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Neutropenie durch CD20-Hemmer

Selten, aber ernstzunehmen: Wenn Anti-CD20-Antikörper weiße Blutkörperchen verringern. Darum rät Prof. Mathias Mäurer zu regelmäßigen Blutkontrollen.

Teaserbild zum Erklärvideo "Anti-CD20-Antikörper bei MS"

Es ist wie so oft im Leben: kein Vorteil ohne Nachteil. Bezogen auf Medikamente heißt das: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Alle Wirkstoffe können Nebenwirkungen mit sich bringen. Einen (kleinen) Eingriff in das körpereigene Immunsystem bedeuten sämtliche Immunmodulatoren gegen Multiple Sklerose. Der ist beileibe nicht so stark wie etwa bei einer Chemotherapie (weit davon entfernt!), kann aber doch mitunter zu einer erhöhten Infektneigung führen. 

Weiße Blutkörperchen regelmäßig kontrollieren

Immunsuppression ist nicht gleich Immunsuppression. Erhöhte Infektanfälligkeit gehört zu den häufiger auftretenden Nebenwirkungen der meisten aktuell zugelassenen MS-Therapien. Zudem kann am Tag der Infusion bzw. Injektion zeitlich begrenzt eine Abgeschlagenheit kommen, die jedoch in der Regel innerhalb 24 Stunden wieder verschwindet. So auch bei den Anti-CD20-Antikörpern oder CD20-Hemmern. Konkret sind dies:

  • Ocrelizumab,
  • Ofatumumab,
  • Ublituximab und
  • Rituximab (off-lable).

Erhöhte Infektanfälligkeit oder temporär begrenzte Abgeschlagenheit am Behandlungstag sind Nebenwirkungen, die vornehmlich weniger stark wiegen wie der positive Effekt auf die MS. Das Risikoprofil „passt“ also. Eine andere seltene, dafür jedoch unbedingt ernstzunehmende Nebenwirkung betrifft das Blutbild, genauer die Verringerung weißer Blutzellen. Mediziner sprechen von einer Neutropenie, wenn neutrophile Granulozyten im Blut vermindert sind. Bei Werten unter 500/ µl spricht man von einer schweren Neutropenie. Diese kann, je ausgeprägter sie ist und je länger sie anhält, zu lebensbedrohlichen Infektionen führen, da hier das angeborene Immunsystem geschwächt ist. Bei einer schweren Neutropenie kann schon eine kleine Hautverletzung ausreichen, um eine schwere, mitunter lebensbedrohliche Infektion auszulösen. Selten heißt im Falle von Ocrelizumab einer aktuellen portugiesischen Studie zufolge 0,63 % jährliche Inzidenz. Anders formuliert kam es im Rahmen der Studie jedes Jahr bei 1 von rund 159 Ocrelizumab-Patienten zu einer Neutropenie.

Schwere Neutropenie ist „fies“

Das „Fiese“ bei schweren Infektionen aufgrund von schwerer Neutropenie: Die üblichen Anzeichen für einen starken Infekt fehlen oft. Denn für diese klassischen Entzündungsreaktionen sind eben die weißen Blutkörperchen (die neutrophilen Granulozyten) zuständig. Eiter, Rötung und Schwellung sind dann nicht vorhanden oder nur sehr schwach. Auch die Körpertemperatur bleibt oft unter 38 Grad. Aus diesem Grund sollten die weißen Blutkörperchen bei Patienten unter Anti-CD20-Antikörpertherapie immer im Auge behalten, sprich: regelmäßig kontrolliert werden. Auch wenn es nur selten zu einer schweren Neutropenie kommt, bei der Behandlung mit den oben genannten Wirkstoffen.

Prof. Mathias Mäurer weist darauf hin, dass aus diesem Grund die in der Regel vierteljährlich angesetzten Blutkontrollen – mit Differenzialblutbild – sehr wichtig sind. Nicht immer allerdings, so die Erfahrung des Neurologen, erscheinen Patienten auch zu den vereinbarten Blutabnahmen. In der Regel sollten die Blutabnahmen zwischen den Infusions- bzw. Injektionsintervallen stattfinden. Man kann sie beim behandelnden Neurologen machen lassen, aber auch zum Beispiel beim (oft näher gelegenen) Hausarzt. Sie sind kein „Nice-to-Have“, sondern absolut notwendig.

Wird eine schwere Neutropenie entdeckt, gibt es sehr gute Möglichkeiten, diese zu behandeln. Selbst ein Rückkehren zur Therapie mit einem Anti-CD20-Antikörper gegen Multiple Sklerose ist möglich und selbstredend meist wünschenswert, um das Fortschreiten der MS deutlich einzubremsen.

Quelle: MS-Docblog, 18.08.2026.