Menschen mit MS können Organe spenden, wenn die Voraussetzungen passen. Was nicht geht, das sind Blutspenden und Stammzellspenden. Darüber informierte kürzlich das Krankheitskompetenznetz Multiple Sklerose gemeinsam mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.
Keine Blut- oder Stammzellspende mit MS
Dass Blut- und Stammzellspenden nicht zugelassen sind, hat den Hintergrund, dass man bis jetzt nicht ausschließen kann, den Empfänger zu gefährden. Laut Richtlinie für Hämotherapie zählen sowohl schwere Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) als auch chronische Erkrankungen des immunologischen Systems als Ausschlusskriterien für Blutspender und Stammzellspender. Beides trifft auf die Multiple Sklerose zu. MS ist eine schwere Erkrankung des ZNS und eine chronische Erkrankung des immunologischen Systems (eine Autoimmunerkrankung). Tatsächlich gibt es bislang zu wenig Daten, die nachweisen könnten, dass die MS eines Spenders den Empfänger nicht gefährdet. Hinzu kommt, dass negative Auswirkungen einer MS-Therapie auf einen Empfänger nicht ausgeschlossen werden können.
Als Blut- und Stammzellspender kommen MS-Erkrankte also, Stand heute, nicht infrage. Wie aber sieht es aus, bei Organspenden? Prof. Mathias Mäurer führt ein Beispiel aus der Praxis an: Ein bis auf seine stabile MS gesunder Vater, knapp 60 Jahre alt, würde seiner dialysepflichtigen Tochter gern eine Niere spenden, eine Lebendspende also. Darf er das? Hilft dies seiner Tochter?
Organspende: unter bestimmten Bedingungen
Grundsätzlich dürfte der Vater eine Niere spenden. Eine Voraussetzung bei Organspenden durch MS-Patienten: Der Empfänger muss über die MS des Spenders Bescheid wissen und mögliche Risiken kenne (auch bei Organtransplantationen werden Immunzellen, in diesem Fall von einem MS-kranken Immunsystem, übertragen).
Wie immer gilt es jedoch, individuell Nutzen und Risiken aus medizinischer Sicht für beide abzuwägen: den MS-kranken Vater wie die nierenkranke Tochter. Die Tochter hätte den Vorteil, dass die von einem Blutsverwandten gespendete Niere weniger wahrscheinlich abgestoßen würde als die Niere eines Nicht-Blutsverwandten. Über die MS ihres Vaters und mögliche Risiken ist sie aufgeklärt.
Der Vater ist bis auf seine MS gesund, die MS ist stabil, derzeit nimmt er keine immunmodulatorischen Wirkstoffe ein. Er trägt jedoch das OP-Risiko (zum Beispiel Infektionen), weiters das Risiko, dass sich durch die Entnahme einer Niere seine MS-Symptome dauerhaft verschlechtern, zum Beispiel die Fatigue. Und das Risiko, welches die OP und die fehlende Niere eventuell für künftige MS-Therapien für ihn darstellen könnten.
Allgemeiner betrachtet sind MS-Erkrankte als Organspender ausgeschlossen,
- wenn sie Mitoxantron, Alemtuzumab oder eine (bisher nur in Studien verfügbare) CAR T-Zell-Therapie hatten,
- ihre MS instabil ist,
- sie unter einer weiteren chronischen Erkrankung leiden.
Ansonsten gelten die üblichen Voraussetzungen, um als Organspender infrage zu kommen, etwa körperliche Fitness.
Ganz wichtig ist im Fall des MS-Patienten und seiner Tochter auch der ethische Aspekt: Die Entscheidung für eine Lebend-Nierenspende darf nicht unter Druck geschehen. Auch dies würde vor einem solchen Schritt abgeklärt werden.
Quellen: MS-Docblog, 08.09.2025; Stellungnahme der DMSG und des KKNMS, 08.08.2025; Richtlinie der Bundesärztekammer, 29.08.2023.
Redaktion: AMSEL e.V., 08.09.2025
