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Aktuelle Studienergebnisse zu Ozanimod

Ozanimod kann den Verlust an Gehirnvolumen verlangsamen, wie aktuelle Analysen einer Phase-III-Studie zum schubförmigen Verlauf der Multiplen Sklerose ergeben haben.

Ozanimod ist ein Prüfpräparat, d.h. es ist noch nicht zugelassen. Als oral einzunehmender S1P-Rezeptor-Modulator gehört es zur gleichen Wirkstoffklasse wie Fingolimod (bereits zugelassen) und Siponmod (in den USA bereits zugelassen; für Europa wird eine Zulassung in den kommenden Monaten erwartet).

Ozanimod und Siponimod haben gemeinsam, dass sie die S1P-Rezeptoren selektiver blockieren. Während Fingolimod vier der fünf S1P-Rezeptoren blockiert, richten sich Siponimod und Ozanimod nur gegen den ersten und den fünften dieser Rezeptoren. Ob sich daraus ein optimierteres Wirkungs-/ Nebenwirkungsprofil ableiten lässt, wird diskutiert (siehe Privatdozent Dr. Mathias Buttmanns Bericht zu Ozanimod vom ECTRIMS/ACTRIMS-Kongress 2017).

Volumenverlust verlangsamt

Während Siponimod beim sekundären Verlauf der MS getestet bzw. in den USA bereits eingesetzt wird, geht es bei SUNBEAM und RADIANCE, den beiden Phase-III-Studien zu Ozanimod, wie schon bei Fingolimod um den schubförmigen Verlauf. Erweiterte Analysen der RADIANCE-Studie, Teil B zeigten nun, dass Ozanimod im Vergleich zu Interferon innerhalb dieser Studie den Abbau an Gehirnsubstanz verlangsamen konnte, und zwar in allen Altersklassen, besonders jedoch unter den 18-25-Jährigen, vorgestellt auf der AAN in Philadelhpia im Mai 2019.

Zur Erinnerung: Mit zunehmendem Alter erfahren alle Menschen einen gewissen Verlust an Hirnvolumen, während die Hirnflüssigkeitskammern (die sog. Ventrikeln) zunehmen. Ein normaler Alterungsprozess also. Bei MS-Erkrankten schreitet dieser Verlust jedoch schneller voran und steht in Zusammenhang mit zunehmender Behinderung. Einige MS-Therapeutika bremsen diesen Verlust, wenn auch unterschiedlich stark. Er ist daher ein "beliebter" Endpunkt bei Studien, sozusagen eine der Messlatten für die Wirkung eines Mittels.

Auswirkungen auf bleibende Behinderungsfortschritte zeigten sich im Zwei-Jahres-Rahmen der Studie nicht, wie Buttmann bereits 2017 erwähnte, wobei auch in der Interferongruppe in diesem Zeitraum nur ca. 10 % bleibende Behinderungen erlitten. Wohl aber hatte Ozanimod signifikante Verbesserungen gegenüber Interferon in Bezug auf die jährliche Schubrate sowie die Läsionen gezeigt.

Riskoprofil von Ozanimod

Atemwegs- und Harntraktinfektionen sowie erhöhte Leberwerte (AAT und GGT) nennt der Hersteller Celgene Corporation als häufigste Nebenwirkungen. Das Nebenwirkungsprofil dürfte insgesamt dem von Fingilomod ähneln, wie Privatdozent Dr. Mathias Buttmann 2017 vermutet. Zu Fingolimod gab es mehrere Rote-Hand-Briefe, nicht zuletzt wegen teils sogar tödlich verlaufener Auswirkungen auf das Herz bei Therapiebeginn. Diese Probleme traten unter den Studien mit Ozanimod kaum auf, was möglicherweise mit dem einschleichenden Therapiebeginn zusammenhängt.

Bei Fingolimod wurde außerdem vor dem hämophagozytischen Syndrom (HPS) gewarnt und auf wegen der Immunsuppression mögliche schwere Infektionen sowie nicht auszuschließende Krebsentstehung, etwa ein Basalzellkarzinom, hingewiesen und entsprechende Maßnahmen in Form von Kontrollen oder – bei bestimmten Vorerkrankungen des Herzens – auch Ausschlüsse empfohlen. Wie die Empfehlungen bei Ozanimod aussehen werden, muss sich noch zeigen.

Bisher ist unbekannt, wann der Wirkstoff zugelassen werden könnte. Zulassungsanträge sowohl bei der Food and Drug Administration der USA als auch der European Medicines Agency stellte Celgene im März 2019. Getestet wird Ozanimod derzeit auch zur Behandlung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Quelle: Pressemitteilung der Celgene Corporation, 07.05.2019.

Redaktion: AMSEL e.V., 27.05.2019