Weiter zuverlässig und beständig zu bleiben, für MS-Betroffene und ihre Angehörigen, zählt zu den wichtigsten Zielen von AMSEL e.V. In Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Umbrüche erhalten diese Grundsätze einen besonderen Stellenwert. Zuversicht und Optimismus seien das Gebot der Stunde, um neuen Herausforderungen zu begegnen, lautete unisono die Botschaft von Gastredner Steffen Bilger MdB und AMSEL-Vorsitzenden Adam Michel.
Gäste aus Politik, Wirtschaft, anderen Organisationen sowie nicht zuletzt viele AMSEL-Ehrenamtliche waren in die Räume der Sparkassenakademie Stuttgart gekommen, um feierlich mit AMSEL ins Neue Jahr zu starten. Mit Stolz und Dankbarkeit blickte Adam Michel zurück auf ein erfolgreiches Jahr 2025. Unter dem Motto „Stark im Bewährten – Innovativ im Neuen“ schilderte er den eher verborgenen Anteil der Arbeit im AMSEL Campus Ursula Späth. Hier schlage das Herz der Verwaltung: Neben der Buchhaltung für die Kontaktgruppen, der Verwaltung von 89 regionalen Bankkonten, Versicherungsangelegenheiten für die Ehrenamtlichen und der Dokumentation der Gemeinnützigkeit des Verbands werde hier alles gemanagt. Aber das sei nur die eine Seite, die andere, der eigentliche Markenkern der AMSEL: die Unterstützung der Ehrenamtlichen, umfassende Beratung und Organisation von Events, speziell für die Kontaktgruppen-Leitungen. Besonders stolz zeigte Adam Michel auch auf die Spitzenposition der AMSEL im Bereich der Online-Angebote. Seit drei Jahren liege die AMSEL im deutschsprachigen Raum auf Platz 1, als Fachseite mit den meisten Aufrufen und Likes. Diesen Erfolg führt er auf die konsequent zielgruppenorientierte Internetpräsenz zurück. Er nannte einige Highlights des vergangenen AMSEL-Jahres:
- Die authentische Welt MS Tags-Kampagne 1.000 Gesichter und Deins. Leben mit Multipler Sklerose sorgte für große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.
- Das 11. Stuttgarter Ärztesymposium brachte die zahlreichen Teilnehmer auf den aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung.
- Die neu überarbeitete Auflage der Broschüre Mit Fatigue leben erschien.
- Die App MS Kognition wuchs an, auf jetzt 12 Übungen zum spielerischen Training kognitiver Funktionen.
- AMSELplus bietet ein vereinfachtes Anmeldeverfahren und erweitertes Angebot für noch mehr Information und Service für registrierte AMSEL-Mitglieder.
- NextGenMS. Dein Tag, Deine Themen ging als neues Veranstaltungsformat erfolgreich über die Bühne – mit medizinischen Vorträgen und Workshops zu Themen, die jüngere MS-Betroffene beschäftigen.
Mit ihrem Fokus auf multimediale unabhängige Information, umfassende Beratung und die Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort habe sich die AMSEL einen einzigartigen Wiedererkennungswert geschaffen, der sie auch für 2026 gut aufgestellt sein lasse, so Michel.
Zuversicht als Motor
In seinem Festvortrag machte Steffen Bilger MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, zunächst eine Bestandsaufnahme der weltpolitischen wie auch der innenpolitischen Lage. Unter dem Titel „Deutschland voranbringen – für Sicherheit, Wachstum und Wohlstand“ zeigte der gebürtige Schongauer auf, dass die Welt im Wandel sei, internationale Bündnisse infrage stünden. Es gelte, gegenzuhalten, neue Allianzen zu schließen. Auch innenpolitisch sei eine Neuorientierung mit grundlegenden Reformen, auch im Gesundheitssystem, dringend erforderlich. Unser Sozialstaat müsse als tragende Säule unserer Demokratie mit geeigneten Mitteln erhalten werden. Gutes und Schützenswertes seien dabei zu bewahren, bei aller Offenheit für Neues.
Bilger sieht aktuell durchaus eine gewisse Aufbruchsstimmung. Der Wille zur Veränderung sei da, und man müsse diese Dynamik unbedingt nutzen. Positive Signale sieht der Jurist nach zwei Jahren Rezession im noch verhaltenen Wirtschaftswachstum 2025, das natürlich weiter ausgebaut werden müsse. Baden-Württemberg weise bundesweit die größte Zahl an Start-up-Gründungen auf. Bilgers Devise: „Zuversicht ist das Gebot der Stunde.“
Er dankte den Aktiven der AMSEL für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement. Millionen Menschen in Deutschland hätten sich 2025 ehrenamtlich engagiert. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement auf hohem Niveau solle durch das neu ins Leben gerufene Staatsministerium für Sport und Ehrenamt weiter gefördert, unterstützt und gewürdigt werden, so der Wunsch der Bundesregierung. Eine Maßnahme unter vielen sei auch hier der Abbau bürokratischer Hürden.
“MS Hot Topics” 2026
Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Vorsitzender des Ärztlichen Beirats und Neurologe im Vorstand der AMSEL, warf einen Blick in die Zukunft, auf die geplanten Projekte. Der Fokus liege auf dem weiteren Ausbau der digitalen Formate im Bereich Selbsthilfe, mit virtuellen Gruppentreffen, digitaler Erster Hilfe bei MS zum kompetenten Umgang mit der Krankheit und dem Einsatz von KI-gestützten Suchfunktionen – aus wissenschaftlich fundierten, seriösen Quellen, selbstredend. Bei den Printprodukten stehe die Überarbeitung des Mitglieder-Flyers und der Broschüre „MS-Leitfaden“ auf der Agenda. Als „Hot Topics“ der MS nannte der Neurologe
- die jüngste Version der McDonald Diagnosekriterien (von 2024), die eine noch frühere und noch zuverlässigere Diagnosestellung und damit einen frühzeitigen Therapiestart ermöglichen,
- den Einfluss von Lebensstilfaktoren auf den Krankheitsverlauf, die nun auch in die Leitlinie MS aufgenommen sind,
- die weitere Erforschung von BTKi (Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren), einem wichtigen Hoffnungsträger für an progredienter MS Erkrankte (ihre Zulassung durch die FDA in den USA und in der Folge in Europa hatte sich zuletzt verzögert. Heft 2 des Mitgliedermagazins together wird unter dem Schwerpunktthema „neueste Entwicklungen“ unter anderem über den aktuellen Stand berichten),
- MS im höheren Lebensalter und der Einsatz von Immuntherapeutika bei nachlassender Immunabwehr (Stichwort Immunseneszenz) und zunehmenden Nebenwirkungen, sowie,
- last but not least, die wichtigsten AMSEL-Veranstaltungen des Jahres, von den Aktionstagen für junge MS-Betroffene im April über den Welt-MS-Tag bis hin zur Verleihung der Sobek Forschungspreise im Dezember.
Wie sein Vorredner sieht Flachenecker eine große Herausforderung in der Gesundheitsversorgung: 75 Prozent der Krankenhäuser und 50 Prozent der Rehakliniken in Deutschland verzeichneten defizitäre Jahresergebnisse. Nur 1,5 Prozent des Gesamtbudgets der gesetzlichen Krankenkassen flössen in Vorsorge und Rehabilitation, obwohl ein höherer Anteil sich durchaus rechnen würde. Das könne so nicht bleiben.
Der Welt-MS-Tag Ende Mai steht unter dem Motto „MS – jetzt erst recht“. Vielleicht sollte man dieses Motto auch auf die Weltpolitik und -wirtschaft anwenden. Auf jeden Fall müsse man sich Optimismus und Zuversicht bewahren, so Adam Michel in seinem Schlusswort. Und er zitierte den Fernsehjournalisten Jo Schück mit den Worten: „Wir müssen alles erwarten. Auch das Gute.“ – Für den musikalischen Rahmen, den richtigen Swing sorgte in schöner Tradition George M. Bailey am Piano mit bekannten Jazz-Balladen.
AMSEL e.V. dankt dem Sparkassenverband und dem Unternehmen neuraxpharm Arzneimittel GmbHfür die freundliche Unterstützung bei der Durchführung des Neujahrstreffens.
Quelle: Statista, abgerufen am 21.01.2026 nennt für das Jahr 2025 16,9 Millionen Ehrenamtliche in Deutschland [Anm.d.Red.: Bürgerschaftlich engagiert, ohne unbedingt ein Ehrenamt zu bekleiden, sind noch deutlich mehr Menschen in Deutschland, laut Bundesministerium des Inneren 28,8 Millionen].
Redaktion: AMSEL e.V., 21.01.2026






