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Progrediente und schwelende MS

In den letzten fünf Jahren ist in der Forschung zu progredienter MS einiges passiert. Was genau, erklärt der MS-Forscher und Sobek-Preisträger 2020 Prof. Alan Thompson im AMSEL-Video.

Bei Multipler Sklerose können die vielen verschiedenen Symptomen schubförmig oder progredient auftreten. Während am Anfang der MS meist der schubförmige Verlauf dominiert, verläuft die MS im Hintergrund progredient weiter. Dann nehmen Symptome vermehrt schleichend zu und die Schübe werden oft weniger. Man spricht daher in der ersten Phase oft von schubförmig-remittiernder MS, in der zweiten Phase von sekundär-progredienter MS. Wobei die Übergänge fließend sind und inzwischen bekannt ist, dass der progrediente Anteil einer MS oft von Anfang an dabei ist. Er stellt ein Kontinuum dar. 

Schwelende/ progrediente MS im Fokus

Progredienz bedeutet, dass sich die Symptome auf lange Sicht dauerhaft verschlechtern können, auch trotz hochpotententer Behandlung. Es kann zu Neurodegeneration, also Nervenzellschädigungen, kommen. Aktive Schübe kann man mittlerweile sehr gut behandeln. Die schwelende MS ist dagegen deutlich schwerer in den Griff zu bekommen.

Progrediente MS steht längst im Fokus der internationalen Forschungsarbeit. Prof. Alan Thompson erhielt 2020 den Sobek-Forschungspreis, für sein Lebenswerk und auch für sein Engagement, die progredienten Anteile einer MS zu untersuchen. amsel.de hatte den Sobek-Preisträger bereits 2020, im Vorfeld der Sobek-Preisverleihunginterviewt. Nun gibt es sozusagen ein Upgrade zum Stand der progredienten MS.

Progrediente/ schwelende MS - Prof. Alan Thompson im Video-Interview

Was wurde in den letzten 5 Jahren erreicht? Wie geht es weiter, mit der Erforschung und vor allem mit der Behandlung der progredienten MS? Sobek-Forschungspreisträger Prof. Alan Thompson berichtet über BTKi, CAR-T-Zellen und weitere Ansätze.

Was hat sich in den letzten fünf Jahren getan?

Kurz gesagt – es verschob sich der Fokus der Forschung hin zu progredienter MS. Auch Dank der Progressive MS Alliance, die Alan Thompson mitgründete. Die Meilensteine der letzten Jahre können in drei große Bereiche eingeordnet werden:

  1. Besseres Verständnis der Mechanismen hinter progredienter MS, indem es mehr Forschung zum angeborenen Immunsystem, verschiedenen Zelltypen oder Reparaturmechanismen gab.
  2. Progression findet nicht nur in späten Stadien, sondern schon deutlich früher statt und beschleunigt die Behinderung.
  3. Die Forschung zu Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (kurz: BTKis) bei der es positive Ergebnisse gab (amsel.de hatte berichtet). Allerdings kamen dabei Fragen zu (Leber-) Toxizität auf.

Alan Thompson, der auch Dekan der Fakultät für Neurowissenschaften am University College London ist, betont, ein weiterer wichtiger Bereich im Hinblick auf die progrediente MS sei die Erforschung von CAR-T-Zellen. Und er erähnt die Octopus-Studie von Jeremy Chataway. Dort werden mehrere Studienarme parallel untersucht. 

Es gibt viel Hoffnung!

Beteiligt an der Er- und Überarbeitung der McDonald-Kriterien zur MS-Diagnostik, hat Alan Thompson in den letzten 40 Jahren viel Erfahrung und Expertise gesammelt. Ihm ist wichtig, dass noch mehr von dem gemacht wird, was bereits in Arbeit ist. Es muss weiter erforscht werden, wie die grundlegenden Mechanismen der MS funktionieren oder wo Progression überhaupt beginnt. Dafür finanziert die Progressive MS Alliance Studien, die beispielsweise Hydroxychloroquin oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten untersuchen.

Durch all diese Forschung, an der in den letzten fünf Jahren gearbeitet wurde, herrscht nun mehr Hoffnung für MS-Betroffene mit progredientem Verlauf als noch bevor. Thompson ist sehr zuversichtlich, dass auch für die progrediente MS immer bessere Therapien gefunden werden.