Als Resilienz bezeichnet man die seelische Widerstandskraft. Also die Fähigkeit, mit Schicksalsschlägen gut umgehen zu können, keinen seelischen Schaden davon zu nehmen. Es gibt “Glückskinder”, denen die Resilienz angeboren zu sein scheint. Doch auch, wenn man nicht zu diesen zählt: Resilienz, die seelische Widerstandskraft lässt sich erlernen.
Darum geht es in der AMSEL-Videoreihe “7 Schlüssel zur Resilienz”. Im Auftaktvideo zur Reihe hat Heike Meißner genau erklärt, was man unter Resilienz versteht. Im ersten Teil hat die Neuropsychologin den ersten Schlüssel, den Optimismus erläutert und Methoden gezeigt, die einem mehr Optimismus in den Alltag bringen.
2. Schlüssel zur Resilienz: Akzeptanz
Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – 2. Akzeptanz
Im hier vorgestellten zweiten Teil geht es um den zweiten Schlüssel zur Resilienz, die Akzeptanz und um den dritten Schlüssel: Selbstwirksamkeit.
Manche Menschen mit Multipler Sklerose reagieren empfindlich, beim Stichwort „Akzeptanz“. Das liegt daran, dass Akzeptanz häufig verwechselt wird mit Resignation.
Im Laufe unseres Lebens machen viele von uns mitunter schicksalhafte Erfahrungen, die sie nicht ändern können. Zum Beispiel, wenn eine Beziehung endet. Oder eine nahestehende Person stirbt. Oder eben, wenn man eine chronische Erkrankung erleidet, zum Beispiel Multiple Sklerose.
Dinge, die wir nicht ändern können, zu akzeptieren, ist ein erster Schritt, sie seelisch zu bewältigen. Also nicht mit der eigenen Vergangenheit zu hadern. Sich nicht dauerhaft über (scheinbar) falsche Entscheidungen, die hinter uns liegen, zu ärgern. Sondern zu akzeptieren, dass es jetzt so ist, wie es ist, und aus dem Jetzt heraus zu versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
Aber wie soll man das bewerkstelligen, wenn einem die negativen Gedanken nicht aus dem Kopf gehen wollen?
Heike Meißner rät dazu, aktiv zu werden. Das eigene Schicksal (wieder) in die Hand zu nehmen. Wegzuschauen, den Kopf sprichwörtlich in den Sand zu stecken, Dinge auf die lange Bank zu schieben: Das macht es meist nicht besser. Im Gegenteil: Der Berg an unerledigten Dingen wird immer größer und damit schwerer zu bewältigen.
Und es ist unglaublich anstrengend. Indem wir verdrängen anstatt zu akzeptieren, blockieren wir uns. Und nehmen uns selbst die Chance, Energie für mögliche Lösungen freizusetzen. Frei nach Dalai Lama, der sinngemäß sagt: Nichts strengt einen mehr an, als die Dinge nicht zu akzeptieren, die wir nicht ändern können. Das kostet unglaublich viel Kraft.
Die Leitende Neuropsychologin am Rehanzentrum Quellenhof in Bad Wildbad hat noch weitere Tipps:
- Die Situation objektiv betrachten.
- Dem einschneidenden Schicksal auch etwas Gutes abgewinnen (Meißner berichtet zum Beispiel über enge Freundschaften, die durch die MS entstanden sind: So sind ehemalige Quellenhof-Patienten noch nach Jahren in engem Kontakt miteinander).
- Das Konzept der Achtsamkeit, also bewusstes Zuwenden zum Hier und Jetzt. Die Vergangenheit können wir nicht beeinflussen; für die Zukunft lediglich Weichen stellen, aber was wir aus unserem Heute und Jetzt machen: Darauf haben wir Einfluss.
- Negative Gedanken bildlich auf die Reise schicken: Sie zum Beispiel "auf" ein Blatt "setzen" und einen Fluss hinabfließen lassen. Dabei zusehen, wie dieses Blatt einen Fluss “entlangtreibt”, weg von uns.
Wer akzeptiert, anstatt sich zu verkämpfen, gewinnt sehr viel Energie zurück, Kraft und Energie für neue Lösungen und für die schönen Dinge des Lebens. Manchmal sind die klein, aber wenn wir sie übersehen, kommen sie gar nicht bei uns an (darum ging es unter anderem beim ersten Schlüssel zur Resilienz, dem Optimismus).
3. Schlüssel: Selbstwirksamkeit
Videoreihe: Die 7 Schlüssel der Resilienz – 3. Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung von Menschen, Herr ihrer Situation zu sein, Probleme bewältigen zu können, und zwar nicht, weil sie Glück haben, sondern, weil sie wissen, dass sie Kompetenzen haben. Der Begriff geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück.
Es geht um die innere Haltung, mehr als um die tatsächliche Lösung womöglich vieler Probleme. Also ein: “Ich habe das zwar noch nicht gemacht, aber ich traue mir zu, an einem Auto den Reifen wechseln zu können.” Dazu nutze ich eigene Kompetenzen, Strategien und möglicherweise auch Ressourcen. Ich frage zum Beispiel einen Kumpel, der das regelmäßig macht und der mir das nötige Werkzeug leihen kann.
Grundsätzlich nehmen Menschen meist nur dann Dinge als Aufgabe an, wenn sie überzeugt sind, das zu können. Die passenden Kompetenzen, Strategien und eben auch Ressourcen zu haben. Im Unterschied zum Selbstbewusstsein als innere Haltung, sich selbst mit allen Fähigkeiten und Fehlern zu akzeptieren, ist Selbstwirksamkeit direkt auf Handlungen bezogen. Eben nicht bei neuen Herausforderungen in Schockstarre zu verfallen, sondern sich der (grundsätzlichen) Möglichkeit bewusst zu sein, auch neue Herausforderungen stellen zu können, um die eigene Situation zu verbessern. Zum Beispiel als MS-Erkrankter zu wissen, dass man bei einschränkenden Veränderungen im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose das AMSEL-Team um Rat fragen kann.
Und wie bei den anderen Resilienzschlüsseln, gilt auch hier die Frage: Was, wenn ich so gar nicht bin? Andere mögen nicht so schnell aufgeben, aber ich gelange schneller an meine Grenzen?
Hier hat Heike Meißner Tipps, wie man die eigene Selbstwirksamkeit trainieren, Menschen darin bestärken kann, mehr Vertrauen in sich zu entwickeln:
- Im Wesentlichen geht es darum, Unsicherheiten besser aushalten zu können, ohne zu verzweifeln und in die angesprochene Schockstarre zu verfallen.
- Das lässt sich prima im Kleinen üben, um dann auch bei größeren Herausforderungen gelassener bleiben zu können.
- Zum Beispiel, indem man, anstatt im Lokal immer das gleiche (oder auch abwechselnd immer die gleichen drei) Gerichte zu bestellen, mal etwas anderes bestellt. Notfalls kann man das auch auswürfeln.
- Und das lässt sich auf andere Bereiche übertragen: Musik, Urlaube, Wege…
- Im Zweifel ist nichts Schlimmes passiert: Man hat vielleicht einen Abend auf einem Konzert verbracht, das einem nicht gefallen hat.
- Oder aber wir haben einen neuen Interpreten, einen neuen Musikstil gar, kennengelernt, der uns fasziniert.
- Viele kleine Schritte, die unterm Strich Spaß machen und neugierig darauf, was einem noch alles begegnet.
- Die uns ausbrechen lassen, aus unserer Komfortzone.
- Und einen (wenigstens etwas) gelassener machen, wenn einem das Schicksal echte Brocken in den Weg wirft.
Die übrigen 4 Schlüssel zur Resilienz gibt es demnächst hier, auf amsel.de in der Rubrik Videos. Für AMSEL-Mitglieder gibt es schon jetzt die ganze Videoreihe "7 Schlüssel zur Resilienz" auf AMSELplus.
Redaktion: AMSEL e.V., 22.08.2025

