Zum Inhalt springen

Wohnberatung: besser wohnen – Barrieren reduzieren

Wenn Krankheiten wie Multiple Sklerose oder das Alter zu körperlichen Einschränkungen führen, sollte das Zuhause durch Barrierereduzierung an die veränderten Bedürfnisse angepasst werden.

Bedürfnisgerechte Wohnanpassung führt zu mehr Sicherheit und ermöglicht vielen MS-Betroffenen, den Alltag weiterhin selbstständig in der gewohnten Wohnumgebung zu bewältigen. Wohnberatungsstellen leisten hier einen wichtigen Beitrag und unterstützen Menschen bei der bedarfsgerechten Gestaltung.

Ziel einer Wohnberatung ist es, den Verbleib in der eigenen Wohnung und eine selbstständige Lebensführung trotz und mit körperlicher und anderer Einschränkungen auf lange Sicht zu ermöglichen. Auf Grundlage der individuellen Wohn- und Lebenssituation sowie der persönlichen Bedarfe und Wünsche werden im Rahmen eines Hausbesuchs geeignete Lösungen erarbeitet. Diese können vom Einsatz einfacher technischer Hilfsmittel, die über eine ärztliche Verordnung oder Empfehlung durch einen Pflegedienst erhältlich sind, bis hin zu baulichen Maßnahmen reichen.

Was bedeutet Wohnberatung?

Eine professionelle Wohnberatung zeichnet sich durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise der gesamten Wohnsituation aus, die neben den aktuellen, individuellen Bedürfnissen auch den möglichen weiteren Verlauf einer Krankheit berücksichtigt. So ist es bei chronisch-degenerativen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose sinnvoll, bei eventuellen Umbaumaßnahmen die Option einer Nachrüstung gleich mitzuplanen. Sofern notwendig, kann dann zu einem späteren Zeitpunkt einfach auf die neuen Bedürfnisse angepasst werden.

Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen wie auch Erleichterungen für helfende oder pflegende Personen. Über die verschiedenen Anpassungsmöglichkeiten hinaus sind zudem Finanzierungsmöglichkeiten oder andere Beratungs- und Unterstützungsangebote Gegenstand der Beratung.

Wo finde ich eine Wohnberatung?

In Baden-Württemberg wird die Wohnberatung von unterschiedliche Stellen getragen. Entsprechende Auskünfte können in der Regel die Gemeindeverwaltungen oder Pflegestützpunkte geben. Ergänzend dazu können die Onlinesuchen des 

genutzt werden, um eine Wohnberatungsstelle in der Nähe zu finden. Für das Stuttgarter Stadtgebiet ist die 

zuständig. Das Angebot dieser Stelle umfasst nicht nur Hausbesuche mit ausführlichem Beratungsbericht, sondern auch Führungen durch eine barrierefreie Musterwohnung sowie Vorträge- und Informationsveranstaltungen, um auf das Thema Barrierefreiheit aufmerksam zu machen. Darüber hinaus bietet das DRK Stuttgart jährlich eine Grundschulung für ehrenamtliche Wohnberaterinnen und Wohnberater in ganz Baden-Württemberg an, sowie verschiedene Fortbildungen für Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen.

Wohnumfeld optimieren

Viel Platz und keine Treppen oder Stolperschwellen: Diese Grundvoraussetzungen für eine barrierefreie Wohnung sind insbesondere in älteren Häusern häufig nicht gegeben. 
Hier ist das Ziel der Wohnberatung, die bestmögliche Anpassung zu erreichen.

Auch mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Wohnumfeld bereits optimieren: sei es durch eine hellere Beleuchtung, Nachtlichter mit Bewegungsmeldern, Fenstergriffverlängerungen, Aufstehhilfen, das geschickte Anordnen der Möbel oder Entfernen von Teppichen, um mehr Bewegungsfläche zu schaffen und Stolperfallen zu vermeiden. Auch Lösungen wie elektrisch gesteuerte Rollläden oder das Versetzen von Steckdosen für einen besseren Zugriff sind mit überschaubarem Aufwand umsetzbar.

Hauszugang

Beim Beratungstermin vor Ort gehen die Beraterinnen und Berater mit den Betroffenen nicht nur durch jedes Zimmer, sondern prüfen auch die Zugänge zu Haus, Wohnung und Garten oder Balkon. An dieser Stelle werden Treppen und hohe Schwellen oft zu fast unüberwindbaren Hindernissen. Abhängig von den baulichen Gegebenheiten kann beispielsweise mit Geländern, Handläufen, Rampen, Treppensitzliften oder Hilfsmitteln die Situation erleichtert werden.

Bad und WC

Ein weiterer Schwerpunkt der Beratung sind Räume wie Bad und WC. Diese sind häufig zu eng und nicht optimal ausgestattet. Es geht vor allem darum, die Nutzung zu erleichtern und Sturzrisiken zu minimieren. Dazu gehört der Austausch der Badewanne mit hohem Einstieg gegen eine möglichst bodengleiche, mit Haltemöglichkeiten versehene Dusche. Sinnvoll ist unter anderem ein Duschvorhang als Spritzschutz, da dieser die Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. Außerdem sollte ein stabiler Duschhocker oder Duschstuhl Platz finden oder die Befahrbarkeit mit einem (Dusch-) Rollstuhl gegeben sein.

Waschtische wiederum können durch unterfahrbare Modelle ersetzt werden und bei WC-Keramiken leisten Haltegriffe oder eine Sitzerhöhung gute Dienste.

Bewegungsfläche

Sind Rollator oder Rollstuhl im Einsatz sollte darüber hinaus – und nicht nur im Bad – möglichst viel Bewegungsfläche geschaffen werden. Nach DIN 18040-2 R, der Norm für Barrierefreiheit (vollständig rollstuhlgerechte Wohnungen), beträgt diese 120 x 120 cm für Rollatoren und 150 x 150 cm für Rollstühle. Als lichte Durchgangsbreite für Türen sind 80 bzw. 90 cm das ideale Maß.

Bei nach innen aufschlagenden Türen kann der Anschlag nach außen versetzt werden, sofern baulich möglich. Nach außen aufschlagende Türen oder Schiebetüren haben den Vorteil, dass der Zugang zu den Räumen frei ist. Bei einem Sturz, vor allem in beengten Räumen, kann der Körper die Tür nicht versperren. Im Zuge der Türanpassung kann gegebenenfalls auch die Durchgangsbreite vergrößert werden.

Küche

Soll eine Küche angepasst werden, sind neben ausreichend Bewegungs- und Rangierfläche sowie unterfahrbaren Arbeitsbereichen zudem eine möglichst optimale Anordnung der Kücheneinbauten gemäß der Arbeitsabläufe wichtig. So sollten Kochfeld, Spüle sowie Kühlschrank möglichst nah beieinander liegen. Überdies muss genug Stauraum vorgesehen werden, der gut zugänglich ist. Bei allen Einbauten wie auch Geräten muss die Nutz- und Bedienbarkeit entsprechend der spezifischen Bedürfnisse sichergestellt werden, zum Beispiel durch die Anpassung an die individuelle Arbeitshöhe oder an Kraft und Bewegungsradius der Arme/ Hände. Der Bodenbelag sollte rutschhemmend und gegebenenfalls rollstuhlgerecht sein.

Wird die Küche neu eingerichtet, können manuell oder elektrisch absenkbare Kochfelder, Spülen und Arbeitsplatten, Oberschränke mit Liftsystemen sowie Unterschränke mit Schubladenauszügen oder Apothekerschränke, die den Zugriff auf die Inhalte erleichtern, direkt in die Planung integriert werden.

Text: Wohnberatungsstelle Stuttgart, DRK-Kreisverband Stuttgart e.V.
Quelle: DRK-Kreisverband Stuttgart e.V.