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MLC1-Antigene: keine MS?

Was zunächst schien wie ein mögliches Zielprotein bei MS, ist offensichtlich das Gegenteil: Ein Zeichen für eine andere, der MS nur ähnliche Erkrankung, wie deutsch-österreichische Forscherteams berichten.

Wenn man ein Zielprotein für Multiple Sklerose ausmachen könnte, dann wäre die Therapie der MS einen großen Schritt weiter. Noch haben MS-Forscher weltweit diese Hoffnung, dass es ein solches Zielprotein gibt, nicht oder noch nicht ganz aufgegeben. Viele schließen dessen Existenz allerdings auch komplett aus. Bisherige Ergebnisse zeigen: So man solche Proteine bei vermeintlich MS-Erkrankten findet, dann handelt es sich eben nicht um MS, sondern um eine eigenständige, der MS nur ähnliche Erkrankung.

Das war so mit Aquaporin4-Antikörpern, die eben gerade darauf hinweisen, dass keine MS vorliegt. amsel.de hatte mehrfach über die der MS ähnlichen Krankheitsbilder NMOSD und MOGAD berichtet (zuletzt "MOGAD auf der AAN" am 15.06.2026). Seitdem man sie in der Regel gut abgrenzen kann, weiß man, dass es sich dabei nicht um Multiple Sklerose handelt. Und kann die Therapie entsprechend anpassen.

Noch unklar: Gibt es ein Zielprotein für MS?

Das scheint nun das Gleiche zu sein mit MLC1, jenem Astrozytenprotein, das zunächst die Hoffnung aufkeimen ließ, man hätte ein Zielprotein für MS und damit für potenziell deutlich wirksamere MS-Behandlung gefunden (amsel.de hatte 2025 über erste Forschungsergebnisse zu diesem Zielprotein berichtet).

Doch Pustekuchen. Aktuell veröffentlichte Ergebnisse von Forscherteams aus Erlangen, München und Wien weisen sehr stark darauf hin, dass Patienten mit Antikörpern gegen MLC1 keine Multiple Sklerose haben, sondern eine eigenständige, der MS nur sehr ähnliche Erkrankung. Forscher sprechen von einer MLC1-assoziierten Astrozytopathie. Einen offiziellen Namen hat dieses Krankheitsbild noch nicht. Man kann es aber zu den NMOSD zählen, den Neuromyeitis-optica-Spektrum-Erkrankungen.

MS besser abgrenzen

Für MS-Patienten ändert sich dadurch zunächst nichts. Für die Forschung und damit möglicherweise für die künftige Therapie von MS und der MS ähnlichen Erkrankungen bedeutet diese Erkenntnis bessere Abgrenzung der einzelnen Krankheitsbilder voneinander und eine künftig noch gezieltere Therapie.

MLC1 ist ein Membranprotein, das den Wasser- und Ionenhaushalt sowie das Zellvolumen im Gehirn und im Rückenmark reguliert. In Laboruntersuchungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die MLC1-Antikörper an Astrozyten binden und diese mitunter so stark schädigen, dass sie absterben.

Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Erlangen, 28.08.2026; Pressemitteilung der LMU, 27.08.2026; Science Translational Medicine, 26.08.2026.