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Sobek-Preise 2010 verliehen

Soeben hat die Sobek-Stiftung ihre Forschungspreise für Multiple-Sklerose im Stuttgarter Neuen Schloss verliehen. Die primären Ursachen der MS und mangelnde Regeneration standen im Mittelpunkt der feierlichen Preisverleihung.

Kuratoriumsvorsitzender der Sobek-Stiftung Prof. Jost Goller, Sobek-Preisträger Prof. Dr. rer. nat. Rudolf Martini und Prof. Dr. med. Catherine Lubetzki, Sobek-Nachwuchspreisträger Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Sven Meuth, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Sobek-Stiftung Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka, Ministerialdirektor Klaus Tappeser (v.l.n.r.)

 

Die langjährigen erfolgreichen Forschungsarbeiten beider Sobek-Preisträger gelten der Frage nach den primären Ursachen für den fehlgeleiteten Angriff des Immunsystems und den Gründen für die mangelnde Rückbildung der entstandenen Schäden.

Weit mehr als eine Million Euro für richtungsweisende Leistungen zur Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) hat die private Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung in Zusammenarbeit mit der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V., und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (DMSG) in den vergangenen elf Jahren ausgeschüttet.

In diesem Jahr geht der mit 100.000 Euro höchstdotierte Multiple Sklerose-Forschungspreis, der europaweit ausgeschrieben wird, zu gleichen Teilen an Prof. Dr. med. Catherine Lubetzki, Paris, und Prof. Dr. rer. nat. Rudolf Martini, Würzburg. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Sven Meuth, Magdeburg und Würzburg, erhielt den Sobek-Nachwuchspreis. Die Verleihung der Preise fand in feierlichem Rahmen im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart statt, die Laudatio hielt Ministerialdirektor Klaus Tappeser in Vertretung des baden-württembergischen Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Untersuchungen zur Regenerationsfähigkeit geschädigter Nerven- und Gliazellen

Prof. Dr. med. Catherine Lubetzki vom renommierten Hôpital de la Salpêtrière in Paris erhielt den Preis für ihre bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten zur Regenerationsfähigkeit der bei MS geschädigten Nerven- und Gliazellen des Gehirns. Im Vordergrund ihrer Forschungen stand die zentrale Frage, weshalb bei vielen MS-Läsionen die Markscheiden nicht ordnungsgemäß regenerieren und welche Moleküle hierfür verantwortlich sind. "Diese Forschungen haben erstmals wichtige Erkenntnisse zum Ablauf der Markscheidenschädigung und Regeneration gebracht. Sie lassen neue molekulare Therapiestrategien erwarten, die eine bessere Heilung von MS-Läsionen bewirken und damit dauerhafte Schäden bei MS eingrenzen", würdigte Laudator Klaus Tappeser, Ministerialdirektor beim Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, die Leistung der Französin.

Lubetzki, 1954 in Paris geboren, studierte Medizin an der Universität von Paris. Als Neurologin an der berühmten Salpétrière promovierte sie in einem Aufbaustudium zusätzlich in Neurobiologie mit besonderem Interesse an Immunkrankheiten. Lubetzki leitet die MS-Sektion der Klinik und eine Forschungsabteilung.

Forschung über Zusammenhänge von Markscheidenerkrankung und Entzündung im ZNS

Prof. Dr. rer. nat. Rudolf Martini wurde für seine richtungsweisenden wissenschaftlichen Beiträge über die Zusammenhänge von Markscheidenerkrankung und Entzündung im peripheren und zentralen Nervensystem ausgezeichnet. Seine Studien zeigen, dass eine genetische Schädigung der Markscheidenzellen der Grund für eine Immunattacke sein kann. Dabei gehen nicht nur die "Schutzhüllen" um die Nervenfasern verloren, sondern es entstehen die klinisch bedeutenderen Nervenfaser- und Nervenzellverluste. "Ihre Erkenntnisse über die erkrankte Glia als möglicher Auslöser für chronische Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem erlauben völlig neuartige Überlegungen zum Verständnis und letztlich zu künftigen Therapien bestimmter schwer behandelbarer Formen der MS und anderer degenerativer Erkrankungen des Nervensystems", so Tappeser in seiner Laudatio.

Martini wurde 1956 in Karlsruhe geboren und studierte dort Biologie. In Heidelberg und an der ETH Zürich widmete er sich intensiv dem peripheren Nervensystem von Säugetieren und beschäftigte sich mit der Entwicklung der Nervenfasern und ihrer Markscheiden im peripheren Nervensystem. 1996 erhielt er einen Ruf der Universitätsklinik Würzburg als Universitätsprofessor und Leiter der Sektion für Experimentelle Entwicklungsneurologie an die Neurologische Klinik, wo er neuartige Zusammenhänge von Markscheidenerkrankungen und chronischer Entzündung im peripheren und zentralen Nervensystem aufschlüsselte.

 

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Krankheitsrelevante Bedeutung von Ionenkanälen auf Entzündungszellen im Fokus

Den Sobek-Nachwuchspreis in Höhe von 10.000 Euro erhielt Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Sven Meuth, der sich an den Universitäten Münster und Würzburg in innovativer Weise mit der krankheitsrelevanten Bedeutung von Ionenkanälen auf Entzündungszellen befasst. Prof. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Sobek-Stiftung und Vorsitzender des Ärztlichen Beirates des DMSG-Bundesverbandes, würdigte den Sobek-Junior-Preisträger.

AMSEL, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg, und der Bundesverband der DMSG, die in Zusammenarbeit mit der in Renningen ansässigen Sobek-Stiftung die renommierten MS-Forschungspreise verleihen, wiesen noch einmal nachdrücklich daraufhin, dass die ausgezeichneten Wissenschaftler, dank der Preisgelder von insgesamt über einer Million Euro seit dem Jahr 2000, ihre Forschungen zur Pathogenese und Therapie weiterführen konnten und können und so dem Geheimnis der Multiplen Sklerose Schritt für Schritt näher kommen.

Redaktion: AMSEL e.V., 10.12.2010