Resilienz”. - Hier nun die letzten beiden Schlüssel:

6. Schlüssel: Lösungsorientierung

Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – 6. Lösungsorientierung

Dein Gedankenkarussell dreht sich endlos im Kreis? Diplompsychologin Heike Meißner hat Tipps, wie Du wieder herauskommst: Lösungsorientierung lautet der 6. Schlüssel zu mehr Resilienz.

Das hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt, ob mit oder ohne Multiple Sklerose: Ein Problem tut sich auf und man findet und findet keine Lösung. Obwohl man ständig darüber nachdenkt. Im Gegenteil: Das Gedankenkarussell hat einen längst mitgenommen, lässt einen nicht mehr los. Kaum ist man alle möglichen Lösungsansätze durchgegangen, befindet man sich wieder am Anfang. Nachts verfolgen einen die Gedanken noch mehr als tagsüber. Die Folge: Man schläft wenig und das schlecht. Ist am nächsten Tag noch müder und zudem übel gelaunt. – Keine guten Voraussetzungen, um ein Problem wirklich zu lösen.

Raus aus der Problem-Trance

Das gelingt am besten, wenn man das Problem von außen betrachtet. Dabei kann es hilfreich sein, das Problem in kleine Teile zu zerlegen. Das kann im ersten Moment überfordern. Deshalb die Frage: Wie kann die innere Haltung lösungsorientierter werden? Dafür hat Heike Meißner folgende Tipps:

  • Das Problem mit einer anderen Person besprechen. Diese hat möglicherweise einen objektiveren Blick und kann dadurch einen anderen Blickwinkel einnehmen.
  • Frei brainstormen und Ideen sammeln, egal ob diese im ersten Moment umsetzbar sind oder nicht. So kann man den Blick weiten und man denkt wieder flexibler.
  • Mithilfe einer Timeline des eigenen Lebens bisherige Herausforderungen betrachten. Sich damit zu überlegen, was habe ich alles schon geschafft? Welche Fähigkeiten habe ich schon? So können bereits vorhandene Lösungsstrategien gefunden und angewendet werden.
  • Wenn sich die Gedankenspirale zu schnell dreht, kann es helfen, sich eine bestimmte, begrenzte Zeit in der Zukunft nehmen, in welcher man das Problem angehen möchte. Damit kann man die Situation im Hier und Jetzt besser kontrollieren und das Gedankenkarussell stoppen.

Um direkt damit anzufangen, lösungsorientierter zu sein, ist es wichtig, sich zu überlegen, was das eigene Ziel ist. Wie würde man sich ohne das Problem fühlen? Wie würden man merken, das Problem gelöst zu haben? Statt das große Ganze zu sehen, kann es hilfreich sein, kleine Fortschritte schriftlich festzuhalten. Da wir dazu neigen, eher die negativen, als die positiven Dinge im Leben zu sehen, können wir sie so besser wahrnehmen und auch wertschätzen. 

Wir alle neigen vermutlich dazu, Probleme ganz aus unserem Leben verbannen zu wollen. Allerdings können wir einfacher Lösungen finden, wenn wir unter mittelgroßem Stress stehen. So können wir kreativer denken. Sollte dieser Stress jedoch zu groß sein, kann es uns schwerfallen, lösungsorientiert zu bleiben und nicht in das Gedankenkarussell zu fallen. Um wieder in einen beruhigteren Zustand zu kommen, helfen Entspannungstechniken. Methoden, die dabei helfen können, sind eine tiefe Bauchatmung, aber auch eine bewusste Atmung durch die Nase. Dabei wird vier Sekunden eingeatmet und darauf folgend sieben Sekunden ausgeatmet. Nach elf Minuten fühlt man sich deutlich entspannter und weniger gestresst. Um dabei die Aufmerksamkeit zu steigern, kann man die Nasenlöcher abwechselnd zuhalten. 

Durch diese Tipps der Diplompsychologin Heike Meißner können wir lösungsorientiertes Handeln trainieren und unsere Resilienz stärken. Wichtig dabei ist, sich das Problem aufzuteilen und einen objektiven Blick von außen zu erreichen. Nicht zu vergessen sind kleine Fortschritte: Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut!

Schlüssel 7: Zukunftsorientierung

Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – 7. Zukunftsorientierung

Man könnte sich ewig mit dem Gestrigen beschäftigen. Schöne Erinnerungen zu haben, ist natürlich etwas Tolles. Wenn es aber dazu führt, dass wir uns ständig damit vergleichen, was wir vor zehn Jahren noch alles konnten und heute vielleicht nicht mehr, sind wir heute womöglich traurig. Was hilft, ist eine gesunde Portion Zukunftsorientierung.

Wir machen uns alle Gedanken um unsere Zukunft. 

  • Wie soll sie aussehen?
  • Was wollen wir noch erleben?
  • Wie will ich selbst sein? 

Gerade mit Multipler Sklerose kann die Zukunft oft ungewiss scheinen. Es ist also wichtig, sich um diese zu kümmern, sich Gedanken zu machen und somit eine gewisse Kontrolle über das eigene Leben zu behalten. Dabei darf die Balance zwischen Gegenwart und Zukunft und ein positiver Blick nicht fehlen. Wie das klappen kann, erklärt Diplompsychologin Heike Meißner.

Vorsätze und Ziele setzen ist gerade in der Neujahrszeit ein großes Thema. Allerdings fällt es oft schwer, diese einzuhalten. Oft scheitert man bereits in den ersten Tagen und lässt die Vorsätze wieder fallen. Das könnte daran liegen, dass sie nicht spezifisch genug formuliert werden. Dabei kann die SMART-Methode helfen. Mit ihr können Ziele spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert werden. Statt zu sagen, ich möchte im neuen Jahr mehr Sport machen, könnte man sich, je nach den eigenen Möglichkeiten vornehmen, ich möchte ab März ein oder zweimal die Woche auf den Crosstrainer gehen. Eine andere Version könnte sein, sich vorzunehmen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas zu erreichen, wie z.B. eine vorgenommene Strecke zu meistern.

Es ist jedoch nicht immer so einfach, zukunftsorientiert zu sein. Was ist, wenn ich gerade in einer Krise stecke und mir ein Blick in die Zukunft unmöglich scheint? Besonders nachts fällt es oft schwer, die Gedanken ruhen zu lassen und einzuschlafen. Man macht sich Sorgen und denkt über die ungewisse Zukunft nach. Und schon ist man gefangen im eigenen Gedankenkarussell. In diesen Momenten ist es wichtig, nicht im Bett zu bleiben, sondern aufzustehen, sich in einem anderen Raum abzulenken oder auch aktiv zu werden. Das kann in solchen Momenten helfen:

  • Tätigkeiten, wie putzen, basteln oder im Garten tüfteln können Ablenkung schaffen.
  • In besonders schwierigen Zeiten kann eine Sammlung an schönen Erinnerungen oder Düften hilfreich sein.
  • Ein imaginärer oder realer sicherer Ort, an dem man unerreichbar ist, kann helfen, sich wohlzufühlen und sich zu beruhigen. Jeder kann hier seinen eigenen Wohlfühlort schaffen.
  • Ein imaginärer bester Freund, egal ob Mensch, Tier oder Fabelwesen, kann beruhigend wirken. Man fühlt sich umsorgt und kann auch bei Bedarf mit „jemandem“ reden.
  • Sich zu überlegen, was würde ich meiner besten Freundin in der Situation raten? – So kann eine gewisse Distanz zu den eigenen Sorgen und Problemen entstehen.

Was aber ist, wenn all das nicht hilft und die eigenen Ressourcen nicht mehr ausreichen? Dann ist es wichtig, sich Unterstützung zu suchen und auch nicht zu lange damit zu warten. Diese kann von einer Beratung bei der AMSEL über Reha bis Psychotherapie ganz unterschiedlich aussehen.

Fazit zu allen sieben Schlüssel der Resilienz

Um passend mit herausfordernden Situationen umgehen zu können, ist es wichtig, sich bereits in guten Zeiten um die eigene Resilienz bzw. das mentale Immunsystem zu kümmern. Hilfreich kann auch der Austausch mit anderen sein. Das können ältere Menschen mit viel Lebenserfahrung sein. Aber auch ein eigenes Netzwerk an Menschen, mit denen man sowohl über Probleme als auch über Lösungen reden, oder sich Ziele für die Zukunft setzen kann.

Entscheidend ist, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Eine gewisse Unsicherheit gehört zum Leben dazu. Sie macht das Leben zwar herausfordernder, aber auch spannender. Heike Meißner betont, dass Menschen anpassbar sind und sich auch durch die schwierigsten Situationen kämpfen können. Der Glaube daran, dass auch wieder bessere Zeiten kommen, auch wenn es nicht so scheint, kann dabei ein Anker sein. Wir sollten daran denken: Jede Krise macht uns stärker für die Zukunft.

Die übrigen 5 Schlüssel zur Resilienz gibt es auf amsel.de in der Rubrik Videos.

Redaktion: AMSEL e.V., 02.02.2026