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Was wurde aus Benjamin?

Stammzelltherapie bei hochentzündlicher MS? Benni erzählt uns, wie es ihm ein Jahr nach der Therapie geht.

Mai 2024 | Wunsch nach einer Stammzelltherapie

Im Mai 2024 haben wir in unserem Mitgliedermagazin together über Benjamin, seine hochentzündliche Form der Multiplen Sklerose (MS), die fortlaufende Krankheitsverschlechterung und die häufigen Schübe berichtet. Aufgrund der lähmenden Fatigue musste Benni seinen Alltag umstrukturieren und seine Leidenschaft zum Reisen aufgeben. Hochwirksame Immunmodulatoren konnten die Schübe kaum eindämmen, so dass er die autologene hämatopoetische Stammzelltherapie als einzigen Weg zur Besserung des Krankheitsverlaufs und der Linderung seiner Symptome sah. 

Sein Wunsch: Die Krankheit sollte zum Stillstand kommen. 

Mai 2024 – November 2024 | Verlauf der Stammzelltherapie

Nach medizinischer Beratung zu Risiken und Ablauf der Stammzelltherapie entschloss sich der junge Vater, die Therapie zu wagen. Bei der autologen hämatopoetischen Stammzelltherapie werden Stammzellen aus dem Blut entnommen und tiefgefroren. Anschließend erfolgt eine Chemotherapie, um alle Zellen des Immunsystems zu zerstören. Danach werden die eingefrorenen Stammzellen aufgetaut und über eine Vene wieder in den Körper gebracht. Nach drei bis sechs Wochen, die zum Infektionsschutz in einer sterilen Umgebung verbracht werden müssen, hat sich das Immunsystem neu gebildet. 

Die erste Stammzellentnahme im Mai 2024 scheiterte, denn die zeitgleiche Urosepsis brachte ihn zunächst für eine Woche auf die Intensivstation. Nachdem Benni die lebensgefährliche Blutvergiftung überwunden hatte, nahm er im August 2024 einen zweiten Anlauf – dieser verlief problemlos. Zwei Monate später konnte daher die mehrstufige Chemotherapie beginnen, stationär in der Uniklinik Heidelberg. Während der Behandlung fühlte sich Benni gut, er verspürte weder Appetitlosigkeit noch andere Nebenwirkungen. Am 8. Oktober erfolgte die Infusion der bis dahin tiefgefrorenen Stammzellen. 

Zwei Tage nach der Transplantation lag Benni mit Fieberschüben völlig erschöpft und kraftlos im Bett. Er konnte sich aus eigener Kraft kaum noch bewegen, musste umgelagert werden und es fielen ihm die Haare büschelweise aus. Es fehlte ihm sogar die Kraft zum Telefonieren. Umso größer war die Freude, als er per Videotelefonat nach zwei Wochen endlich seinen Sohn wiedersehen konnte. Nach etwa zwei Wochen ging es langsam bergauf, nach drei Wochen konnte er die Klinik verlassen. 

2025 | Wie geht es Benjamin heute und wie steht er zu seiner Entscheidung?

Wunder hatte Benjamin von der Stammzelltherapie nicht erwartet. Aber sein Wunsch scheint sich erfüllt zu haben: Die einst hochaktive MS ist zum Stillstand gekommen, seine Symptome haben sich deutlich gebessert. Seit der Transplantation ist der Konstanzer schubfrei, fühlt sich leistungsfähiger – die belastende Fatigue ist weniger stark. So der Stand ein Jahr danach.

Trotz aller Strapazen, die er durchstehen musste, würde Benni die Risiken und Begleitumstände der Therapie jederzeit wieder auf sich nehmen. Er benötigt aktuell keine Immunmodulatoren und nimmt nur noch Medikamente zur Unterstützung seiner Gehfähigkeit. Anfangs hat Benni größere Menschenmengen gemieden, da sein Immunsystem fragil und anfälliger für Infektionen war. Nun fühlt er sich wieder gestärkt. Nach dem kompletten Reset seines Immunsystems ist er noch dabei, Stück für Stück alle Schutzimpfungen aufzufrischen. Benni ist zuversichtlich, dass sich auch sein Bewegungsradius weiter verbessern wird. An guten Tagen, gleich nach dem Aufstehen, sei seine Gehfähigkeit am besten, da würde ein Außenstehender ihm nichts anmerken. Um den Bewegungsradius zu erweitern, hat er für dieses Jahr einen Antrag auf Reha gestellt.

Die berufliche Wiedereingliederung nach der Stammzelltherapie war ebenfalls erfolgreich: Benni ist beruflich mit 75 % vor Ort tätig. Während der Arbeit macht ihm die Fatigue nicht länger zu schaffen. Nach seinem Feierabend um 13 Uhr muss er sich dennoch erholen und Kraft für den restlichen Tag tanken. 

Am 8. Oktober feierte Benni seinen ersten “Stammzellgeburtstag” und schaut positiv in die Zukunft.

Die Stammzelltherapie kann eine hochpotente Therapie für aggressive Verläufe der Multiplen Sklerose sein, insbesondere bei Versagen anderer hochwirksamer Therapien mit anhaltender Schub- und MRT-Aktivität. Die Therapie ist gleichzeitig mit vielen Risiken verbunden, die Kosten werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Vor einer Entscheidung sollten sich Betroffene daher ausführlich informieren und beraten lassen. Einige Anlaufpunkte finden Sie in hier:

Redaktion: AMSEL e.V., 24.11.2025