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Herzmittel, das Myelin bildet

Mit HAMI3379 finden Bonner Wissenschaftler einen Wirkstoff, der beschädigte Myelinhüllen wiederherstellen könnte. Der Nachweis gelang bisher allerdings nur in der Zellkultur.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, einen neuen Wirkstoff zu finden. Entweder man entwickelt einen solchen Wirkstoff völlig neu. Oder aber man testet bereits bekannte Wirkstoffe für andere Krankheiten. Den letzten Weg haben Bonner Forscher auf der Suche nach einem Mittel gegen Multiple Sklerose eingeschlagen. 

Sie trafen dabei auf HAMI3379, einen Antagonisten des Cysteinyl-Leukotrienen-CysLT2-Receptors. HAMI3379 wurde ursprünglich entwickelt, um Herzkrankheiten und entzündliche Krankheiten zu behandeln. Wie sich in den Experimenten der Universität Bonn zeigte, kann dieser Wirkstoff an den GPR17-Rezeptor andocken und ihn aktivieren. Das wiederum führt dazu, dass mehr der vorhandenen unreifen Oligodentrozyten im Gehirn heranreifen und dann die Löcher in der Myelinhülle flicken können.

In der Zellkultur gelang dieser Nachweis bereits, sowohl bei Maus und Ratte als auch bei menschlichen Zellkulturen. Ob HAMI3379 dazu auch im Gehirn lebender Organismen fähig ist, muss sich erst noch zeigen. Die Wissenschaftler selbst sind vorsichtig optimistisch. Das wird Jahre in Anspruch nehmen. Allerdings war  HAMI3379 bereits in der präklinischen Entwicklung gegen Herzkrankheiten, was die Entwicklung beschleunigen könnte.

In der Vergangenheit wurden schon öfter Herzmedikamente als mögliche Kandidaten zur Behandlung der Multiplen Sklerose getestet - amsel.de hatte berichtet. Zugelassen ist von diesen Wirkstoffen bisher keiner.

Quelle: Cell Chemical Biology, 26.04.2018

Redaktion: AMSEL e.V., 27.04.2018