Es ist nicht schön, aber wahr: Wer an einer Autoimmunerkrankung leidet, trägt ein (etwas) höheres Risiko, dass noch weitere Autoimmunerkrankungen hinzukommen. Dieser Umstand ist schon lange bekannt (amsel.de hatte zuletzt aus dem together-Magazin berichtet: Komorbiditäten im Überblick: Wenn eine MS nicht die einzige Erkrankung ist). Ebenso, dass dies Einfluss auf die Therapie der Erkrankungen hat.
Aber von vorn: Besonders im Blick der Übersichtsarbeit stehen, zusätzlich zur MS, folgende Autoimmun-Krankheiten:
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- rheumatoide Arthritis
- Morbus Crohn und
- Colitis ulcerosa.
Rund 5 % der MS-Betroffenen leiden zugleich an einer weiteren Autoimmunerkrankung. Am häufigsten sind dies die Schuppenflechte, rheumatoide Arthritis und die beiden genannten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Das Autorenteam um Professor Stefan Bittner (Sobek-Nachwuchspreisträger 2014, amsel.de hatte berichtet) fasst nicht nur bisheriges Wissen zur Therapie polymorbide Autoimmunerkrankter zusammen, sondern bildet als interdisziplinäres Team einen Konsens zur Therapie, wenn mehrere Autoimmunerkrankungen gleichzeitig vorliegen. Ein wichtiges Thema, zumal sich die Therapieoptionen für einzelne Erkrankungen stetig verändern.
Ein Medikament gegen zwei Krankheiten?
Im besten Fall „erschlägt“ man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Will sagen, ein Medikament hilft gleich gegen zwei Autoimmunerkrankungen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Dimethylfumarat. Es hilft sowohl gegen Multiple Sklerose als auch gegen Schuppenflechte. Zudem ist es gegen beide Krankheitsbilder zugelassen.
Bei Ozanimod, beispielsweise, tritt der doppelte Nutzen dadurch ein, dass es sowohl gegen aktive schubförmig MS zugelassen ist als auch zur Therapie der Colitis ulcerosa. Aktuell laufen Untersuchungen, ob es auch bei Morbus Crohn hilft.
Passt doch? Na ja, nicht ganz. Für manche der anderen Autoimmunerkrankungen ist die Dosis der MS-Therapie schlicht zu gering. Es gibt jedoch auch Off-Label-Einsätze von nicht zugelassenen Medikamenten, von denen man weiß, dass das Angriffsziel bzw. das Wirkprinzip bei mehreren Autoimmunerkrankungen identisch ist. Manchmal lassen sich auch mehrere Therapien kombinieren. In der Rheumatherapie ist das schon länger gang und gäbe; bei der MS (noch) nicht.
Umgekehrt gibt es hingegen auch Wirkstoffe, wie zum Beispiel die TNF-alpha-Blocker, die zwar gegen einige Autoimmunerkrankungen helfen, die MS hingegen verschlimmern.
Auf jeden Fall braucht die Therapie von mehrfach von Autoimmunerkrankungen betroffenen Patienten immer eine interdisziplinäre und individuelle Herangehensweise, die auch mögliche Langzeitnebenwirkungen berücksichtigt.
Quellen: MS-Docblog, 18.08.2025; Deutsches Ärzteblatt, 08.08.2025.
Redaktion: AMSEL e.V., 18.08.2025

