Spenden und Helfen

MSIF Profil des Monats: Oktober 2009

19.10.09 - Der 55-jährige Kent Andersson aus Schweden hilft sich selbst, indem er anderen versucht zu helfen.

 
 
Kent Andersson
 
 

Land: Schweden
Alter: 55
Art der MS: schubförmig
Jahr der Diagnose: 1997

Ich bin 55 und habe schubförmige MS. Ich bin Kassier der Neurologiskt Handikappades Riksförbund (NHR), der schwedischen Assoziation neurologisch beeinträchtigter Menschen.

Während der Mittelschule bekam ich ein Stipendium und ging in die USA um zu studieren. Ich war stark, gesund und ein glühender Leichtathlet und Abfahrer. Nachdem ich mein MBA erhalten hatte, bekam ich den Auftrag an meiner Universität zu lehren und zu forschen. Damals hatten meine Frau und ich bereits zwei Kinder. Mit 28 ging ich in die Wirtschaft und arbeitete 13 Jahre lang als CEO.

Als ich einmal Studenten International Business unterrichtete, spürte ich seltsame Sensibilitätsstörungen in meinem Körper. Bis dahin lebte ich mit einem starken Körper und kannte keine Limits. Plötzlich war das nicht mehr länger der Fall. Als der nächste Schub meine Augen befiel, wurde mir die Diagnose MS im Januar 1997 gestellt. Es war schwer mit den unterschiedlichen Symptomen der MS umzugehen, die jederzeit auftreten konnten und das tägliche Leben störten. Nach einer kurzen Zeit im Spital 1998 war mir für einen entsetzlich langen Zeitraum schwindlig und ich musste mich regelmäßig übergeben. Aber die Dinge verbesserten sich.

Heute ist mein größtes Problem Fatigue, aber nach jahrelangem regelmäßigem Training lernte ich mit meinem Energieschwund umzugehen. Heute genieße ich das Leben auf einem niedrigeren Energielevel als Kassier der NHR. Wir haben ungefähr 8000 an MS erkrankte Mitglieder. Meine Arbeit inkludiert die Verantwortlichkeit für unsere schwedische Foundation, um die MS Forschung zu unterstützen. Zudem bin ich auch Mitglied des MSIF Menschen mit MS Internationalem Komitee.

Ich war sehr froh an den Aktivitäten des Welt-MS-Tages, der am 27. Mai stattgefunden hat, teilnehmen zu können. Der erste globale MS Tag war ein wichtiger Anfang eines jährlich stattfindenden Medien-Events, dass das Bewusstsein für die 2 Millionen Menschen, die weltweit mit MS Leben, zu schärfen. Es bot auch die Möglichkeit die Information zu verbreiten, dass MS eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter ist.

In Schweden war das Medien Echo auf diesen Events enorm. Einer der zwei Hauptfernsehkanäle, TV4 interviewte unseren Generalsekretär Stefan Käll und Louise Hoffisten, eine an MS erkrankte schwedische Prominente, in ihrer Morgenschau. Auch zur Primetime wurde ein Beitrag über MS gesendet, indem Tomas Olsson -ein bekannter Professor der Karolinska Universität- die Forderung aufstellte, dass mehr Geld von Regierungsseite für Tysabri ausgegeben werden sollte und die NHR-Vorsitzende Kathleen Bengtsson-Hayward sprach über die Ungerechtigkeit der

regionalen Unterschiede bei der Behandlung von MS. An diesem Tag konnten wir auch unserer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die Forschung effektive Heilungsmöglichkeiten fände. Fundraising, Unterstützung und öffentliches Bewusstsein sind wesentliche Bestandteile, um die Lebensqualität für Menschen mit MS und deren Familien zu erhöhen.

Momentan versuchen wir mit einem Projekt AVSTAMP (Anstoß, abheben, Startpunkt) mehr Menschen in die Arbeit des NHR einzubinden. Ich bin sehr stolz zu den führenden Köpfen dieses erfolgreichen Projekts zu gehören. NHR arbeitet mit MS-Kliniken zusammen, wo MS-Krankenschwestern neu diagnostizierte Menschen mit MS und deren Familien zu einem eigenen kurzen Erziehungsprogramm einladen. Als Teil dieses Programms bieten lokale Gesundheitsprofessionallisten genaue Informationen an und bieten die Möglichkeit Neurologen, Ärzte, Psychologen, Therapeuten und Sozialhelfer zu treffen. Im Rahmen dieses Programms können an MS erkrankte Personen Erfahrungen austauschen. Zusätzlich lernen sie die lokalen NHR Aktivitäten kennen. Bis jetzt waren wir mit unserem Projekt, neue Mitglieder zu werben, sehr erfolgreich.

Vielleicht bekommt man als neu diagnostizierter MS-Betroffener das Gefühl der Isolation und der Ungewissheit. Oft sind die Symptome, unter denen man leidet, nicht sichtbar. Die Familie und Freunde können nur schwer nachvollziehen, was mit einem passiert. Für mich war es eine große Erleichterung als ich das erste Mal mit anderen Betroffenen über die Krankheit MS sprach. Wir konnten unsere Erfahrungen teilen und über unsere Symptome diskutieren. Das nahm der MS viel von ihrem Schrecken und meiner Angst vor ihr. Ich traf Menschen die jahrelange Erfahrungen mit dieser Erkrankung hatten und die gelernt hatten, mit ihr zu leben. Ich kann meinen Freunden mit MS nur raten einer nationalen MS-Gesellschaft beizutreten. Neue Freunde kennen zu lernen und sich ehrenamtlicher Arbeit zu widmen macht sehr viel Spaß. "Und du hilfst dir selbst im Umgang mit deiner Erkrankung, wenn du in sinnvolle Projekte involviert bist."

 
MSIF und AMSEL danken Nicole Murlasits für die Übersetzung dieses Profils des Monats.
 

Quelle: MSIF, Oktober 2009

Redaktion: AMSEL e.V., 19.10.2009