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Irrtum: Multiple-Sklerose-Betroffene seien betrunken

AMSEL räumt auf mit den Irrtümern und Vorurteilen über MS. Heute das Thema: Multiple-Sklerose-Betroffene seien betrunken.

Wohl wahr, so mag das Außenstehenden erscheinen. Unsicherer, breitbeiniger Gang, Schwanken, z.T. ausfahrende, unkoordiniert anmutende Bewegungen, Stolpern, dazu vielleicht noch Artikulationsschwierigkeiten – samt und sonders eindeutige Hinweise, dass hier wohl jemand zu tief ins Glas geschaut hat. Falsch gedacht!

Denn: Genau dies sind  Symptome der Multiplen Sklerose. Und sie sind nicht dem Alkohol geschuldet, sondern den krankheitsbedingten Störungen auf der neurologischen Ebene. MS als chronisch entzündlicher Prozess im zentralen Nervensystem schädigt die Myelinscheiden der Nervenfasern. Dies führt zu einem gestörten Reiz-Reaktions-Fluss. Die Impulse, die das Gehirn aussendet, kommen mit Zeitverzögerung bei den Muskeln an, so dass deren komplexes Zusammenspiel beeinträchtigt ist. Gleiches gilt für den umgekehrten Weg: Die Wahrnehmung von Fuß- und Beinkann durch Sensibilitätsstörungen soweit eingeschränkt sein, dass diese Information nur lückenhaft und ebenfalls verzögert an das Gehirn zurückgemeldet wird. Die Feinabstimmung zwischen Gehirn und Beinen bleibt weitgehend auf der Strecke. An runde, geschmeidige Bewegungsabläufe der Extremitäten ist da oft nicht mehr zu denken.

Seh- und Gleichgewichtsstörungen, verminderte Kraft durch Muskellähmungen (Paresen) oder Muskelsteifigkeit (Spastik) sind weitere Faktoren, die zur Gangunsicherheit (Gangataxie) und damit erhöhter Sturzgefahr führen. Mit Trunkenheit hat das gar nichts zu tun.

Schutz vor schrägen Blicken

Ist ein MS-Betroffener mit dem Rollator, Stöcken oder Fußheberschienen unterwegs, schützen ihn diese Hilfsmittel vor manchem schrägen Blick. Braucht er jedoch trotz Unsicherheit keine Hilfsmittel zur Fortbewegung, hilft manchmal in die Offensive zu gehen und seine Problematik den Mitmenschen klipp und klar zu kommunizieren.

Redaktion: AMSEL e.V., 20.04.2018