Teil eins der dreiteiligen Videoreihe „Kortison bei MS“ erklärte, was Kortison ist und wo es herkommt. Im zweiten Teil ging es um mögliche Nebenwirkungen und wie man diesen begegnet. Im dritten und letzten Teil geht Professor Mathias Mäurer ein auf mögliche Alternativen zur hoch dosierten Kortison-Puls-Therapie im Falle eines MS-Schubes.
Auf Kortison verzichten? Erst mal abwarten?
Schub ist nicht gleich Schub. Es gibt, relativ gesehen, milde Schübe und auch entsprechend stärkere. Multiple Sklerose ist eine sehr komplexe und chronisch verlaufende Erkrankung. Bei der Mehrheit der Patienten schreitet sie zu Beginn schubförmig voran. Man spricht von der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose. Schübe lassen sich mit hochdosiertem Kortison, meist 1.000 mg für fünf Tage, behandeln.
Aber muss man überhaupt jeden Schub behandeln? Die klare Antwort lautet: Nein. Zwar kann Kortison helfen, die Schubssymptomatik einzugrenzen, aber Kortison ist kein Orangensaft, so Professor Mathias Mäurer. Sprich: Es hat auch Nebenwirkungen.
Wenn ein vergleichsweise milder Schub vorliegt, kann man daher durchaus auch auf eine Kortisonbehandlung verzichten. Dies sei aber sehr stark abhängig vom individuellen Leidensdruck der Patienten und auch davon, welche Therapie sie eventuell einfordern. Wenn hingegen starke Einschränkungen in der Lebensqualität der MS Betroffenen im Raum stehen, zum Beispiel die Erblindung eines Auges, Einschränkungen in der Motorik oder Balanceprobleme, würde man immer und möglichst zeitnah mit der Schubtherapie beginnen.
Und was ist mit erst mal abwarten und eventuell später noch mit Kortison therapieren? – Von dieser Strategie rät Professor Mathias Mäurer ab. Bei der Kortisonstoßtherapie gilt es, schnell zu handeln und die in diesem Moment bestehende Schubsymptomatik im Rahmen einer Akutbehandlung möglichst zeitnah einzugrenzen. Ein verzögerter Therapiestart wirkt deutlich weniger gut.
Und was, wenn Kortison nicht hilft?
Es kommt vor, dass die Kortisontherapie nicht den gewünschten Effekt hat. Ist dies der Fall, gibt es mit der
- Immunadsorption und
- dem Plasmaaustausch (einer Art von Blutwäsche),
abhängig von der Stärke und Art der Symptome, Alternativen zur Kortisontherapie. Diese Therapie-Optionen sind jedoch kein Spaziergang.
Da für beide Therapieverfahren ein Zugang gelegt werden muss, ist ein stationärer Aufenthalt nötig. Bei der Plasmapherese braucht der Körper zwischen den Anwendungen Zeit, daher gibt man die nur jeden zweiten Tag. Bei in der Regel fünf Anwendungen ist also ein Krankenhausaufenthalt von 5 bis 10 Tagen nötig.
Zeigt sich, dass einzelne Patienten nicht auf Kortison ansprechen, wählt man direkt die Blutwäscheverfahren, ohne "Umweg" über hoch dosiertes Kortison.
Besser Schubprophylaxe als Schubtherapie
Das Geheimrezept einer erfolgreichen MS-Therapie, so Mäurer, sei jedoch die Verhinderung von Schüben. Im besten Fall, so der Chefarzt der Neurologie am Klinikum Würzburg Mitte, brauche ein Patient nur einmal Kortison, und dies sei am Anfang der MS, mit dem ersten Schub. Richtig eingestellt auf eine passende Immuntherapie, könnten weitere Schübe verhindert werden: No Evidence of Disease Activity, kurz NEDA. Vor allem die jüngeren MS-Wirkstoffe der Stufe 3 können Schübe sehr wirkungsvoll nahezu ganz verhindern.
Video-Reihe "Kortison bei Multipler Sklerose"
In der dreiteiligen Videoreihe "Kortison bei MS" mit Prof. Mathias Mäurer geht es um Kortison, das bei MS als Schubtherapie hochdosiert eingesetzt wird. Prof. Mathias Mäurer erklärt in der AMSEL-Video-Reihe
- was Kortison überhaupt ist,
- welche Wirkungen es hat,
- welche Wirkung bei einem MS-Schub genutzt wird,
- welche Nebenwirkungen es haben kann,
- wie oft diese im Rahmen einer MS-Schubtherapie vorkommen und
- welche Alternativen es zu Kortison bei MS gibt.
Quelle: MS-Docblog, 04.07.2025.
Redaktion: AMSEL e.V., 04.07.2025


