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MS-Diagnose Jahre vor erstem Symptom?

Kontinuierlich stark erhöhte Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus könnten die Multiple Sklerose Jahre vor ihrem Ausbruch voraussagen. Das fand ein österreichisches Forschungsteam heraus.

MS ist zwar keine Erbkrankheit, doch manchmal würde es einen schon interessieren, gerade wenn jemand in der Familie an MS erkrankt ist, ob es einen selbst auch treffen wird. Zugegeben: Mindestens genauso oft wird man den Gedanken an das potenziell mögliche Schicksal einer chronischen Erkrankung lieber verdrängen wollen.

Schluss mit Kopf in den Sand?

Kopf in den Sand oder eher nicht? – Bisher war es egal, wie wir dazu stehen, weil es sich ohnehin nicht beantworten ließ, ob wir an MS erkranken werden oder nicht. Was sich möglicherweise durch die Forschungsergebnisse der MedUni Wien ändern könnte. Mit Blutmessungen des Epstein-Barr-Virus. Sind diese Level – wir reden von EBNA-1 381-452 -spezifischen IgG-Titern – in zwei von vier Proben über einen zeitlichen Abstand hinweg stark erhöht, dann erhöht sich das Risiko sehr, dass sich in den kommenden bis zu zwölf Jahren MS-Symptome zeigen. Sind sie in drei bis vier der Blutproben erhöht, dann erkranken Menschen später mit großer Sicherheit an MS.

Das hört sich zunächst gruselig an; Gewissheit zu haben, kann aber im Einzelfall, wenn etwa nahe Verwandte an MS erkrankt sind, wenn man am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt ist oder auch, wenn unklare Symptome vorliegen, sehr hilfreich sein. Bisher nämlich kann man eine Multiple Sklerose erst nach Auftreten der ersten Symptome (oder auch typischen MRT-Veränderungen, Liquorproben ...) behandeln. Welchen Effekt eine Behandlung noch vor dem eigentlichen Ausbruch der MS haben könnte, lässt hoffen: Vielleicht kommt es dann zu deutlich weniger bleibenden Einschränkungen als das bisher, trotz sehr potenter Wirkstoffe, noch der Fall ist. Oder gar keinen. Vorausgesetzt, der einzelne Patient möchte überhaupt eine Behandlung vor der eigentlichen Erkrankung.

EBV-Test für MS-Risiko

Noch ist der Test nicht in der klinischen Praxis angekommen. Der EBV-Test auf MS könnte jedoch, ähnlich wie der NFL- und der GFAP-Test, die Diagnosemöglichkeiten bei MS deutlich erhöhen. Mit dem EBV-Test läge nicht nur ein Diagnosetool für die Zeit vor der bisherigen MS-Diagnose vor, sondern er wäre, den Studienergebnissen nach, zudem sehr spezifisch, weil er nicht nur den Untergang von Nervengewebe misst (was auch bei Demenz beispielsweise der Fall ist), sondern einen Mitverursacher der MS selbst misst: das Epstein-Barr-Virus, gegen welches fast jeder Erwachsene Antikörper im Blut hat, aber eben nicht kontinuierlich und in großer Zahl, wie das im Vorfeld einer MS der Fall zu sein scheint.

Quelle: Nature Communications, 14.07.2025.