Cool bleiben, trotz Uhthoff
Was hilft gegen die Hitze, was verringert das Uhthoff-Syndrom bei MS? Wie "überlebt" man trotz Hitzesyndrom sogar eine ganztägige Hochzeitsfeier? - amsel.de hat eine Menge Tipps zusammengesucht. Damit schöne Tage auch schön werden.

Als Uhthoff-Syndrom oder auch Uhthoff-Phänomen bezeichnet man die temporäre Verschlechterung von MS-Symptomen, wenn unsere Körper überhitzen. Gründe dafür gibt es viele. Das kann ein Infekt mit Fieber sein, eine große warme Mahlzeit, Sport und Bewegung oder ein Saunabesuch. Momentan sind natürlich die hohen Außentemperaturen der Grund für das „leidige“ MS-Syndrom, das einige, zum Glück nicht alle Menschen mit MS alljährlich im Sommer „heimsucht“: Uhthoff lässt grüßen. In Stuttgart sind diese Woche bis zu 38 Grad angesagt.
Aber was kann man dagegen tun? Wie weiterarbeiten, wie eine Hochzeitsfeier bei hohen Außentemperaturen durchstehen? Wie lösen andere MS-Erkrankte das Problem?
Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so hilft neben den bekannten Maßnahmen auch ein Blick in die AMSEL-Facebookgruppe, um sich inspirieren zu lassen. Damit der Sommer schön wird, trotz großer Hitze. Und damit man sogar Herausforderungen wie eine Hochzeitsfeier gut übersteht und nicht etwa mehr Spastik oder Fatigue befürchten muss.
Hier zunächst allgemeine Tipps gegen Uhthoff, für den Alltag und für zuhause.
Allgemeine Tipps gegen Uhthoff
- Schattenplätze bevorzugen (eigentllich eh klar).
- In klimatisierten Malls und Supermärkten einkaufen. Oder sich zwischendurch dort aufhalten, um abzukühlen.
- Wege im Untergrund bevorzugen: Tiefgaragen, U-Bahnen etc.
- Kühlkleidung nutzen: Kühltücher, -bandanas, -westen, -T-Shirts, -bänder für Handgelenke und -fesseln etc. Inzwischen gibt es da eine große Auswahl, die man nur nass zu machen und auszuschütteln braucht. Also ohne Kühlschrank oder Batterie. Kühltücher sind besonders universell einsetzbar.
- Ist keine Kühlkleidung zur Hand, hilft auch ein dünnes Tuch um den Hals bzw. Nacken (vorher nass gemacht und ausgewrungen). Durch die Verdunstungskälte kühlt unser Körper ab. Das funktioniert auch mit einem weiten, nassen T-Shirt.
- Kühlkissen aus Gel (zum Beispiel als Rückenlehne im Rollstuhl aber auch für andere Sitzmöglichkeiten, etwa den Autositz etc.). Sie sollen besonders lange kühlen, müssen aber auch vorher gekühlt werden.
- Einen Wasserzerstäuber mit Handpumpe. Besonders kühlend wirkt er, wenn man ihn zuvor im Kühlschrank gekühlt hat.
- Füße im Wasserbad parken. Mutige kippen noch Eiswürfel dazu.
- Morgens schwimmen. Abends ein Kneippbecken aufsuchen.
- Handventilatoren oder Nackenventilatoren nutzen.
Und hier Tipps für spezielle Anlässe wie Hochzeiten. Wo man lange durchhalten möchte und festliche Kleidung trägt.
Uhthoff vermeiden auf längeren Feiern
- Morgens kühl duschen oder baden bzw. schwimmen: Da startet der Körper schon kühl in den Tag.
- Ein Handfächer kühlt und ist gleichzeitig schick.
- Ein kleiner Handventilator verschwindet in jeder Handtasche. Ersatzbatterien auch.
- Eine Kühltasche mit Kühlakkus lässt sich gut irgendwo „parken“.
- Ein Sonnenhut mit breiter Krempe spendet viel Schatten und sieht gut aus.
- Kühlkleidung gibt es auch „für drunter“ (eher in Sanitätshäusern).
- Einen Bauchgurt mit Kühlpads tragen.
- Kühlpflaster im Nacken sind unauffällig.
- Kühltücher gibt es in vielen Farben und Mustern – sicher passt eines auch zum Festtagsanzug.
- Luftige Kleidung bevorzugen. In eng anliegender Kleidung schwitzt man schneller.
- Nach der Trauung nicht gleich nach draußen eilen, sondern lieber länger in der kühlen Kirche bleiben. Meist dauert es, bis sich alle begrüßt haben und bereit sind fürs Gruppenfoto. Diese Zeit muss man nicht unbedingt in der größten Hitze verbringen.
- Mit den Servicekräften im Restaurant sprechen: Die helfen bestimmt gern und versorgen einen regelmäßig mit kühlen Getränken. Evtl. haben sie auch Platz für Kühlakkus, in ihrem Kühlhaus.
- Den Rolli/ Rollator/ Stock nutzen: Man weiß selten vorher, wie lang die Wege sind. Diese Hilfsmittel helfen einem, Energie zu sparen und kühl zu bleiben.
- Nicht so stark schminken: Je weniger Haut von Schminke abgedeckt ist, desto besser funktioniert die natürliche Kühlfunktion der Haut. Wenn Mascara etc., dann besser wasser- und schweißfesten verwenden.
- Verbündete für Notfälle suchen: Man geht einfach „cooler“ an die Sache ran, wenn man eine Nichte oder einen Onkel einweiht und so Hilfe in der Nähe hat.
- Schuhe unterm Tisch (auch schon in der Kirche) ausziehen.
- Kühlgel auf den Beinen nutzen.
- Immer wieder kaltes Wasser über Handgelenke und Unterarme laufen lassen.
- Wenn alles ausgespielt ist: Rechtzeitig eine Pause mit Ortswechsel machen, in einer kühlen Umgebung (Kirche, zuhause, Mall, Park…). Wenn es kühler ist, wieder zur Feier kommen.
- Wenig bzw. in kleinen Portionen essen.
- Möglichst auf Alkohol verzichten bzw. wenig davon trinken. Wozu sich ein „Schnäpsle“ allerdings gut eignet: um Arme oder Beine mittels Verdunstungskälte zu kühlen :-)
Ganz herzlicher Dank geht an die Teilnehmer der AMSEL-Whatsapp-Gruppe „Leben mit MS” für ihre tollen Tipps rund um Uhthoff bei Multipler Sklerose.