Für Samstag, 12. Oktober, hatte AMSEL e.V. zu einem Festabend anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums in die Alte Reithalle im Maritim Hotel Stuttgart eingeladen. Rund 200 Gäste erlebten in festlichem Rahmen sowohl Rückblicke in die Vergangenheit als auch Ausblicke in die Zukunft des Verbandes, der seit 1974 ein starker Partner für Multiple-Sklerose-Kranke in Baden-Württemberg ist.
Adam Michel, Vorsitzender der AMSEL, betonte in seiner Begrüßung am Festabend, dass sich die von einem kleinen Kreis Ehrenamtlicher gegründete Selbsthilfeorganisation zu einem anerkannten Fachverband weiterentwickelt habe, der schon immer neue Möglichkeiten der Aufklärung und Information genutzt habe. Einen besonderen Dank sprach Michel seinem Weggefährten Dr. Michael Alt aus, der die AMSEL seit ihren Anfängen unterstützt und sogar deren erste Satzung verfasste.
AMSEL Stiftung als Innovationsförderin
Durch den Abend führte Moderator Dr. Nabil Atassi vom SWR, der noch einmal bekräftigte, wie sehr MS-Betroffene davon profitiert hätten, dass AMSEL sich in den letzten 50 Jahren als Partner an ihrer Seite engagiert habe. Dr. Daniela Späth-Zöllner, Vorsitzende des Stiftungsrats der AMSEL Stiftung Ursula Späth, eröffnete den Reigen der Grußworte und wies auf die Rolle der von ihrer Mutter 1985 gegründeten Stiftung für die Arbeit der AMSEL hin. Die AMSEL Stiftung sichere den Bestand des Verbandes für MS-Kranke ab. Aber auch die Förderung von Innovation sei eines der Stiftungsziele, das sich unter anderem im AMSEL Campus, der neuen Geschäftsstelle von AMSEL e.V. mit moderner Einrichtung wie einem TV-Studio, widerspiegele: „Ich bin stolz und glücklich, dass damit ein neues Kapitel der Information aufgeschlagen werden konnte.“
"Zusammen sind wir stärker."
In seiner Videobotschaft wünschte Christian Wulff, Bundespräsident a.D. und Schirmherr des DMSG Bundesverbands e.V., AMSEL alles erdenklich Gute für die nächsten Jahrzehnte. Dem schloss sich Herbert Temmes, Präsident der European Multiple Sclerosis Platform (EMSP) und Geschäftsführer Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband e.V., an und betonte die zunehmende Bedeutung der gesundheitlichen Selbsthilfe in der Zukunft: „Für eine stärkere Selbstverantwortung brauchen MS-Erkrankte einen starken Partner. Diesen haben sie in der AMSEL.“
Gemeinsames Handeln war auch die Kernbotschaft von Peer Baneke. Der CEO der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) verwies auf das Motto des Welt-MS-Tages 2018 Unheilbar optimistisch und rief zu einer weltweiten Zusammenarbeit im Forschungsbereich auf: „Zusammen sind wir stärker.“ Jennifer Langer, Beauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart für die Belange von Menschen mit Behinderungen, erinnerte noch einmal an die Inklusion als Menschenrecht und Barrierefreiheit als ein Qualitätsmerkmal. „Danke, dass AMSEL sich für Selbstbestimmung und Teilhabe von MS-Erkrankten mit viel Herzblut und Engagement einsetzt.“
Zivilgesellschaftliches Engagement und Aufklärungsarbeit
Kernstück des Abends war der Festvortrag von Muhterem Aras MdL, Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg. In eindrücklichen Worten beschrieb sie Vereine als Integrationskatalysatoren, die allen Beteiligten viel zurückgäben. „Angst vor Kontrollverlust und fehlende Sinnhaftigkeit entfernen Menschen von der Demokratie. Das Gefühl jedoch, gemeinsam im Team etwas zu bewegen, kann Berge versetzen.“ In diesem Sinne sei AMSEL e.V. als Informationsvermittler und Interessenvertretung eine starke Säule der Zivilgesellschaft, so Aras mit Nachdruck.
In ihrer leidenschaftlichen Ansprache unterstrich die Grünen-Politikerin, dass Angst auch kein guter Ratgeber im Umgang mit einer chronischen Krankheit wie MS sei: „Die Gründer von AMSEL e.V. waren weitsichtig, weil sie schon 1974 den Schwerpunkt des Vereins auf Wissensvermittlung und Aufklärung legten.“ Gerade bei komplexen Krankheiten wie Multipler Sklerose sei das Wissen um die eigenen Handlungsoptionen ein Schlüssel, um der Angst vor dem Unbekannten nach der Diagnose entgegenzutreten. Hier leiste AMSEL seit 50 Jahren einen entscheidenden Beitrag, so die Landtagspräsidentin.
Genießen, zuhören, lernen
Umrahmt wurde das Programm des Abends musikalisch vom Trio Merlot, einer Jazzband aus Stuttgart, die mit ihren stimmungsvollen Stücken die Herzen der Gäste eroberte. Ebenso wie das Tanzensemble Gauthier Dance JUNIORS vom Theaterhaus Stuttgart. Das Programm „Moves for Future“ zeigte die Vielfalt des Tanzes von klassisch bis modern, von Ballett bis hin zu einer meisterlichen Trampolin-Choreografie, und erhielt dafür langanhaltenden Applaus. Dieser war auch zwei renommierten MS-Experten sicher, die zu einem kurzweiligen MS-Talk einluden: Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Chefarzt des Neurologischen Rehabilitationszentrums Quellenhof in Bad Wildbad, und Prof. Dr. em. Jürg Kesselring FRCP, ehemaliger Chefarzt der Neurologie und Neurorehabilitation an den Kliniken Valens, tauschten sich aus über den Wandel der Therapiemöglichkeiten seit den 80er Jahren, darüber, ob man als Neurologe auch für das Thema Rehabilitation brennen könne oder wie wichtig es sei, auch als Mediziner "in die Schuhe“ von Betroffenen zu "schlüpfen".
Mit anregenden Gesprächen an den 26 Tischen und einem Dankeschön für alle am Programm und an der Organisation Beteiligten ging die Jubiläumsfeier gegen Mitternacht zu Ende – ein gelungener Abschluss für 50 Jahre AMSEL-Arbeit und Auftakt für den urkundlichen Geburtstag der AMSEL am Tag darauf, dem 13. Oktober 1974!
Der Festabend am Samstag bildete nur einen Teil des Jubiläumswochenendes. Informieren und sich austauschen standen tagsüber im Mittelpunkt beim großen Jubiläumssymposium "Meine Zukunft mit MS" für MS-Betroffene und Angehörige. Der Freitagabend widmete sich ausschließlich den Ehrenamtlichen der AMSEL, die mit ihrem wertvollen Einsatz vor Ort das Wort der langjährigen Schirmherrin Ursula Späth „MS-Betroffene stehen im Mittelpunkt allen Handelns“ täglich zur Tat werden lassen. – Berichte zu diesen beiden Jubiläumsveranstaltungen folgen.
Das Jubiläumsjahr wird außerdem begleitet von Social-Media-Kampagnen mit Daten und Fakten zur AMSEL und zur MS sowie der Aufklärungskampagne #MeineZukunftmitMS.
Redaktion: AMSEL e.V., 16.10.2024






