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Hilft Blumendünger gegen Multiple Sklerose ?

Maximilian Dorner lässt in seinem jüngsten Roman "Mein Schutzengel ist ein Anfänger" auch ein unsichtbares Wesen zu Wort kommen.

Alles beginnt und endet auf dem Hof von Johanna im jüngsten Roman des MS-betroffenen Autors Maximilian Dorner. Während die Hauptfigur Max ein Jahr zuvor noch partout vom Rollstuhl aufstehen und in den Teich springen musste, um sich etwas zu beweisen, ist er nun klüger: Es gibt so viele Projekte. Man könnte eine Kathedrale bauen zum Beispiel, als Trost für alle Menschen.

Vor allem sein Schutzengel ist dankbar für Max' vernünftigere Haltung. Bis dahin nämlich hatte der unsichtbare Begleiter viel zu tun: Musste schnell mal eine Luftmatratze herzaubern, um seinen Max aus dem Teich zu retten. Verlorengegangene Schraubenmuttern finden. Längst vergessene Adresszettel wieder an die Oberfläche spülen. Keine leichte Aufgabe.

Durch alle Institutionen der Wunderheilung

Max' Schutzengel begleitet - und kommentiert! - den Uneinsichtigen auf seiner spannend zu lesenden Odyssee durch alle Institutionen der Wunderheilung. Obwohl das eigentlich gar nicht sein Ding ist, lässt dieser Max sich von Heiler zu Heiler schleppen, geht in die Kirche, schaut schwitzenden Eleven bei der Ballettprobe zu, tritt in Kontakt mit seiner wortgewandten Leber, schluckt auf besonderen Rat einer Freundin Blumendünger und besorgt sich sogar Drogen.

Bis der renitente Mitdreißiger erkennt: Er ist doch nur auf der Suche nach Trost. Aber was ist das, Trost? Was bedeutet es für ihn, was für andere? Was unterscheidet einen guten Ratschlag von Trost? Gibt es Momente, in denen man einfach nicht getröstet werden will? Und kann man sich eigentlich auch selber trösten?

Multiple Sklerose nicht erwähnt

Eine Antwort darauf bietet Maximilian Dorners Roman konsequenterweise nicht. Doch schubst der Autor damit beim Leser etwas an: Was, wenn wir nicht nur DIE Krankheit, DIE Behinderung, DEN Makel an uns sähen? Wenn wir dem Rest von uns etwas mehr Beachtung schenkten, Aufmerksamkeit, womöglich sogar Respekt?

Die Multiple Sklerose selbst erwähnt Maximilian Dorner nicht ein Mal im ganzen Roman. Wer sich mit MS auskennt, weiß dennoch Bescheid, liest heraus, dass Max' schubförmige MS in einen schleichenden Verlauf übergegangen ist, wo früher Krücken und Rollator halfen, sorgt inzwischen ein Rollstuhl für Mobilität. "Immerhin ist es ihm gelungen, sogar diesen Umständen eine Geschichte abzutrotzen," lässt Maximilian Dorner seinen Protagonisten Max mit Stolz sagen, kurz nachdem dieser erfahren hat, dass die Ärzte nichts weiter für ihn tun können.

Spannende Lektüre, nicht nur für Menschen mit Multipler Sklerose

Für diese Geschichte, gewissermaßen eine Fortführung von "Mein Dämon ist ein Stubenhocker", vor allem aber auch die dramaturgisch dichtere Weiterentwicklung des mehr räsonierenden Vorgängerromans, ist ihm auch der Leser dankbar!

Eine spannende Lektüre, nicht nur für Menschen mit Multipler Sklerose und deren Angehörige, sondern für alle Freunde von guter Belletristik und für jeden, der manchmal Trost sucht oder spenden möchte. Wobei zu hoffen bleibt, dass der Autor selbst nicht all das durchmachen musste, was er Max auf seiner Suche nach Trost widerfahren lässt. Blumendünger trinken, zum Beispiel. Igitt!

Dr. phil. Patricia Fleischmann

Maximilian Dorner

Jahrgang 1973, Autor, Regisseur und Lektor, seit 2006 mit Multipler Sklerose diagnostiziert, lebt in München. 2008 erschien sein Roman "Mein Dämon ist ein Stubenhocker". "Mein Schutzengel ist ein Anfänger", erschien am 22. Oktober 2012, ist Dorners 6. Buch.

 

Maximilian Dorner: "Mein Schutzengel ist ein Anfänger. Eine wahre Geschichte vom Trösten und Getröstetwerden", Knaus-Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-8135-0482-8. Auch als Hörbuch, 3 CDs, erhältlich (libri.de) sowie als Kindle-Version(amazon.de).
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Redaktion: AMSEL e.V., 08.11.2012