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Grenzwerte für THC im Straßenverkehr

Bislang gilt ein striktes Cannabisverbot am Steuer. Das soll sich nun mit einem THC-Grenzwert ändern. Ein bisschen wie beim Alkohol – und doch ganz anders. Konsumenten, darunter auch medizinische Anwender bei MS, sollten wachsam sein.

Der Bundestag hat das neue Gesetz bereits beschlossen, der Bundesrat muss es noch verabschieden: Experten kamen zu der Ansicht, dass ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC je Milliliter Blut als Maximum gelten soll, was Kraftfahrzeugfahrer und -fahrerinnen künftig aufweisen dürfen, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen. Noch gilt tatsächlich ein Cannabisverbot auf Deutschlands Straßen. Genauer gesagt ein Grenzwert von 1 Nanogramm THC je Milliliter Blut (gemessen im Serum); das eine Nanogramm ist keine alte Höchstgrenze, sondern möglichen Messfehlern geschuldet.

Cannabis wird nicht nur für den Freizeitkonsum genutzt, sondern auch medizinisch eingesetzt. Bei Multipler Sklerose können Cannabinoide zum Beispiel Schmerzen und Spastik lindern. MS-Erkrankte, die Cannabinoide zu sich nehmen, zählen häufig zu den regelmäßigen Konsumenten, da die Symptome selbst auch dauerhaft sind.

Aktuellen und vergangenen Cannabiskonsum unterscheiden

Und da beginnt der Unterschied zum Alkohol: Während Alkohol sich zunächst langsamer abgebaut als Cannabis, bleibt eine kleine Menge THC recht lange im Blutserum nachweisbar, möglicherweise über der Marke von 1 bzw. auch 3,5 Nanogramm je Milliliter. Das hängt mit der Art des Abbaus zusammen.

Selbstredend möchte niemand, dass Menschen berauscht am Straßenverkehr teilnehmen und ein Fahrzeug führen. Beim Cannabiskonsum kann der aktuell beschlossene Grenzwert jedoch dazu führen, dass Menschen bestraft werden, die überhaupt nicht mehr berauscht sind, aber Tage nach dem Konsum eben noch über dem Grenzwert liegen. Dies gilt vor allem für regelmäßigen Cannabiskonsum. Daher sollen Speicheltests zum Nachweis aktuellen Konsums eingeführt werden. Erst wenn dieser positiv ist, soll im Blut der Nachweis erfolgen. Derzeit sind diese speziellen Tests noch in der Kalibrierung.

Eine Expertengruppe hat sich im Vorfeld zu der Gesetzesänderung eingehend mit dem Thema Cannabis, Konsumverhalten und Grenzwerten beschäftigt. Dass THC sehr lange nachweisbar bleibt, ist auch einer der Gründe, warum ein Herantasten an den Grenzwert, ähnlich wie ihn manche beim Alkoholkonsum praktizieren (zum Beispiel ein kleines Bier trinken können, ohne bei einer Kontrolle aufzufallen), kaum möglich sein wird. Zum einen, da THC, wie erwähnt, lange nachweisbar bleibt, zum anderen aber auch, weil die konsumierten Cannabisprodukte enorm unterschiedliche Dosierungen aufweisen können (mit Ausnahme medizinischer Produkte). Zwei Züge am Joint: ja, drei Züge: nein, kann daher nicht als Maßstab gelten, um weiter fahrtüchtig zu bleiben.

Kein Mischkonsum von Cannabis und Alkohol

Ganz strikt ist das Gesetz bei Mischkonsum: Wer bereits Cannabis konsumiert hat, für den gilt 0 % Alkohol. Für Fahranfänger gilt übrigens nach wie vor das Cannabis- wie auch das Alkoholverbot. Ausgenommen sind bei Cannabis medizinische Anwendungen im dafür notwendigen und zulässigen Rahmen, nach und in der Probezeit.

Die Strafen bei Missachtung sind saftig und steigern sich noch im Wiederholungsfall: angefangen bei 500 € und einem Monat Fahrverbot, egal ob nun zu viel Cannabis oder zu viel Alkohol nachgewiesen wurde. Ausnahme ist die angemessene medizinische Nutzung von Cannabis. Wer Mischkonsum betreibt, also beispielsweise kifft und Alkohol trinkt, ist gleich beim ersten Mal mit 1000 € Strafe plus einem Monat Fahrverbot dabei. Im Zweifel also besser das Auto stehen lassen, je nach Konsum, auch Tage danach. Das gilt natürlich auch unabhängig vom Konsum jeglicher Drogen oder Medizin: Wer sich nicht fit genug fühlt, für den Straßenverkehr, sollte sich auch nicht hinters Steuer setzen. Zum eigenen Schutz und zum Schutz von anderen.

Redaktion: AMSEL e.V., 21.06.2024