Mitglied werden

Hauptschalter für Myelinisierung entdeckt

Dieses Forschungsergebnis von US-Wissenschaftlern über menschliche Hirnstammzellen könnte die Behandlung der Multiplen Sklerose erleichtern.

Wissenschaftler der Universität von Buffalo haben den Single Transcription Factor SOX10 oder auch den "Hauptschalter" entdeckt, der den Myelinisierungsprozess im Gehirn startet. Das ist wichtig vor dem Hintergrund, dass das Myelin bei MS angegriffen und zerstört wird. Eine Re-Myeliniserung könnte diesen schädlichen Vorgang rückgängig machen.

Dieser Faktor in menschlichen Zellen, SOX10, bringt die Forscher näher an das Ziel, die Multiple Sklerose zu behandeln, etwa durch die Transplantation von myelin-produzierenden Nervenzellen. Nun geht es darum, einen Wirkstoff zu finden, der SOX10 anschaltet und damit die Myelinproduktion bei MS-Patienten anregt.

Stammzelltherapie verkürzen

Stammzelltherapie könnte eine hochpotente Behandlungsform für MS darstellen, doch bisher gibt es noch viele Hürden auf dem Weg zur Praxis. Unter anderen ist da der Zeitfaktor: Es dauert ungefähr 1 Jahr pro Patient, bis man von den Vorläuferzellen die myelin-produzierenden Oligodendrozyten herstellen kann. Viele Schritte sind notwendig, von den Blut- oder Hautzellen, die in pluripotente Stammzellen umgewandelt werden müssen, die sich wiederum in jede beliebige Körperzellewandeln können und unter anderem neurale Vorläuferzellen ausbilden. Diese wiederum müssen eine Differenzierung unterlaufen in die Vorläuferzellen der Oligodendrozyten, um dann schließlich wirklich Oligodendrozyten zu produzieren. Reichlich komplex und wie erwähnt langwierig.

Besser wäre es, direkt Vorläuferzellen der Oligodendrozyten erzeugen zu können. Die neue Entdeckung von SOX10 ist den Forschern zufolge ein Meilenstein auf genau diesem Weg: von der Haut- oder Blutzelle direkt zur Vorläuferzelle der Oligodendrozyte. Das vereinfachte Verfahren ist nicht nur kürzer, sondern auch effektiver, denn die neuralen Vorläuferzellen produzieren alle Arten von Zellen, während das neue Verfahren sie gezielt dazu bringen kann, die myelin-bildenden Zellen herzustellen.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 02.07.2014

Redaktion: AMSEL e.V., 09.07.2014