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„Ohne die Mitarbeiter geht hier gar nichts“

Bei der Motorradausfahrt des Generationshaus Heslach in Stuttgart müssen die Pflegekräfte gut mit anpacken – die Freude der Bewohner ist für die Pflegekräfte der Lohn für ihre harte Arbeit.

Stuttgart – Schon Wochen vorher fieberten die Bewohner der Jungen Pflege im Generationenhaus Heslach dem 15. Juli entgegen, ganz gespannt, erneut im Seitenwagen eines Motorrades eine Spritztour durch und um Stuttgart zu machen. Eine außergewöhnliche und einzigartige Aktion, die 2013 den Beginn einer begeisternden jährlichen Tradition darstellte.

Ob genügend Maschinen für alle Bewohner da sein werden, von denen viele MS-betroffen sind? Ob das Wetter gut werden wird, ob alles klappen wird? Lange vor dem Event stellte sich das Pflegeteam viele Fragen und überlegte, welcher Bewohner welche Polsterung benötigen wird, welche Risiken die Fahrt birgt, wie der Transfer zu leisten ist, welche Hilfsmittel benötigt werden. Am Tag selber die Überraschung – es sind 30 Motorräder mit Seitenwagen und 30 Solomaschinen, noch mehr als die Jahre zuvor. Auch die Polizei ist mit zehn Maschinen als Eskorte vor Ort. Die Sonne scheint, die Motorradgespanne stellen sich in Reih und Glied vor dem Generationenhaus auf. Biker und Bewohner begrüßen sich wie alte Bekannte, die meisten wollen mit ihrem Fahrer vom letzten Jahr unterwegs sein.

Welcher Bewohner passt in welchen Seitenwagen, wer benötigt Begleitung auf dem Beifahrersitz durch eine Pflegekraft, um den Kopf zu stabilisieren? Für die Mitarbeiter des Generationenhauses war jetzt Schwerstarbeit angesagt. Da der Transfer mit Personenliftern in die Seitenwägen meist nicht möglich ist, wurden alle 30 Bewohner mit Tragegurten hinein- und herausgehoben. Dies musste langsam und behutsam erfolgen, um keine Spastiken auszulösen. Die Bewohner mussten vor der Sonne geschützt werden, Blutdruck wurde gemessen, Getränke gereicht. Eine Stunde dauerte es, bis alle Bewohner stabil saßen.

Die Freude der Bewohner als Lohn für die Arbeit

Dann ging es los: Punkt 15 Uhr starteten über 80 Maschinen mit ohrenbetäubendem Lärm zur fast einstünden Fahrt Richtung Schloss Solitude und über das Feuerbacher Tal. Bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h spürten die Bewohner den Rausch der Geschwindigkeit, die Vibration der Motoren und das Gefühl von Freiheit. Bei der Rückkehr – strahlende Gesichter, Jubel, Glück. „Ich habe mich gefühlt, als ob ich fliegen könnte“, erzählt eine Mitfahrerin hinterher atemlos glücklich, „und ich fühlte mich voll gesund“, jubelt eine andere. Worte, die bewegen, angesichts der Tatsache, dass viele von ihnen meist schwerstpflegebedürftig sind. Die Freude der Bewohner ist für die Pflegekräfte der Lohn für ihre harte Arbeit. Den Tag ließen sie anschließend gemeinsam mit Live-Rock-Band, Verpflegung und guten Gesprächen ausklingen.

Impressionen der Motorradausfahrt (YouTube-Video)

Ein kurzes Video fasst die Ausfahrt nochmal zusammen. Jetzt anschauen!

 

Quellen: Andreas Weber, Einrichtungsleiter Generationenhaus Stuttgart, Auszüge aus together 3/16; Bilder und Video Lars Kroll 2017

Redaktion: AMSEL e.V., 11.08.2017