Mitglied werden

Neurologe mit Herz und Verstand

Vergangenen Samstag hat die AMSEL Professor Dr. med. Horst Wiethölter in einer kleinen, aber umso bewegenderen Feier als Vorsitzenden verabschiedet. Die gute Nachricht: Der Ausnahme-Neurologe bleibt der AMSEL weiterhin erhalten.

Es war ein Glücksfall für die AMSEL, damals im Herbst 1988, als Prof. Johannes Hirschmann den jungen Mann mit zur AMSEL brachte. Zunächst für alle etwas überraschend, stellte er den damaligen Oberarzt in Tübingen dem Vorstand als neues Mitglied des Ärztlichen Beirates vor mit den Worten "Und dass Ihr's gleich wisst: Er wird mein Nachfolger." Was damals noch keiner wusste: Günstiger hätte es für die AMSEL kaum kommen können.

Nach zwölf Jahren als Mitglied im Ärztlichen Beirat wechselte Professor Wiethölter im Jahr 2000 in den Vorstand der AMSEL. Zunächst bis 2006 als Arzt im Vorstand, dann bis 2013 als stellvertretender Vorsitzender und zuletzt, seit 2013 als Vorsitzender der AMSEL. Nun, nach exakt sechs Jahren an der Spitze des Verbandes für Multiple Sklerose-Erkrankte,  verabschiedet sich Professor Horst Wiethölter aus familiären Gründen aus dieser Funktion. Zum Nachfolger wurde, ebenfalls am vergangenen Samstag im Rahmen der Mitgliederversammlung Adam Michel, früherer Geschäftsführer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied, gewählt.

Unzählbar sind die Einsätze von Professor Wiethölter in den vergangenen 30 Jahren der AMSEL. Er hat sich engagiert

  • bei Info-Broschüren und für das Verbandsmagazin together
  • in diversen Stellungnahmen zu Medizin und Therapie der MS
  • im AMSEL-Experten-Chat
  • bei Veranstaltungen und Symposien
  • in Expertenvideos und, "ganz legendär", wie Adam Michel hinzufügt,
  • bei seinen Einsätzen am begehbaren Gehirn im Rahmen des Welt MS Tages am Stuttgarter Hauptbahnhof.

Vor allem aber schätzten die meisten Menschen, besonders gerade MS-Patienten, an Professor Wiethölter seine offene und zugewandte Art. Kaum einer kann wie er zuhören und aus der Fülle der Informationen rund um die MS das Wesentliche für die Patienten herausfiltern, wie es Professor Dr. med. Horst Wiethölter tut. "Er ist ein absoluter Teamplayer, der mit allen in Kontakt steht. Von ihm geht eine hohe Motivation aus. Er ist aber auch ein Entscheider," fasst Adam Michel die Dinge zusammen, welche die Zusammenarbeit mit Professor Wiethölter geprägt haben.

Etliche Anekdoten ranken sich – das ist vermutlich normal nach über drei Jahrzehnten in einem Verband – um Professor Horst Wiethölter. So verpasste er keine Führung am begehbaren Gehirn. Wenn eine Grippe nahte, wurde die Stimme mit Tee und Halsbonbons versorgt, wie sich Adam Michel anlässlich der Verabschiedung rückblickend auf "30 Jahre für AMSEL" erinnerte. Oder die Gesprächsrunde mit Prof. Wiethölter, an die sich Prof. Flachenecker gut erinnert: Er sollte Argumente für, Prof. Flachenecker gegen den grundsätzlichen Einsatz von Interferonen vortragen. Es war die erste Begegnung der beiden Neurologen.

Professor Dr. med. Peter Flachenecker, Arzt im Vorstand und Vorsitzender des ärztlichen Beirates der AMSEL, lieferte den medizinisch geprägten Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte. Machte deutlich, dass es heute rund doppelt so viele Betroffene gibt wie damals, aufgrund der erhöhten Lebenserwartung durch Therapiemöglichkeiten, aber auch aufgrund verbesserter Datenerhebung. Und dass es damals noch nicht einmal Interferone zur Behandlung der MS gab. Inzwischen sind es 12 Wirkstoffe und 16 Präparate - "eine beeindruckende Liste", wie der Chefarzt der Reha-Klinik Quellenhof betont. Mittlerweile könne man auch die progrediente MS behandeln. Mit  kleinen Erfolgen zwar nur, aber das sei bei der Behandlung der schubförmigen MS anfangs schließlich auch so gewesen.

Dr. Michael Alt verlas das Grußwort der Schirmherrin Ursula Späth: "Jean Jaurès, ein französischer Politiker und Philosoph, hat einmal gesagt: „Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben können.“ Sie gehören zu diesen Menschen und dafür möchte ich mich als Schirmherrin der AMSEL sehr herzlich bedanken. Ihr Einsatz als Arzt und als ehrenamtlicher Mitstreiter der AMSEL kann nicht genug wertgeschätzt werden."

Die Erfolgsgeschichte von Prof. Horst Wiethölter bei der AMSEL entspricht in Teilen auch der Geschichte der MS und ihrer Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen drei Jahrzehnten. Prof. Horst Wiethölter hat daran mitgeschrieben. Vor allem jedoch hat er sich in den Dienst der Menschen gestellt, wie Sabine Gwarys, stellvertretende Vorsitzende der AMSEL in ihrer Begrüßung beschreibt: "Für die MS-Betroffenen war und ist Ihr Einsatz in der AMSEL ein Glücksfall. Mit Ihnen hatten und haben wir einen Fachmann an der Seite, der mit seinem riesigen  Wissen um die MS ungezählten Betroffenen Hilfen und Unterstützung gegeben hat." – Eine Erfolgsgeschichte, die es weiterzuschreiben gilt, auch wenn man anlässlich einer Verabschiedung aus dem Amt kurz innehalten sollte, um rückzublicken, denn "Es ist erfreulich, sich einer guten Zeit zu erinnern," wie Adam Michel mit Ovid abschließend erklärt.

Prof. Dr. med. Horst Wiethölter

  • Studium der Humanmedizin
  • Klinische Ausbildung an der Universität Tübingen in den Gebieten Neuropathologie, Neurologie und Psychiatrie
  • 1984 bis 1992 Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen
  • 1985 Habilitation für das Fach Neurologie
  • 1989 bis 1992 Stellvertreter des Direktors der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen
  • 1992 bis 2009 Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik am Bürgerhospital im Klinikum Stuttgart
  • Seit 1985 besonderes Interesse an der Ursachenforschung und Behandlung neuroimmunologischer Erkrankungen insbesondere der MS
     
  • seit 1988 Mitglied des medizinischen Landesbeirats der AMSEL (seit 2001 Ärztlicher Beirat)
  • seit 2000 im Vorstand der AMSEL: 2000-2006 Arzt im Vorstand, 2006-2013 stv. Vorsitzender, seit 2013 Vorsitzender der AMSEL
  • Mitglied im Ärztlichen Beirat von DMSG

Redaktion: AMSEL e.V., 16.07.2019