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Aktionstag 2017, Tag 2

Der zweite Tag des AMSEL-Aktionstages für junge Menschen mit Multipler Sklerose stand ganz im Zeichen der Information. 5 Expertenrunden und ein Abschlussvortrag luden die 170 Teilnehmer zur Fortbildung und zum Austausch ein.

Nachdem am Samstag in Bad Boll vor allem ein MS-Update, die digitale Offensive, Bewegung und Entspannung auf dem Programm standen (wir berichteten), nutzten die Teilnehmer am Sonntag ausgiebig die Möglichkeit, sich in fünf Themenrunden mit anderen Betroffenen und Experten auszutauschen - Bildergalerien zu beiden Tagen sind online!

Sexualität und MS

So individuell wie sich die MS bei Erkrankten äußern kann, so unterschiedlich kann sie auch das Sexualleben beeinflussen. Sexuelle Störungen können eine direkte Folge einer neurologischen Störung sein, eine Folge anderer MS-Symptome wie Spastik und Blasenstörungen oder Folge psychosozialer Probleme wie bspw. durch die Veränderung des Selbstbildes nach der Diagnose, so Dr. med. Martin Rösener in seinem Vortrag.

Der niedergelassene Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Stuttgart gab Anregungen wie Sexualität trotz und mit MS gelingen kann. Sein Appell: zunächst selbst herausfinden, was einem gut tut und mit dem Partner Sorgen und Wünsche teilen. Nicht nur Offenheit gegenüber dem Partner sei wichtig. Sexualstörungen könnten nur behandelt werden, wenn der behandelnde Neurologe bzw. Gynäkologe auch davon wisse.

Ernährung und MS

"Es gibt keine MS-Diät", so die klare Botschaft von Jakoba Blechschmied, Dipl. Ökotrophologin und Heilpraktikerin. Wichtig sei es vor allem, sich seines eigenen Essverhaltens bewusst zu werden, was man esse, wie man esse und wieviel davon.

Eine bewusste, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine gute Atmung könnten das Wohlbefinden positiv stärken und zur Gesunderhaltung beitragen. Zu vermeiden seien entzündungsfördernde Inhaltsstoffe wie Salz und Arachidonsäure (überwiegend in Fleisch) sowie Stress und Ablenkung während des Essens.

Kinder haben bzw. Kinder kriegen mit MS

In der Expertenrunde mit Monika Karl, Dipl. Sozialarbeiterin und Systemische Familientherapeutin, drehte sich alles um das Thema Kinder – angefangen vom Kinderwunsch bis hin zur Kindererziehung. Die Expertin stellte die Auswirkungen einer MS auf Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Geburt bzw. Stillen vor und verwies in diesem Zusammenhang auf hilfreiche Anlaufstellen wie das deutschsprachige MS-Kinderwunschregister (DMSKW) oder das bundesweite Projekt "Plan Baby".

Im zweiten Teil ihres Vortrags ging die Systemische Familientherapeutin auf die Auswirkungen einer chronischen Erkrankung eines Elternteils auf die Kinder ein und appellierte, die seelische Belastung nicht zu unterschätzen. Denn laut der CoSIP-Studie (children of somatically ill parents), die den seelischen Gesundheitszustand Kinder kranker Eltern untersuchte, entscheide nicht das Ausmaß und die Schwere einer Erkrankung über psychische Auffälligkeiten von Kindern, sondern vor allem der Umgang mit der Erkrankung innerhalb der Familie. Ein wichtiger Aspekt sei dabei: Offenheit und Kommunikation. Nach dem Motto: "never too young to know".

Beruf und MS

Welche Möglichkeiten gibt es, die berufliche Tätigkeit mit MS zu erhalten? Darauf gaben Juan Victor Coseriu Pisani von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und Dipl. Sozialarbeiterin Regina Huber in der Expertenrunde "Beruf und MS" Antworten auf die individuellen Fragen der Teilnehmer.

So wurden die "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" (berufliche Rehabilitation) wie technische Arbeitshilfen, Kraftfahrzeughilfe oder Maßnahmen zur Umschulung oder Weiterbildung ebenso erläutert wie Zugangsvoraussetzungen und Möglichkeiten einer medizinischen Rehabilitation, Voraussetzungen einer Teilerwerbsminderungsrente oder die Offenbarungspflicht bei einer Schwerbehinderung.

Spiritualität und MS

Eine chronische Erkrankung wie die MS, die in ihrem Verlauf nicht vorhersehbar ist, bringt für viele Menschen Verunsicherung mit sich und weckt den Wunsch nach einer inneren Mitte, Stärkung durch Spiritualität. Was genau Menschen mit Spiritualität verbinden, ist vielfältig und vielschichtig. Für die Teilnehmer des Aktionstages waren das z.B. Unendlichkeit, Licht, Wärme, Glaube, Luft, Atmung, Ruhe oder Weite. Pfarrer Volker Weiß, Krankenhausseelsorger, logotherapeutischer und geistlicher Seelsorger, nahm die Teilnehmer mit auf eine spirituelle Reise, die als eine Form der aktiven Krankheitsbewältigung dienen kann und machte Übungen zur Atmung und Meditation, um Kräfte zu mobilisieren und das innere Gleichgewicht zu stärken.

Ziemlich stark trotz MS

Um innere Stärke, Krisen zu meistern und Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität ging es auch im Abschlussvortrag von Heike Meißner, leitende Neuropsychologin am Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof. Ganz nach dem Leitsatz "nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern die Einstellung dazu", ermutigte die psychologische Psychotherapeutin Veränderungen als Chance zum persönlichen Wachstum zu begreifen, die eigene Aufmerksamkeit bewusst auf positive Dinge und Erlebnisse zu richten, genießen zu lernen und vor allem soziale Kontakte zu pflegen.

Und genau das bot der 11. Aktionstag der AMSEL: Austausch und Begegnung, Information und Interaktion, Abwechslung und Spaß - für mehr Lebensqualität für junge Menschen mit MS.

Redaktion: AMSEL e.V., 05.04.2017