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Pflegende Angehörige unter hohem Druck

Wer Angehörige pflegt, ist häufig besonderen Stressbelastungen ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Techniker Krankenkasse (TK) in einer Studie zur Stresslage der Nation. Auch Angehörige von Menschen mit Multipler Sklerose leiden unter diesem Druck.

Etwa 70 Prozent der pflegenden Angehörigen fühlen sich gestresst. Und fast 40 Prozent sind unter Dauerdruck. Dies ist beinahe doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Auch die Werte hinsichtlich Gesundheit und persönlicher Zufriedenheit der Pflegepersonen sind deutlich schlechter als in der übrigen Bevölkerung. 66 Prozent leiden unter Rückenschmerzen, fast jeden Zweiten plagen Schlafstörungen und 41 Prozent fühlen sich nervös und gereizt. 40 Prozent fühlen sich erschöpft und ausgebrannt und jeder Vierte hatte in den letzten drei Jahren seelische Störungen.

Verstärkt wird die Belastung häufig noch durch eine Berufstätigkeit der Pflegeperson. Dann fällt es oft besonders schwer eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu finden.

Für viele ist die Pflege von Angehörigen eine Herzensangelegenheit. Die Studie zeigt aber, dass die Gefahr sehr groß ist, sich dabei selbst zu überfordern. Dies ist dann häufig nicht nur ein Problem für die Pflegeperson sondern auch für den Pflegebedürftigen, da die Beziehung und die häusliche Lebensqualität darunter leiden können. Mittel- und langfristig besteht sogar die Gefahr, dass bei dauerhafter Überforderung die Pflegeperson ganz ausfällt und eine Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist.

Deshalb ist es im gemeinsamen Interesse von Pflegendem und Pflegebedürftigem, dass die Belastung durch die Pflege in einem angemessenen Rahmen gehalten wird. Dies geht nur, wenn die Pflegeperson auch auf sich selbst und die eigenen Ressourcen achtet. Sich selbst genau so wichtig zu nehmen wie den Pflegebedürftigen und eigene Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren fällt erfahrungsgemäß vielen schwer. Sollte aber selbstverständlich sein. Denn auch eine pflegerische Beziehung ist keine Einbahnstraße des Nehmens, sondern ist auch mit der Anforderung an den Pflegebedürftigen verbunden die pflegerische Situation unter Rücksichtnahme auf den Partner verantwortlich mitzugestalten.

Hilfe auch für pflegende Angehörige

Die AMSEL versucht pflegende Angehörige von Menschen mit Multipler Sklerose bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe in vielfältiger Weise zu unterstützen. Persönliche Beratung gibt es unter 071/69786-30. Zwei Ratgeber hat AMSEL e.V. zu diesem Thema erstellt. Für Mitglieder sind sie kostenfrei:

"Gemeinsam stark" - Dieser Ratgeber richtet sich speziell an Angehörige von MS-Betroffenen.
"Pflege bei MS - Lebensqualität für Erkrankte und Betreuer" - Pflegende wie zu Pflegende sind die Zielgruppe dieses Ratgebers.

Neben dem individuellen Beratungsangebot zur häuslichen Pflege und den Ratgebern gibt es im Jahresprogramm zahlreiche Veranstaltungen rund um die Pflege. So etwa ein Erholungswochenende für pflegende Angehörige und Partner, ein Pflegeintensivseminar oder ein Kinaesthetics-Seminar. Auch Paarseminare und Entspannungsangebote können mit dazu beitragen die häusliche Pflegesituation besser zu bewältigen. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Jahresprogramm 2014.

Quelle: Stress-Studie der TK; Dezember 2013
Autor: Jürgen Heller

Redaktion: AMSEL e.V., 27.01.2014