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Ziel Barrierefreiheit noch nicht erreicht

Immer wieder berichten Multiple Sklerose Erkrankte über physische Hürden im Alltag wie in der Freizeit. Mancher Zoobesuch per Rollstuhl wird bei 14 % Steigung zur Schwerstarbeit - nicht zuletzt für den, der schiebt. Aktuelles Beispiel: die Wilhelma in Stuttgart.

Viel wurde in den vergangenen 20 Jahren auf dem Weg zur Barrierefreiheit getan. Umso mehr erstaunt, wenn einzelne MS-Betroffene immer wieder berichten, wie sie an ganz alltäglichen Situationen scheitern oder mit welcher Ignoranz ihrer Mitmenschen sie sich konfrontiert sehen. Als Barriere empfinden viele MS-Betroffene daher weniger ihre Erkrankung als die realen Hürden in der Umwelt und die nicht sichtbaren Hürden in den Köpfen der Menschen.

Schwerstarbeit in Wilhelma

Ein Beispiel aus der Wilhelma in Stuttgart. Der bekannte zoologisch-botanische Garten bedeutet für Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter Schwerstarbeit. Hier erschweren zum Teil Steigungen zwischen 10 und 14% den Zoospaziergang.

Als behindertengerecht gilt eine maximale Steigung von höchstens 6%. Die Ehefrau eines auf den Rollstuhl angewiesenen MS-Erkrankten wandte sich deshalb an die Pressestelle der Wilhema. Sie schilderte das Problem und hatte auch einen scheinbar einfachen Lösungsvorschlag: Miet-Rollstuhlscooter während des Besuchs, wie es sie in anderen Freizeiteinrichtungen gibt.

Kein Abstellplatz für Mietrollstühle

Eine Lösung gibt es jedoch nicht - leider. In ihrem Antwortschreiben bedauerten die Verantwortlichen des Zoos, die geografischen Bedingungen in der Wilhema seien für Menschen mit Behinderungen nicht ideal. An Elektrorollstühle habe man natürlich schon gedacht. Dafür bräuchte man aber einen Abstellplatz, der im Denkmal nicht vorhanden sei und auch nicht geschaffen werde könne. Und für einen angedachten Shuttle seien die Wege in der Hauptbesucherzeit zu eng. Bei neuen Gebäuden und Umbauten werde versucht, soweit irgend möglich Barrierefreiheit herzustellen.

Redaktion: AMSEL e.V., 20.08.2014