Ganz allgemeines Interesse am ortsansässigen Verband, jemand im Bekanntenkreis oder man selbst hat MS oder auch einfach ein bisschen Neugierde, was da wohl so geboten sein würde – für einen Besuch in der neuen Landesgeschäftsstelle von AMSEL e.V. gab es viele gute Gründe. Rund 150 Menschen folgten der Einladung in den "AMSEL Campus Ursula Späth" vergangenen Freitag in die Nöllenstraße 7 in Stuttgart-Botnang.
Adam Michel begrüßte die Gäste, darunter auch Vertreter Stuttgarter und Botnanger Vereine, auf der Aktionsfläche im Zentrum der Büroetage, dankte den am Um- und Ausbau beteiligten Sponsoren, der Edda und Helmut Laich Stiftung, Familie Späth-Zöllner, Stiftung Wohnhilfe und Aktion Mensch sowie der Stadt Stuttgart für ihre großzügige Unterstützung.
Der AMSEL-Vorsitzende unterstrich die Vorteile von Botnang, auch als Arbeitsplatz, an den man jeden Tag gerne kommt, und ließ den Umzug in die Nöllenstraße Revue passieren. Nach 36 Jahren in Botnang fühle er sich selbst fast als Botnanger. Hier, in der umgebauten Büroetage über dem Vitacampus, ergeben sich für das AMSEL-Team ganz neue Möglichkeiten. Vorträge, Schulungen, mit oder ohne Liveübertragung, dazu Videodrehs und vieles mehr sind nun möglich, und eben auch ein Tag der offenen Tür.
Happy in Botnang
Bezirksvorsteherin Mina Smakaj lobte die gelungene Umsetzung, auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart, speziell den Kontakt zu Jennifer Langer, der Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung in der Landeshauptstadt. Alles sei hell hier und alle "happy", so Smakaj: "Ich freue mich unwahrscheinlich, dass Sie hier geblieben sind!" Die Nöllenstraße ist bereits das dritte Domizil der AMSEL in Botnang.
Im April 2024 hat das AMSEL-Team die Räume über dem Fitnessstudio Vitacampus bezogen. Bündelt und produziert hier Informationen über Multiple Sklerose, berät Betroffene, steht den 60 AMSEL-Gruppen, den rund 350 Ehrenamtlichen im Ländle bei der Organisiation zur Seite, und tritt ein für mehr Verständnis gegenüber Menschen mit MS und gegen weit verbreitete Irrtümer rund um dieses komplexe und von Mensch zu Mensch völlig unterschiedliche Krankheitsbild.
Neue Räume, neue Möglichkeiten
Mit den neuen hellen und freundlichen Räumen ergeben sich neue Möglichkeiten, etwa parallel einen Livevortrag über MS-Therapien vor Gästen zu halten und nur den fachlichen Teil ohne Publikum per Stream im Internet zu zeigen. Schulungen für Ehrenamtliche hybrid durchzuführen, aber natürlich auch Vier-Augen-Beratungen in geschützter Atmosphäre und freundlichem Ambiente anzubieten.
Der Tag der offenen Tür im AMSEL Campus Ursula Späth stand unter dem Motto "Multiple Sklerose und AMSEL hautnah". Und das Motto war Programm von der Fühlstraße über Beratungen, Blick hinter die Kulissen des TV-Studios bis hin zum Onlinegewinnspiel.
Fühlstraße Multiple Sklerose
Was genau Multiple Sklerose (MS) ist und wie sich manche der MS-Symptome anfühlen, das konnten die Besucherinnen und Besucher vergangenen Freitag nicht nur erkunden, sondern sogar selbst ausprobieren, in der "Fühlstraße Multiple Sklerose". Die zeigt mit einfachen, aber umso anschaulicheren Mitteln, was es bedeutet, zum Beispiel Sensibilitätsstörungen zu haben oder Doppelbilder zu sehen: Man probiere einmal, eine Tastatur mit Winterhandschuhen zu bedienen oder ein Buch zu lesen, mit speziellen Brillengläsern. An insgesamt sechs Stationen lernten die Besucherinnen und Besucher, was es bedeutet, mit einer Fußheberschwäche Treppen zu steigen oder wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt, wenn man unter Missempfindungen leidet. "Heute merke ich zum ersten Mal, wie das ist, wenn man solche Einschränkungen hat", war zum Beispiel Jürgen ganz erstaunt, der selbst jahrelang seine MS-erkrankte Frau pflegte.
An der Wii-Konsole und an Tablets ließen sich Balance, Motorik und Kognition trainieren - auch hier unter teils erschwerten Bedingungen, nur um die Herausforderung, die eine MS im Alltag mit sich bringen kann, zu verstehen. Eine Besucherin aus Freiburg erkannte: "Jetzt weiß ich, wo ich noch mehr üben sollte."
Hinter den Kulissen eines TV-Studios
Im TV- und Video-Studio waren die Gäste eingeladen, einmal selbst hinter einem Moderatorentisch zu stehen, verschiedene Szenen und Hintergründe auszuprobieren und Live-Zuschaltungen selbst zu steuern. Außerdem konnten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeiten und Grenzen eines Greenscreen austesten. Medienwissen zum Mitnehmen: vor einem Greenscreen besser kein grünes Oberteil tragen.
Ob man hier auch 3D-Aufnahmen machen könne, wollten einige Gäste im TV-Studio wissen. Nein, die zwei Kameras sind für schnelle Szenenwechsel zwischen totaler und halbnaher Ansicht da. "Wo kann man die gedrehten Videos dann sehen?", wollte Anne, Anfang 20, aus Möhringen, wissen. Und staunte, auf wie vielen Kanälen AMSEL e.V. publiziert: nicht nur auf Youtube, nein, auch Facebook, Instagram, LinkedIn, Tiktok. Und natürlich auf amsel.de. Und www.ms-docblog.de/
Beratung: läuft!
Auch die Beratungs- und Infotische waren permanent besetzt. Hier ging es vor allem um sozial-rechtliche Fragen, wie die Chancen und Risiken von Ausbildung versus Studium. „Mir ist es halt wichtig, dass ich über Lösungen im Beruf sprechen kann. Nicht immer das, was nicht mehr geht. Das begegnet mir in Verbindung mit MS einfach zu oft“, berichtete ein Berufsstarter etwa dem AMSEL-Sozialberater Michael Hägle. Und eine Dame zeigte sich gegenüber Sozialrechtsberaterin Regina Huber erfreut: "Ich bin froh, Mitglied der AMSEL bleiben zu können, da ich in meiner finanziellen Notlage vom Mitgliedsbeitrag vorübergehend finanziell entlastet werden kann."
Beim Online-Gewinnspiel ging es zum Beispiel darum, was die AMSEL macht – beraten, informieren, aufklären und unterstützen –, welcher Körperteil bei MS betroffen ist – das Immunsystem – und wer häufiger die Diagnose MS erhält – Frauen.
Am Glücksrad gingen AMSEL-Taschen und -Aufkleber weg wie warme Semmeln und vor der Fotobox tummelten sich Besucherinnen und Besucher in Perücken und mit Spaßbrillen, um vor einer AMSEL-Logowand ein Erinnerungsfoto an diesen abwechslungsreichen Nachmittag bei AMSEL e.V. mitzunehmen.
Resümee: Win-win auf allen Seiten
Julia aus Leinfelden freut sich über die positiven Gespräche und Begegnungen mit anderen Gästen: "Ich bin dankbar dafür, was die AMSEL für Betroffene macht." Kathi aus Heidenheim hat vom Tag der offenen Türe gelesen und findet gut, dass neu Betroffene so Zugang erhalten, um andere kennenzulernen und sich auszutauschen. "Tolles Engagement der AMSEL", lobt Christian aus dem Nachbarort Feuerbach.
Der Tag der offenen Tür im AMSEL Campus Ursula Späth kam bei den Gästen wie beim Veranstalter sehr gut an. Auch wer im Onlinegewinnspiel keinen Preis mitnehmen konnte, hat trotzdem viel gewonnen: Wissen um MS und die Menschen mit MS, neue Erfahrungen über den eigenen Körper und die eigene Kognition. Zu wissen, dass AMSEL e.V. Menschen mit MS hilft, um besser im Alltag mit der Erkrankung klarzukommen und ihre Lebensqualität zu steigern. Anregende Gespräche bei Fingerfood und Getränken.
Auch für das AMSEL-Team war der Tag ein voller Gewinn: weniger Vorurteile unter den Menschen über Multiple Sklerose und neue Freundinnen und Freunde für AMSEL e.V.
AMSEL e.V. bedankt sich herzlich bei Holiday Inn, Weilimdorf und Vitacampus, Botnang für die Preise des Onlinegewinnspieles.
Redaktion: AMSEL e.V., 02.10.2024





