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Das Corona-Virus: Multiple Sklerose in Zeiten des Corona-Virus

Multiple Sklerose stellt grundsätzlich kein erhöhtes Risiko für eine Covid-19-Infektion oder einen schweren Verlauf dar. Doch was ist mit den verschiedenen Therapien, was ist mit einer Cortisonschubtherapie, wie verhält es sich bei MS-Erkrankten, die immobil sind? - Der DMSG Bundesverband hat aktuelle Empfehlungen für diese Einzelfragen zusammengefasst. Persönliche Treffen finden in der AMSEL bis auf Weiteres nicht statt, per Telefon und digital ist die AMSEL weiterhin erreichbar [aktualisiert].

Wichtige Links zum neuartigen Corona-Virus / Covid-19

AMSEL möchte MS-Betroffene mit aktuellen Infos über das Corona-Virus im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose als auch über die Folgen hinsichtlich persönlicher Treffen informieren. Zunächst zur medizinischen Seite:

Das neue Corona-Virus (SARS-CoV-2) ist gefährlicher als die gewöhnliche Grippe. Es scheint sehr schnell die Lungen zu befallen. Die Sterblichkeit liegt höher als bei der Virusgrippe. Besonders gefährdet, so haben bisherige Beobachtungen gezeigt, sind ältere Menschen und solche mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen. – So viel ist bereits allgemein bekannt. Doch was bedeutet das Corona-Virus für Menschen mit Multipler Sklerose?

Professor Mathias Mäurer ging auf MS-Docblog.de bereits darauf ein. Nun äußert sich der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft detailliert zum Thema.

Die gute Nachricht: MS per se bedeutet keine erhöhte Gefahr.

Das gilt vor allem für MS-Erkrankte

  • ohne immunmodulierende Therapie

sowie Patienten, die folgende Therapien erhalten:

  • Interferon Beta (Avonex, Betaferon, Extavia, Plegridy, Rebif) und
  • Glatirameracetat hat (Clift, Copaxone),
  • sofern ihre Lungen gut belüftet sind.

Bei MS-Erkrankten mit stärkeren Behinderungen, die also etwa auf den Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig sind, ist ein Risiko für Atemwegserkrankungen erhöht, weil bei diesen Menschen die Lungen in der Regel weniger gut belüftet sind. Sie stecken sich nicht häufiger an als Gesunde, tragen jedoch das Risiko, bei Kontakt mit dem Corona-Virus schwerer zu erkranken.

Ebenfalls das Infektionsrisiko für eine begrenzte Zeit erhöhen kann eine

  • Cortison-Schubtherapie.

Hier müssen Arzt und Patient miteinander abstimmen, ob, gerade bei leichteren Schüben, auf Cortison verzichtet werden kann und inwiefern sich der Patient nach einer Cortisontherapie besser schützen kann, zum Beispiel, indem er für eine Zeit zu Hause bleibt anstatt arbeiten zu gehen. Cortisontherapien in regelmäßigen Intervallen, also unabhängig von einem akuten Schub, sollten nach Einschätzung von Prof. Dr. med. Ralf Gold,  Vorsitzender des Ärztlichen Beirates im DMSG-Bundesverband und Prof. Dr. med. Judith Haas,  Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes derzeit ausgesetzt werden.

Hier eine Zusammenfassung für alle verlaufsmodifizierenden Multiple-Sklerose-Therapien und ihren Eiunfluss auf edas Infektionsrisiko:

Corona-Virus und Multiple-Sklerose-Therapien [Stand: 09.03.2020]
WirkstoffInfektionsrisiko für Covid-19Maßnahmen
Interferon Beta (Avonex, Betaferon, Extavia, Plegridy, Rebif)kein erhöhtes Risiko-
Glatirameracetat (Clift, Copaxone)kein erhöhtes Risiko-
Dimethylfumarat (Tecfidera)Infektionsrisko nur bei erniedrigter Lymphozytenzahl höher-
Natalizumab (Tysabri)nach derzeitigem Stand kein erhöhtes Risiko-
Teriflunomid (Aubagio)kein erhöhtes Risiko anzunehmen bei Dosierungen  für MS-Therapie-
Sphingosin-1-Phosphat-Modulatoren Fingolimod (Gilenya) und Siponimod (Mayzent)erhöhtes Infektionsrisikobereits bestehende Therapie fortführen wegen Krankheitsaktivierung bei Absetzen; neue Aufnahme einer Therapie derzeit sorgfältig überlegen.
sog. depletierende Therapien mit Orelizumab (Ocrevus), Rituximab (Mabthera) und Mitoxantron ( Novantron, Ralenova)erhöhtes Infektionsrisiko besonders direkt nach der Infusionbei Ocrelizumab und Rituximab Intervallverlängerung diskutieren.
sog. depletierende Therapie mit Cladribin (Mavenclad)erhöhtes Infektionsrisiko besonders direkt nach der Gabe, v.a. ca. 4 Wochen nach der letzten Gabe eines Zyklus; gewünschte Verminderung der weißen Blutkörperchen hält individuell unterschiedlich lange an, so auch das erhöhte Infektionsrisko.Risiko individuell abschätzen. Besondere Maßnahmen, auch bezüglich Außenkontakten einhalten. Patienten, bei denen jetzt der 2. Behandlungszyklus ansteht, sollten diesen hinausschieben oder besondere Vorkehrungen treffen, um Infektionsrisiko zu mindern.
Alemtuzumab (Lemtrada)ähnlich wie Cladribin, s. dort. Gewünschte langanhaltende Änderung der weißen Blutkörperchen führt zu erhöhtem Infektionsrisiko.Wiederholte Therapie sorgfältig prüfen. Neue Therapie gemäß geänderter Zulassung nur bei hochaktiver MS und Fehlen anderer Therapien erwägen.

 

 

Aktionstag für junge MS-Erkrankte verschoben

[aktualisiert, Stand: 09.07.2020]: Gruppentreffen sind unter Beachtung der Abstands- und Hygienemaßnahmen wieder möglich. Die Kontaktgruppenleitungen sind vom Landesverband informiert worden. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Kontaktgruppe bzw. Gruppenleitungen wenden sich bitte an den für Ihre Gruppe zuständigen Landesverbandsmitarbeiter.

[aktualisiert, Stand: 18.03.2020]: Sämtliche Gruppentreffen der AMSEL, von Kontaktgruppen, Jungen Initiativen wie auch die Veranstaltungen des Landesverbandes, entfallen bis auf Weiteres, um die Verbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen. Bitte nutzen Sie unsere virtuellen Angebote (Forum, Facebookseite und Gruppen) sowie Telefon und E-Mail für Kontakte. [Ende der Aktualisierung].

Bereits vorher hieß es:

Der DMSG Bundesverband empfiehlt, Gruppentreffen und Veranstaltungen der Landesverbände abzusagen. 

Auch die AMSEL hat sich schweren Herzens dazu entschlossen, den Aktionstag für junge MS-Erkrankte, der am 25. und 26. April 2020 stattfinden sollte, auf das erste Halbjahr 2021 zu verschieben. Ein genauer Termin wird noch bekanntgegeben. Alle bereits Angemeldeten informiert die AMSEL persönlich (Sie brauchen also nicht anzurufen) und erstattet bereits geleistete Beiträge zurück.

Aus Sicht des Ärztlichen Beirats der AMSEL und der DMSG ist es derzeit nicht ratsam, größere Veranstaltungen mit MS-Betroffenen durchzuführen. AMSEL hat deshalb alle Veranstaltungen abgesagt, Web-Seminare sind in der Vorbereitung, um MS-Betroffenen weiter mit Informationen zu versorgen. Aktuelle Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden Interessierte unter AMSEL-Veranstaltungen.

Seriöse Quellen sind in Krisenzeiten wichtiger denn je

Persönliche Krisen, die nur einzelne Menschen oder Gruppen betreffen, rufen immer auch Heilversprecher auf den Plan, die für alles eine meist allzu simple Lösung haben. Bitte verbreiten Sie solche Infos nicht weiter. Erstrecht gilt dies in Krisenzeiten wie derzeit mit Corona, in denen die gesamte Bevölkerung betroffen ist. Seriöse Quellen zur Info sind aber gerade jetzt wichtiger denn je. amsel.de veröffentlicht nur gründlich recherchierte Informationen.

Quelle: DMSG Bundesverband, 09.03.2020; amsel.de 13.05.2020 [zuletzt aktualisiert].

Weitere aktuelle Infos zu Corona / Covid-19 und Multipler Sklerose

 

Redaktion: AMSEL e.V., 30.03.2020