Spenden und Helfen

Schub, Pseudoschub - oder was anderes?

Oft ist Menschen mit Multipler Sklerose sofort klar: Das ist ein Schub. - Oder vielleicht doch nicht? Dr. Christoph Uibel antwortet im Expertenchat auf alle Fragen zu Schüben und Schubtherapie bei MS.

Wer schon längere Zeit mit schubförmiger Multipler Sklerose (RRMS) lebt, erkennt Schübe bei sich selbst meist recht gut. Gerade in den ersten Jahren sind Menschen mit schubförmiger MS jedoch häufig verunsichert. Da tauchen dann Fragen auf, zum Beispiel wenn

  • eine Hand kurzzeitig kribbelt,
  • die Feinmotorik an einem Tag nachlässt,
  • plötzlich Probleme mit dem Gedächtnis auftreten,
  • ein Bein eingeschlafen ist,
  • bisher unbekannte Kopfschmerzen auftreten,
  • man Schmerzen oder Taubheitsgefühle in den Beinen hat,
  • Probleme mit der Blase oder dem Sehen auftreten usw.

Auch Menschen, die schon länger RRMS haben, fragen sich mitunter, ob es sich um einen Schub handelt oder etwas anderes. Ob es einen Gang zum Arzt wert ist oder nicht. Besonders zu Beginn jedoch kann jedes bisher noch so unwichtige Körperzeichen zum potenziellen MS-Symptom werden und Sorgen bereiten.

Die möglichen Symptome einer Multiplen Sklerose sind so vielfältig und können den ganzen Körper mit all seinen Funktionen betreffen. Daher liegt die Vermutung von neu Erkrankten nahe, jedes neue Symptom als MS-Symptom zu deuten. Oft ist das nicht der Fall. Denn “nur” weil man MS hat, sind nicht alle Symptome auch auf sie zurückzuführen. So können neue Schmerzen im Rücken zwar von der MS kommen, etwa infolge einer Schonhaltung, bei Problemen mit der Rumpfstabilität. Sie können aber auch eine andere Ursache haben, rein orthopädischer Natur sein, zum Beispiel. Oder das bekannte Augenzucken. Das kann ganz schön nerven, kommt aber auch bei Gesunden vor. Im Zweifel gilt: Bei weniger schwerwiegenden Symptomen, die innerhalb 24 Stunden wieder weg sind, ist die Wahrscheinlichkeit eines MS-Schubes gering. Heftige neue Anzeichen, Einnässen etwa oder eine Halbseitenlähmung, Doppelbilder oder eine plötzlich “verwaschene” Sprache gelten als Alarmsignal; die sollte möglichst schnell ein Arzt abklären.

Dazu kommt noch das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Es sorgt dafür, dass sich Symptome verstärken, sobald unser Körper erhitzt. Dabei ist es völlig schnuppe, ob wir erhitzt sind, weil wir Sport machen, als Nebenwirkung eines Medikamentes, ob uns die Menopause plagt, wir Fieber haben, in der Sonne sind oder in der Sauna: Der Erfolg bleibt gleich − die Symptome nehmen zu. Sie verschwinden aber auch wieder, sobald unsere Körpertemperatur wieder runtergeht. Das lässt sich mit einer kalten Dusche oft testen. Und: Nicht alle MS-Erkrankte haben Uhthoff. Manche fühlen sich sogar erst richtig wohl, ab 30 Grad Außentemperatur.

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, man vielleicht sowieso noch auf einen Arzttermin wartet, bietet sich der AMSEL-Expertenchat an. Ein Chat ersetzt natürlich nicht den Besuch beim Arzt, kann jedoch helfen, in der Zeit bis zum Arztbesuch, das Problem aus der Ferne wenigstens grob einzuordnen. Dr. med. Christoph Uibel ist Oberarzt der Neurologie am Klinikum Würzburg Mitte. Seinen Schwerpunkt bilden ZNS-Erkrankungen, darunter die Multiple Sklerose.

Expertenchat immer am 3. Dienstag im Monat und komplett anonym

Für den AMSEL-Expertenchat braucht es weder Kamera noch Mikrofon oder Lautsprecher, denn der Expertenchat funktioniert sehr niederschwellig und rein schriftlich. Auch eine E-Mail-Adresse o. ä. ist nicht nötig.

Über www.amsel.de/expertenchat-live gelangen Sie am Chatabend in den Chat. Einfach einen erfundenen Namen (ein Nickname) eingeben und die eigene(n) Frage(n) an den Experten/ die Expertin stellen. Das geht sowohl vom Computer aus wie vom Tablet oder Mobiltelefon.

Redaktion: AMSEL e.V., 09.04.2026