Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Für MS-Verbände wie AMSEL ist es unersetzlich. Umso wichtiger ist es, diesen Helden und Heldinnen des Alltags einen wichtigen Platz einzuräumen, wie jüngst beim Festakt der DMSG in Hannover. Einmal mehr mit dem Schirmherren Christian Wulff als Laudator.
Anny Hätinger: „Wir können alles, nur anders!“
Seit 27 Jahren kümmert sich Anny Hätinger mit Herz und Seele um ihren Mann und ist gleichzeitig auch ehrenamtlich aktiv. Als Leitung der Kontaktgruppe Böblingen-Sindelfingen unterstützt sie zusätzlich MS-Erkrankte und ihre Angehörigen.
Nachdem Werner Hätinger 1998 an Multiple Sklerose erkrankt war, gab Anny Hätinger ihre Arbeit als Standesbeamtin auf, um ihren Mann zu pflegen. Sie steht ihm in allen Lebensbereichen zur Seite, vor allem, da die Krankheit schnell voranschreitet und eine vollumfängliche Pflege Tag und Nacht vonnöten ist. Mit großer Hingabe, Kompetenz und Engagement sieht die hingebungsvolle Frau die Pflege ihres Mannes als Herzensangelegenheit, bei der sie den Leitspruch „Wir können alles, nur anders!“ verfolgt.
Gerade am Anfang mussten die beiden den Umgang mit der MS und das Loslassen von dem, was nicht mehr geht, lernen. Mit dem Blick nach vorne und einer positiven Einstellung, meistert das seit 55 Jahren glücklich verheiratete Ehepaar den Alltag jedoch mit Tatkraft, Ideenreichtum und Herz.
Besonders das vielfältige, ehrenamtliche Engagement dient Anny Hätinger als Kraftquelle. Bereits 2001 brachte sie sich in der AMSEL ein und leitet seit nun zehn Jahren die Kontaktgruppe Böblingen-Sindelfingen. Dort unterstützt sie andere Betroffene und deren Angehörige. Zu ihren vielfältigen Aufgaben gehört neben der Buchhaltung auch die Organisation von Gruppenaktivitäten und mehrtägigen Reisen für MS-Betroffene. Trotz hohem organisatorischem Aufwand, lassen sie und ihr Mann es sich nicht nehmen, auch selbst teilzunehmen und die Reisen als wertvolle gemeinsame Zeit zu verbringen. Gerade die soziale Teilhabe und regelmäßige Begegnungen mit anderen sind für Anny Hätinger von großer Bedeutung. Diese Aktivitäten, aber auch die Gemeinschaft der AMSEL geben viel Kraft, um ihren Alltag, damit auch den ihres Mannes zu bewältigen und auch ihre Lebensqualität zu erhalten.
Für dieses außergewöhnliche Engagement erhielt die sympathische und humorvolle Frau den Pflegepreis der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Aus persönlichen Gründen konnte Anny Hättinger nicht am Festakt teilnehmen. Michaela Seyerlen, Mitglied der Geschäftsführung von AMSEL e.V., nahm den Pflegepreis für sie von Christian Wulff, Bundespräsident a.D., Schirmherr des Bundesverbandes, entgegen.
Daniela Adomeit: „Gemeinsam geht es einfacher!“
Daniela Adomeit engagiert sich seit fast 20 Jahren auf vielfältigste Art und Weise bei der AMSEL für MS-Erkrankte. Sowohl als Leiterin der Kontaktgruppe in Karlsbad-Ettlingen, als auch auf Social Media ist sie aktiv und gibt damit anderen Kraft und Mut.
Nachdem die gelernte Krankenschwester 2004 mit 25 Jahren an MS erkrankt war, nahm sie Kontakt zur AMSEL auf und gründete drei Jahre später die Junge Initiative in Karlsruhe, die sie auch leitete. Mittlerweile ist sie als Leitung der Kontaktgruppe in Karlsbad-Ettlingen ehrenamtlich aktiv. Aber das ist nicht genug. Seit 2021 vertritt sie im Vorstand der AMSEL die Interessen MS-Erkrankter aus ganz Baden-Württemberg. Auch online ist Daniela Adomeit als Bloggerin, Kolumnistin, Kampagnengesicht für die AMSEL, aber auch als Moderatorin der Facebook-Gruppe „Leben mit MS“ tätig. Dort gibt sie MS-Erkrankten einen Safe-Space, um Fragen zu stellen und sich auszutauschen. Mit ihrem Engagement klärt sie auf, inspiriert und verbindet, mit einem offenen Ohr, einem strahlenden Lächeln und viel Empathie.
Auch außerhalb der AMSEL engagiert sie sich ehrenamtlich, wofür sie bereits mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde. Zu ihren Ehrenämtern gehören beispielsweise der Gemeinderat Ettlingen, Agenda Barrierefreies Ettlingen oder der Tierschutz.
Wie ihre Großmutter bereits sagte: „Man muss anderen helfen, wenn es einem selbst gut geht.“ Gut ging es Daniela Adomeit jedoch nicht immer mit ihrer Multiple Sklerose Erkrankung. Mit einer Lähmung der kompletten linken Seite und zwei Jahren im Rollstuhl sei es 2007 am schlimmsten gewesen. In ihrem Alltag sei Fatigue die größte Einschränkung, die sie unsichtbar belastet. Aufgrund ihrer positiven Art und einer Portion Kämpfernatur stellt sie sich der MS jedoch mit Humor und Optimismus, wodurch sie auch anderen Betroffenen Mut macht.
Mit der Einstellung „gemeinsam geht es einfacher“ betont sie, wie wichtig es sei, sich trotz MS-Diagnose nicht zu isolieren und sich anderen mitzuteilen. Einen Ort dafür möchte sie in der Kontaktgruppe, aber auch auf Social Media bieten.
Für ihr langjähriges Engagement zugunsten MS-Erkrankter wurde Daniela Adomeit die goldene Ehrennadel der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft von Christian Wulff verliehen.
Gerlinde Fischer: „Wer etwas gibt, bekommt etwas zurück“
Gerlinde Fischer ist durch ihr Engagement eine kostbare Stütze für viele MS-Erkrankte. Durch ihre lange Erfahrung kann sie gerade in ihrer eigenen Kontaktgruppe Freiburg/ Breisgau als empathische Leiterin wertvolle Unterstützung weitergeben.
Nach der eigenen MS-Diagnose 1987 begann die damals 32-Jährige, sich ehrenamtlich in der AMSEL zu engagieren. Anfangs im Hintergrund, wurde Gerlinde Fischer zur Sprecherin für die Junge Initiative und ist nun seit 10 Jahren Leiterin der Gruppe in Freiburg/ Breisgau, zusammen mit Jürgen Böttcher. Die zweifache Mutter organisiert gemeinsame Treffen und Ausflüge für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen. Als Vertrauensperson, unter anderem für Neubetroffene, ist sie eine geschätzte Ansprechpartnerin für jegliche Fragen rund um Multiple Sklerose.
Gerade bei persönlichen Gesprächen und Untergruppen wie der Jungen Initiative oder dem Frauenstammtisch kann man immer auf Gerlinde Fischer zählen. Dort hat sie die Möglichkeit, im Ehrenamt aufzugehen und schätzt besonders den Austausch mit anderen. Dabei sind ihr der Glaube und auch das Ehrenamt eine große Kraftquelle und geben Zuversicht.
Aber auch die eigene MS ging nicht spurlos an der stets positiven Frau vorbei. Zwar sieht man ihr die Krankheit meist nicht an, aber unsichtbare Symptome wie Fatigue oder Drehschwindel und kognitive Probleme schränken Gerlinde Fischer in ihrem Alltag ein. Sie scheinen übermächtig und rauben Energie. Dabei hilft es ihr, sich Pausen zu nehmen, um Kraft zu sammeln, aber auch, auf die eigenen Grenzen zu achten.
Mit ihrer offenen und beruhigenden Art möchte die heute 71-Jährige vermitteln, dass Multiple Sklerose, als Erkrankung mit 1.000 Gesichtern, bei jeder/ jedem anders aussehen kann. Es ist wichtig, dabei den Mut nicht zu verlieren, die Krankheit anzunehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.
Für ihr langjähriges Engagement zugunsten MS-Erkrankter wurde Gerlinde Fischer die silberne Ehrennadel der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft von Christian Wulff, Bundespräsident a.D., Schirmherr des Bundesverbandes verliehen.
Ehrenamt? AMSEL!
Rund 350 Ehrenamtliche der AMSEL setzen sich mit zahlreichen Aktivitäten und ihrer Tatkraft dafür ein, dass Menschen mit MS Unterstützung erfahren. AMSEL ist stolz und dankbar, sie alle als Mitstreiter an ihrer Seite zu haben und gratuliert den drei Ausgezeichneten sehr herzlich!
Redaktion: AMSEL e.V., 11.12.2025
