Bei Multipler Sklerose ist das Zusammenspiel von ZNS und dem Immunsystem gestört. Dr. Sarah Mundt und ihr Team nutzen im Labor eine Kombination vieler Methoden, um Zellen und ihre Interaktionen zu beobachten und zu manipulieren. Sie wollen herausfinden,
- was schädliche Prozesse antreibt,
- was ihnen entgegenwirkt und
- was vielleicht nur Begleiterscheinungen ohne Auswirkungen auf den Krankheitsprozess sind.
Unter anderem haben sie die Rollen der Fresszellen im Visier. Fresszellen, das ist ein Sammelbegriff, können überflüssige und schädliche Bestandteile im Körper aufnehmen und abbauen. Man spricht darum auch von zellulärer Müllabfuhr. Sie unterstützen die Nervenzellen bei ihrer Funktion. Im Gehirn sind dies hauptsächlich die Mikroglia, die dauerhaft dort ansässig sind, aber auch Monozyten, die aus dem Blut einwandern.
Freund oder Feind?
Allerdings lassen sich sowohl unterstützende als auch schädigende Funktionen unterscheiden: Unterstützend sind Fresszellen dann, wenn sie Entzündungen bremsen oder Reparaturen anstoßen. Hierfür sind meist Mikroglia zuständig. Schädlich hingegen sind sie, wenn sie Entzündungen antreiben oder verstärken oder sogar neurotoxische Stoffe ausschütten.
Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, so Dr. Sara Mundt, Sobek Nachwuchspreisträgerin 2025 und Leiterin einer Forschungsgruppe für Neuroimmunologie am Department für Neurologie, Unispital Zürich. Denn so ließen sich präzisere therapeutische Ansätze finden. Man käme davon weg, alle Immunzellen unspezifisch zu unterdrücken. Stattdessen liefern diese Ansätze Möglichkeiten, nur schädigende Zellen oder deren Funktionen zu stoppen, gleichzeitig aber wichtige und unterstützende Programme zu stärken.
Die MS-Therapie präzisieren
Auch bei progredienter Multipler Sklerose spielen schädigende Fresszellen eine Rolle. Darum liegt auch das Augenmerk auf diesen Zellen, denn bei der schleichenden MS sind potente Therapien nötig. Die chronische MS stellt sich, im Unterschied zur schubförmigen MS, dar als abgeschottete, unterschwellige Entzündung, die über Jahre andauert, darum auch der Ausdruck „schwelend“. Die Nervenzellen sind davon überfordert, ebenso reparierende Fresszellen. Und das führt zu irreversiblen Schäden. MS-Patienten nehmen sie als schleichenden Abbau von Körperfunktionen wahr.
Von der Entdeckung eines Mechanismus bis hin zur Entwicklung eines Medikaments dauert es allerdings, so Mundt, oft mehr als zehn Jahre. Forschung sowie pharmazeutische Unternehmen sind jedoch sehr interessiert an einem besseren Verständnis der MS, speziell der progredienten Anteile der MS. Teilweise können bereits zugelassenen Therapien, etwa aus der Krebstherapie, auch bei MS eingesetzt werden. Dann ist der Weg vom Labor hin zum Patienten meist deutlich kürzer.
Quelle: AMSEL-Video, 05.12.2025.
Redaktion: AMSEL e.V., 05.12.2025
