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Hirnstimulation fördert Myelinbildung

Australischen Forschern gelang der Nachweis, bislang im Tiermodell, dass bestimmte Übungen oder Nervenreizung von außen zu einer erhöhten Myelinbildung führen. Bei Multipler Sklerose fehlt Myelin und "legt" die Nerven im ZNS "blank".

Durch Jonglieren remyeliniseren. Die Myelinschicht aufbauen, indem man ein Instrument spielt. Durch transkranielle Stimulation die Multiple Sklerose verbessern. - Australischen Forschern der Monash Universität gelang der Nachweis, zunächst im Mausmodell, dass Remyeliniserung funktionieren kann. Und sie bereiten damit die Grundlage für Studien am Menschen.

Dafür untersuchten die Wissenschaftler der Monash Universität in Melbourne den Erfolg der gezielten Stimulation einzelner Axone von Mäusen. Dies gelang ihnen, indem sie den Mäusen ein „überflüssiges“ Gen hinzufügten, welches sich durch ein Medikament aktivieren ließ. Sie aktivierten daraufhin gezielt einzelne Axone in den Mäusehirnen. Unterm MRT wiesen sie nach, dass sich an diesen bis dahin nackten, also myelin- und somit schutzlosen Axonen wieder Myelin bildete. Vorhandene Myelinschichten verdickten sich durch die Methode.

Wege zur Remyelinisierung

Damit gelang den Forschern der Nachweis, dass diese Art der Stimulation einen bleibenden Effekt haben kann - nämlich die Remyelinisierung - und sich für bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose eignen könnte. Neben der mechanischen Stimulation durch Strom könnten jedoch auch bestimmte Tätigkeiten zu einer Remyelinisierung führen. Dazu zählen Handlungen wie das Spielen eines Instrumentes oder das jonglieren mit Bällen oder Keulen.

Ziel egal welcher Methode ist es, die Reizweiterleitung im Gehirn zu verbessern. Tatsächlich nutzen bereits gesunde Sportler Methoden wie die transkranielle Gleichstromstimulation, um ihre Trainings-und Wettbewerbsergebnisse zu verbessern. Wobei hin zugesagt sein muss, dass der Effekt bei den gesunden Sportlern nur temporär anhält.

Nichtinvasives Verfahren

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS, abgekürzt vom englischen Begriff "transcranial direct current Stimulation") ist ein Verfahren der Elektrostimulation. Es ist

  • nichtinvasiv (im Unterschied etwa zur Tiefenhirnstimulation, die standardmäßig bei Parkinson, im Off-Label aber auch bei MS-Patienten angewandt wird und mit teils schwereren Nebenwirkungen wie epileptischen Anfällen oder plötzlichem Lidschluss einhergehen kann),
  • schmerzfrei und
  • komplett reversibel.

Hierbei werden außen am Kopf Elektroden mit Gleichstrom angebracht und dadurch kortikale Erregbarkeit und neuronale Aktivität verändert.

Eine der ausstehenden Aufgaben für die Forscher ist nun, zu zeigen, dass bei kranken Menschen, denen Myelin bereits fehlt, nicht nur eine temporäre Verbesserung zu erzielen ist, sondern eben durch die Remyelinisierung sogar ein dauerhafter Effekt. Ganz konkret könnten sich die motorischen Fähigkeiten der Multiple Sklerose-Patienten verbessern. Ziel ist es jedoch auch, nicht nur bestimmte Symptome langfristig zu verbessern, sondern auch die Multiple Sklerose als Ganzes in ihrem Fortschreiten zu verlangsamen.

Dass Üben wirkt, kann jeder an sich selbst testen, indem er zum Beispiel regelmäßig die

macht. Meist stellen sich schon schnell messbare Verbesserungen ein, wenngleich im kognitiven und nicht im motorischen Bereich. Der "Muskel" Gehirn möchte ebenso trainiert werden wie andere Muskeln unseres Körpers.

Quelle: Pressemitteilung der Monash Universität, 23.01.2018; idw online, 01.02.2018; Wikipedia zur "Transkranielle Gleichstromstimulation", Stand: 08.03.2018

Redaktion: AMSEL e.V., 08.03.2018