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Freiburger Forscher entdecken neue Immunzelltypen

Modernste Technologien helfen, Details um die Entstehung und die Progression der Multiplen Sklerose zu finden. Und bieten Ansätze für genauere Therapien mit weniger Nebenwirkungen als bisher.

Als Laie möchte man manchmal den Kopf schütteln: Unsere Technik ist so weit fortgeschritten, Computer errechnen, was früher Jahre gedauert hat - da müsste doch eigentlich der menschliche Körper längst gründlich erfasst sein. Und doch werden ganze Gefäße neu entdeckt (amsel.de hatte berichtet) oder - wie im aktuellen Beispiel aus Freiburg - ganze Subpopulationen von Immunzellen bei der MS.

Im entzündeten Gehirn sind bisher gänzlich unbekannte Immunzelltypen im Verlauf der Multiplen Sklerose „aufgetaucht“. Natürlich sind sie nicht aus dem Nichts aufgetaucht, sondern eine neue, hochauflösende Methode, mit der man einzelne Zellen untersuchen kann, brachte nach Jahren der Arbeit die Subpopulationen zum Vorschein.

Hochauflösende Einzelzell-Sequenzierung

"Wir haben in dieser Arbeit mittels der Einzelzell-Sequenzierung (scRNA-Seq) einen Immunzellatlas insbesondere der myeloischen Zellen (Mikrogliazellen, Monozyten, perivasuläre Makrophagen etc.) erarbeitet. Dabei haben wir Subpopulation aller dieser Zellen gefunden, die nur bei der EAE auftraten", erklärte Prof. Dr. Marco Prinz, Leiter der Studie am Universitätsklinikum Freiburg, gegenüber der AMSEL-Onlineredaktion.

Die Forscher aus Freiburg und München konnten die komplexe Zusammensetzung der am Entzündungsherd vorhandenen Zellen, das "Entzündungsinfiltrat", entschlüsseln und  eine Art Immunzell-Atlas für das Gehirn erstellen. Zudem gelang es ihnen, zu zeigen, wie diese Zellen die Multiple Sklerose anfeuern. Der Nachweis gelang zwar bisher nur am Mausmodell der MS, doch Prinz, Sobek-Forschungspreisträger von 2014 und Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsklinikum Freiburg, hält die Ergebnisse für übertragbar auf die menschliche MS: "Wir haben erste Hinweise darauf, dass es bei der MS sehr ähnlich ist."

Multiple Sklerose gezielter bekämpfen

Die neuen Erkenntnisse helfen einerseits, die Multiple Sklerose besser zu verstehen. Andererseits ermöglicht das Wissen über die speziellen Angreifer, dass man diese gezielter als bisher bekämpfen kann. In anderen Worten: Man kann kleinere Teile des Immunsystems hemmen und damit, so die Hoffnung, nebenwirkungsärmer behandeln.

Marta Joana Costa Jordão, Doktorandin am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg und Erstautorin der Studie, zeigte außerdem, dass bei der Erkrankung bestimmte Fresszellen im Gehirn ständig aktiviert bleiben. Bisher ging man davon aus, dass wandernde Blutzellen diese stets erneuern. Die chronische Aktivierung der Zellen ist möglicherweise der Grund für die chronische Progression bei MS.

Quelle: Science, 25.01.2019; Pressemitteilung der Universitätsklinik Freiburg, 25.01.2019.

Redaktion: AMSEL e.V., 28.01.2019