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Antistress-Molekül gegen Multiple Sklerose

Amerikanische Forscher finden mit Sephin1 einen Wirkstoff, der die Nerven zu schützen scheint.

Es gibt mittlerweile einige Wirkstoffe gegen Multiple Sklerose. Ihnen gemein ist, dass sie hauptsächlich das Immunsystem unterdrücken, um somit das Fortschreiten der MS einzudämmen. Bislang befindet sich nicht ein Wirkstoff auf dem Markt, der primär die Nerven schützt. Man spricht von der sogenannten Neuroprotektion. Allerdings ist zum Beispiel mit hochdosiertem Biotin (amsel.de hatte berichtet) bereits ein Wirkstoff in der Studienphase, um auch diesen protektiven Weg der MS Behandlung zu untersuchen.

Mit Sephin1 fanden Forscher aus Illinois nun möglicherweise einen weiteren Weg. Sie untersuchten Sephin1 am Mausmodell der MS und fanden heraus, dass das kleine Molekül tatsächlich in der Lage ist, die Oligodendrozyten vor dem Zelltod zu bewahren. Bei der MS sehen es die Antikörper nämlich genau auf diese Zellart ab. Sie zerstören sie, was zum Untergang des Myelins führt, denn das Myelin ist abhängig von den Oligodendrozyten.

Antistressmittel für die Nerven

Den Untersuchungen zufolge wirkt Sephin1 gewissermaßen als Antistressmittel, indem es die sogenannte eIF2a-Dephosphorylation unterdrückt und damit die protektive Reaktion im Zentralen Nervensystem unterstützt. Sephin1 ist also "Balsam" für gestresste respektive entzündete Nerven, zumindest im Mausmodell.

Außerdem untersuchten die Forscher, wie die Mäuse auf Sephin1 in Kombination mit Interferonen Beta reagierten. Tatsächlich hatte Sephin1 einen zusätzlichen therapeutischen Effekt zum Interferon. Wäre dies auf den Menschen übertragbar, ließe sich die positive Wirkung von Immunmodulatoren durch die neuroprotektive Mittel noch vergrößern. Bis zu einer möglichen Zulassung vergehen erfahrungsgemäß jedoch einige Jahre.

Quelle: Brain, 17.01.2019.

Redaktion: AMSEL e.V., 05.02.2019