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Körperliche Aktivität ist jede durch Muskulatur erzeugte Bewegung, in deren Folge der Energieverbrauch des Körpers deutlich ansteigt. Das kann in allen Lebensbereichen erfolgen, also im Beruf, im Haushalt, im Garten, unterwegs, in der Freizeit oder beim Sport.

Ob Treppensteigen, der Gang zur Bushaltestelle oder das Zupfen von Unkraut – mit jeder dieser Bewegungen tun Sie bereits etwas für Ihre Gesundheit. Sport bezeichnet im deutschsprachigen Raum eine körperliche Aktivität mit dem Ziel, die Gesundheit zu fördern, sich zu erholen oder die Freizeit zu gestalten. Auch die Aspekte Leistung und Wettkampf spielen eine Rolle – dies muss aber gar nicht sein. Sie können aus einer Fülle von Sportarten wählen, um einem oder mehreren dieser Ziele näher zu kommen.

  • Jeder Mensch profitiert von regelmäßiger Bewegung, denn sie senkt das Risiko für die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rückenschmerzen und steigert allgemein das körperliche und seelische Wohlbefinden. Sport stabilisiert und erhöht die Leistungsfähigkeit. Das gilt auch für MS-Kranke. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass Sport bei MS die Muskelkraft verbessert, eine positive Wirkung auf das Gleichgewicht hat und Fatigue reduzieren kann. 

    Menschen mit MS, die Sport treiben, bewältigen wahrscheinlich ihre Krankheit besser. Die zunehmende körperliche Fitness kann die Mobilität steigern und Folgeerkrankungen wie Osteoporose und Depressionen verrringern. MS-Kranke müssen keine Sorge haben, dass Sport Krankheitsschübe auslöst. Studien haben gezeigt, dass kein Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität - gleich welchem Ausmaßes - und der Schubrate besteht.

  • Das individuelle Maß an körperlicher Aktivität gibt Aufschluss über das Gesundheitsverhalten und den Alltag eines Menschen. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie MS ist es eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung der körperlichen Funktionsfähigkeit und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deshalb ist es von Bedeutung, körperliche Aktivität zuverlässig zu messen. 

    Zwei Methoden bieten sich dafür an. Die subjektive Messung wird häufig in Studien angewandt. Mit Hilfe von Fragebögen oder Bewegungstagebüchern werden verschiedene Bereiche körperlicher Aktivität abgefragt. Aufgrund der persönlichen Einschätzung der Befragten ist diese Methode allerdings recht fehleranfällig.

    Zuverlässigere Messdaten liefert die objektive Messung mit dem Schrittzähler (Pedometer) oder dem Beschleunigungsmesser (Akzelerometer). Der Schrittzähler misst die genaue Schrittzahl zum Beispiel eines Tages. Er gibt jedoch wenig Aufschluss über die Intensität der Bewegungsaktivitäten oder den damit verbundenen Energieverbrauch. Hier leistet der Beschleunigungsmesser gute Dienste, indem er über mehrere Tage alle Bewegungsepisoden mit genauer Zeitangabe und Intensität erfasst. Eine Erfassung der körperlichen Aktivität ist auch mit Smartphones möglich. Apps können mittels der eingebauten Beschleunigungssensoren Schritte erkennen, auswerten und auch grafisch darstellen. Dies kann eine wertvolle Hilfe sein, das eigene Aktivitätsverhalten einzuschätzen. 

  • Multiple Sklerose-Erkrankte können durch Sport nur gewinnen, denn die positiven Effekte auf den Körper und die Psyche sind vielfältig und wissenschaftlich erwiesen. Sport wirkt – auch bei MS. Er 

    • erhöht die Durchblutung des Gehirns,
    • weitet die Blutgefäße und kräftigt den Herzmuskel,
    • strafft die Muskeln,
    • regt die Fettverbrennung an,
    • erhöht die Mobilität und stärkt das Gleichgewicht,
    • kann langfristig funktionalem Abbau vorbeugen,
    • wirkt positiv auf die Fatigue,
    • hilft, Stress abzubauen,
    • verbessert die Lebensqualität,
    • mindert Depressionen,
    • steigert Selbstvertrauen in körperliche Fähigkeiten,
    • fördert soziale Kontakte.

Der Zusammenhang zwischen MS und Sport

Warum wurde Menschen mit Multipler Sklerose lange von Sport abgeraten? Früher erhielten MS-Erkrankte häufig den Rat, sich zu schonen und bekamen Bettruhe statt Bewegung verordnet. Die Mediziner waren damals der Meinung, dass sich körperliche Erschöpfung negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken würde.

Grund dafür ist vermutlich, dass sich MS-Symptome bei erhöhter Körpertemperatur vorübergehend verschlimmern können. Diese Beobachtung führte häufig dazu, dass MS-Erkrankten von Sport abgeraten wurde. Heute weiß man, dass die Symptome des Uhthoff-Phänomens – die sich meist innerhalb von 30 Minuten bis circa zwei Stunden wieder zurückbilden – letztlich ungefährlich sind. Sie sind zwar lästig, aber kein Grund auf die positiven Effekte von Sport zu verzichten. Bei entsprechenden allgemeinen gesundheitlichen Voraussetzungen wie einem stabilen Herz-Kreislauf-System, guter Lungenfunktion und orthopädischer Gesundheit, können Menschen mit MS sich vielfältig körperlich belasten und Sport treiben – selbstverständlich sollte dabei immer die individuelle Symptomatik berücksichtigt werden.

  • Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen zeigen, dass die gesundheitlichen Wirkungen von Bewegung und Training bei Multipler Sklerose gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Sie sollten fester Bestandteil des Alltags jedes MS-Erkrankten sein, nicht zuletzt, weil sie auch Wohlbefinden und Selbstvertrauen steigern und Depressionen mildern beziehungsweise vorbeugen können. Diese Effekte helfen auch bei der Krankheitsbewältigung.

    Erlanger StudieMS-int@kt 

    Diese Studie (internetbetreute Aktivierung zu körperlichem Training bei Personen mit Multipler Sklerose) lief von 2009 bis 2011 am Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen und am Caritas- Krankenhaus Bad Mergentheim. Unter der Federführung von Dr. Alexander Tallner und Prof. Dr. med. Mathias Mäurer nahmen 126 Personen mit MS daran teil. Die Hälfte von ihnen trainierte sechs Monate nach dem Internet-Trainingsprogramm „e-Training“, die andere Hälfte nur die letzten drei Monate. Das erste Ergebnis nach drei Monaten dokumentierte bei der aktiven Gruppe eine deutliche Verbesserung unter anderem bei Beinkraft und Lungenfunktion. Die Teilnehmerbefragung nach sechs Monaten zeigte eine positivere Einstellung zu körperlicher Aktivität und den Wunsch, sportlich aktiv zu bleiben. 

  • Immer mehr Studien haben die Folgen regelmäßiger Bewegung für MS-Erkrankte systematisch untersucht. Mit dem Der Grundton: Sport hat einen positiven Einfluss auf Multiple Sklerose-Symptome, und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Es besteht weiterer Forschungsbedarf, um den Zusammenhang zwischen Bewegung und ihrer Wirkung auf die Multiple Sklerose fundierter zu belegen. Der Tenor wissenschaftlicher Untersuchungen weist jedoch bereits deutlich auf die Wirksamkeit von Sport und Bewegung bei Menschen mit MS hin. So zeigt eine Zusammenfassung mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen von Erin M. Snook und weiteren Autoren, dass regelmäßiges Training mit einer Verbesserung der Gehfähigkeit einhergeht und zwar in einem Maße, das in etwa der Effektivität einer medikamentösen Therapie entspricht. In mehreren Studien erreichten die Teilnehmer durch Training eine deutliche Verbesserung bei Ausdauer, Leistungsfähigkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht, Mobilität, Fatigue, Gesundheitswahrnehmung und Lebensqualität. Auch Depressionen, ein häufiges Begleitsymptom der MS, wirkt Sport erfolgreich entgegen. Es bestehen sogar erste Anhaltspunkte, dass körperliche Aktivität bei MS-Patienten die Bildung von Nervenzellen (Neurogenese) unterstützt und Lernprozesse im Zentralen Nervensystem fördert. So wurde in einer Studie entdeckt, dass körperliche Fitness dazu beiträgt, die kognitiven Fähigkeiten bei MS-Erkrankten zu erhalten. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass durch Training bei MS vermehrt entzündungshemmende Botenstoffe produziert werden, die wiederum die Krankheitsaktivität mildern. könnten. Diese – sehr verlockenden – Schlussfolgerungen sind allerdings (noch) spekulativ.

    • Versuchen Sie, sich insgesamt mindestens 20 bis 60 Minuten pro Tag zu bewegen, entweder als komplette Sporteinheit oder in über den Tag verteilten Bewegungssequenzen von je 8 bis 10 Minuten.
    • Halten Sie die Intensität Ihrer Aktivität moderat und überanstrengen Sie sich nicht.
    • Führen Sie das Training regelmäßig und über einen längeren Zeitraum durch. Bereits acht Wochen Pause machen die zuvor erreichten Erfolge zunichte.

Worauf müssen Menschen mit MS beim Sport achten?

Persönliche Fitness und sportliche Vorerfahrung variieren stark von Mensch zu Mensch, deshalb lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zur empfohlenen Trainingsintensität machen.

  • Generell gilt, dass Training nicht erschöpfend sein muss, um zu wirken! Vor allem beim Ausdauertraining ist die Herzfrequenz eine gute Möglichkeit, die Belastung zu steuern. Wenn Sie keine Pulsuhr benutzen, können Sie die Intensität Ihres Trainings anhand Ihres Gefühls bestimmen. Das klingt ungenau, erzielt aber erstaunlich gute Ergebnisse.

    Die Borg-Skala von 6 bis 20 misst den individuell empfundenen Grad der Anstrengung beim Ausdauertraining oder auch Krafttraining. Sie schätzen Ihren persönlichen Wert auf der Skala ein, nehmen diesen mal zehn und erhalten die ungefähre aktuelle Herzfrequenz. Die optimale Belastung liegt zwischen 11 und 15. Das heißt, wenn die sportliche Aktivität als "etwas anstrengend" empfunden wird, reicht das aus, um positive Trainingseffekte zu erzielen. Wer möchte, kann auch einzelne Trainingseinheiten bei einer höheren Intensität trainieren – es schadet nicht, gelegentlich an seine Grenzen zu gehen. Wichtig zu wissen: MS-Erkrankte können aufgrund einer Multiple Sklerose-typischen Fatigue schneller ermüden, als es der Anstieg der Herzfrequenz vermuten ließe. Deshalb sollte das individuelle Empfinden immer Vorrang vor den Messergebnissen haben.

    Bestimmte Situationen erfordern allerdings Zurückhaltung: Kein Sport während einer akuten Infektion – das gilt für Menschen mit und ohne MS. Erst nach Rückgang der akuten Symptome sollte das Training wieder aufgegriffen werden. Während eines akuten Schubes sollte die Aktivität zurückgeschraubt werden, zumindest solange Kortison verabreicht wird.

  • Nach aktuellem Kenntnisstand erzielen MS-Erkrankte die besten Erfolge für ihre Lebensqualität mit einem ausgewogenen Mix aus Ausdauer- und Kräftigungstraining. Wer seine Ausdauer trainiert, erhöht die Fähigkeit des Körpers, über einen längeren Zeitraum Leistung zu erbringen. Empfehlenswert sind dabei zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche über mindestens zwölf Wochen. Die Trainingsdauer sollte jeweils 10 bis 40 Minuten betragen. Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrem Trainingsempfinden überwiegend im mittleren Bereich der Borg-Skala bleiben und dass Sie sich während des Trainings unterhalten können, ohne außer Atem zu kommen. Starten Sie mit geringer Intensität und steigern Sie zunächst nur Häufigkeit und Dauer.

    Mit einem ausgewogenen Krafttraining können MS-Erkrankte frühzeitigen Ermüdungserscheinungen der Muskulatur und damit Haltungsschäden und Gelenkinstabilität im Alltag vorbeugen. Ob im Fitnessstudio, beim Aquatraining oder durch gymnastische Übungen – achten Sie darauf, dass Sie vorzugsweise die im Alltag benötigte Muskulatur trainieren (Oberschenkel, Rumpf, Arme). Als Faustregel gilt: jeweils 8 bis 15 Wiederholungen, zwei bis drei Serien und zwei bis vier Minuten Pause zwischen den Serien. Planen Sie möglichst zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche ein. Die positiven psychischen Wirkungen (Wohlbefinden, gutes, aktiviertes Gefühl nach dem Training) sind schon nach wenigen Trainingseinheiten spürbar, wenn Sie die richtige Trainingsintensität
    gefunden haben. Nach vier Wochen sind erste Verbesserungen bei Kraft und/oder Ausdauer zu spüren. Bereits nach zwölf Wochen stellen sich meist deutliche Erfolge ein, die sich auch bei der Bewältigung des Alltags bemerkbar machen sollten. Um diese positiven Effekte zu erhalten, muss regelmäßig und dauerhaft trainiert werden.

  • Genau wie gesunde Menschen, die bisher nicht regelmäßig körperlich aktiv waren, sollten auch MS-Erkrankte vor dem Training ihren behandelnden Arzt und gegebenenfalls ihren Physiotherapeuten zu Rate ziehen. Neben dem individuellen Krankheitsbild spielen eventuelle Begleiterscheinungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus eine Rolle, wenn der Arzt die Sporteignung feststellt. Liegen keine gravierenden Einschränkungen vor, können sich Menschen mit MS genauso sportlich belasten wie Menschen ohne MS.

  • Erhöht sich beim Sport die Körpertemperatur, kann es zu einer vorübergehenden Verschlechterung bereits bestehender neurologischer Symptome kommen. Die Betroffenen fühlen sich stark erschöpft,Lähmungen, Spastik und Sehverschlechterungen können zunehmen. Diese Symptome sind jedoch vorübergehend und bilden sich nach einem Absenken der Temperatur wieder zurück. Häufig genügt bereits eine kalte Dusche, um die Körperwärme auf ein Normalmaß zu reduzieren.

    • Beginnen Sie mit leichten und einfachen Bewegungs- und Trainingsformen.
    • Stellen Sie sicher, dass Sie bei auftretenden Symptomen sofort reagieren können und das Training jederzeit unterbrechen beziehungsweise die Intensität verringern können.
    • Schätzen Sie vor jeder Trainingseinheit Ihr aktuelles Empfinden ein und wählen Sie eine angemessene Trainingsintensität (siehe Borg-Skala).
    • Steigern Sie zuerst die Dauer einer Aktivität, dann die Häufigkeit, danach erst die Intensität.
    • Provozieren Sie keine zu starke Ermüdung und hören Sie gut auf die Signale Ihres Körpers.
    • Tragen Sie angemessene Kleidung, trainieren Sie nicht in der Mittagshitze und halten Sie Möglichkeiten zur Kühlung bereit.
    • Gleichen Sie Ihren Flüssigkeitsverlust aus.

Wie Sie die geeignete Sportart für sich finden

Wer keine Symptome hat, dem stehen im Prinzip alle Sportarten offen und selbst bei zunehmenden Beschwerden oder fortschreitendem Behinderungsgrad lassen sich viele Sportarten den geänderten Möglichkeiten anpassen. Geben Sie deshalb Ihren geliebten Sport nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten auf.

  • In bestimmten Phasen der Erkrankung kann es erforderlich sein, Alternativen zum herkömmlichen Training zu suchen oder sich bestimmter Hilfsmittel zu bedienen. So gibt zum Beispiel ein Dreirad mehr Halt als ein normales Fahrrad, und eine Fußheberorthese aktiviert die Füße beim Laufen. Bei der Wahl einer geeigneten neuen Sportart spielen die körperliche Situation, Leistungsfähigkeit und der Behinderungsgrad eine wichtige Rolle. Das Ausmaß der Behinderung ist bei MS-Erkrankten sehr unterschiedlich – es reicht von beschwerdefrei bis bettlägerig. Aus den individuellen Einschränkungen leiten sich das Maß und die Art der sportlichen Betätigung ab. So können kognitive Störungen schnell zu einer Überforderung bei komplexen, technisch anspruchsvollen Sportarten führen und das Verletzungsrisiko erhöhen.

    Wer Sehstörungen und Einschränkungen beim räumlichen Sehen hat, sollte keine schnellen Ballsportarten wählen. Bergsteigen oder Schlittschuhlaufen sind für MS-Erkrankte mit Gleichgewichtsstörungen eher ungeeignet.

  • Besteht die Möglichkeit, sich von einem Sporttherapeuten betreuen zu lassen, kann das sehr hilfreich sein. Er stellt ein individuelles Programm zusammen, das Symptomatik und Ausprägung der MS, vorherige sportliche Erfahrung sowie Motivation berücksichtigt. Der Trainingsplan sollte Ausdauer- und Krafttraining sowie Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen enthalten und von Zeit zu Zeit angepasst und verändert werden, um weiterhin optimal wirksame Trainingsreize für den Körper zu setzen. Ist kein Sporttherapeut vorhanden, gilt: einfach ausprobieren! Nichts spricht dagegen, ein Fitnessstudio zu besichtigen und nach der Qualifikation der Trainer zu fragen. Vielleicht kaufen Sie sich Nordic Walking Stöcke und laufen einfach los oder Sie legen eine Yoga-CD ein und probieren ein paar Übungen daheim. Wichtig dabei ist, ohne Scheu und Druck an die Sache heranzugehen und sachte zu beginnen.

  • Nur Sport, den man mit Freude betreibt, motiviert und ist langfristig sinnvoll. Deshalb sollten Sie sich am Anfang einige Fragen stellen und ehrlich beantworten: Geht es Ihnen allein um körperliche Ertüchtigung oder wollen Sie Ihren physiotherapeutischen Behandlungsplan ergänzen? Möchten Sie soziale Kontakte knüpfen? Welchen sportlichen Herausforderungen möchten Sie sich stellen? Welcher Sport hätte Ihnen auch vor der Erkrankung Freude gemacht? Suchen Sie sich eine Trainingsform heraus, die Ihren persönlichen Vorlieben und Ihrem Charakter entspricht: allein oder in der Gruppe, mit oder ohne Musik, in der Natur oder lieber in der Halle, Spannung oder Entspannung, im Wasser, zu Lande, in der Luft. Auch praktische Fragen sollten geklärt sein: Können Sie die Sportstätte alleine erreichen? Ist – zum Beispiel bei Blasen- und Darmstörungen – das sanitäre Angebot ausreichend? Sind im Sommer die Hallen klimatisiert oder der Außenplatz beschattet? Wer sich wohler fühlt, wenn er sich mit Menschen, die auch die Diagnose Multiple Sklerose haben, zusammen sportlich betätigt, erhält bei der AMSEL Informationen über Angebote der regionalen Gruppen. Über den Deutschen Behindertensportverband oder den Deutschen Rollstuhl-Sportverband können MS-Erkrankte sich hinsichtlich besonderer Trainingsmöglichkeiten informieren.

    • Aktivierung und Freude
    • Wohlbefinden
    • Fitness und Gesundheit
    • Figur und Aussehen
    • Leistung und Wettkampf
    • Ablenkung und Stressabbau
    • Selbstsicherheit
    • sozialer Kontakt

Wie werde und bleibe ich aktiv?

Mehr Bewegung oder ein neuer Sport bedeuten immer auch eine Verhaltensänderung. Damit diese von Dauer ist und nicht – wie so mancher Neujahrsvorsatz – nach wenigen Wochen wieder verpufft, sollten Sie sich ein paar Strategien zurechtlegen. Denn leider ist die Wirkung von Sport nur kurzfristig.

  • Moderne Kommunikationstechnologien wie das Internet bieten zusätzliche Möglichkeiten für ein ökonomisches und individuelles Training. Vom internetbetreuten Bewegungsprogramm über Spielkonsolen bis hin zu Smartphone Apps – zahlreiche Angebote helfen, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern, Bewegung in den Alltag zu bringen, diese zu erfassen und auszuwerten. 

    Spielkonsolen und aktive Videospiele können eine gute Alternative sein, um sich daheim zu bewegen. Übungen für Gleichgewicht und Haltung, Reaktionsspiele und Fitnessprogramme lassen sich ohne viel Aufwand im Wohnzimmer vor dem Fernseher ausführen, auch mit Freunden und Familie in geselliger Runde.

    Wer ein Smartphone hat, profitiert von einer Fülle an Apps, die sportliche Betätigung unterstützen oder begleiten. Bei allen Anwendungen gilt: ausprobieren! Sicherlich ersetzen die modernen Techniken nicht die Effekte von Sport im Verein mit anderen, aber sie sind eine gute Ergänzung, um den Alltag sportlicher zu gestalten.

    • Trinken Sie so viel wie möglich, aber vermeiden Sie Kaffee und Alkohol.
    • Kühlen Sie Ihren Körper vor und nach dem Sport mit Wasser (Dusche, Eiswürfel, feuchtes Tuch).
    • Verlegen Sie Sport im Sommer auf morgens oder abends und bedecken Sie in der Sonne den Kopf.
    • Nutzen Sie spezielle Kühlelemente wie Kühlwesten, Kühlhosen, Stirn- und Nackenbänder.
    • Tragen Sie leichte und durchlässige Funktionskleidung.
    • Achten Sie auf eine gute Klimatisierung in geschlossenen Trainingsräumen.
  • Studien zeigen, dass die Erfolge eines achtwöchigen Trainings nach weiteren acht Wochen Trainingspause komplett verschwunden sind. Ein erster Schritt, um am Ball zu bleiben, ist die Selbstbeobachtung. Fragen Sie sich: "Wo kann ich noch mehr Bewegung in meinen Alltag integrieren?" und "Wie schaffe ich mir Freiräume fürs Training?" Weisen Sie dem Sport eine gewisse Wertigkeit zu und planen Sie ihn fest in die täglichen Abläufe mit ein.

  • Das A und O bei der Planung sind realistische Ziele, die sich mit vertretbarem Zeitaufwand in den Alltag integrieren lassen. Es motiviert zusätzlich, wenn Sie sich kurz-, mittel- und langfristige Ziele setzen, die messbar sind, so dass Sie diese in bestimmten Abständen überprüfen können. Das kann zum Beispiel eine festgelegte Strecke sein, die Sie gerne am Stück laufen möchten oder eine Schrittkombination, die Sie beim Tanzen erlernen wollen. Formulieren Sie feste Absichten: Was wollen Sie wann, wo, wie genau und mit wem verwirklichen?

  • Mit Hilfe eines Sporttagebuchs können Sie Ihre individuellen und tatsächlichen Belastungsgrenzen leichter erkennen und beurteilen. Für jeden Tag tragen Sie Ihre sportlichen Aktivitäten mit der jeweiligen Dauer und dem daraus resultierenden Befinden ein. So können Sie mit der Zeit ablesen, welche Sportarten oder Übungen am besten zu Ihnen passen oder welche Sie besonders gut vertragen.

  • Es ist hilfreich, schon im Vorfeld potenzielle Hindernisse einzuplanen und zu überlegen, wie man darauf am besten reagiert. Das heißt, dass Sie auch an Tagen mit schlechter Verfassung trainieren können und dann eventuell das Programm entsprechend anpassen (zum Beispiel mehr Beweglichkeit und Entspannung trainieren statt Ausdauer). Bei zunehmender Erschöpfung im Laufe des Tages planen Sie Ihr Training besser vormittags statt nachmittags ein.

    Wenn Sie mit anderen gemeinsam Sport treiben, sollten Sie überlegen, ob Sie Trainer und Verein über Ihre Erkrankung informieren möchten. Das kann Sie zum einen vor überzogenen Erwartungen schützen, zum anderen können die Trainingspartner im Bedarfsfall besser auf Sie und mögliche Symptome eingehen. Wichtig ist, Sorgen und Probleme offen anzusprechen. In den meisten Fällen findet sich eine Kompromisslösung, mit der alle gut leben können. Vermeiden Sie einen sportlichen Vergleich mit gesunden Trainingspartnern, denn die Tagesform schwankt bei ihnen in der Regel weniger als bei MS-Erkrankten, und der Trainingserfolg entwickelt sich in anderem Maße. Lernen Sie – mehr noch als ein Gesunder – auf die Signale Ihres Körpers zu achten und machen Sie rechtzeitig Pausen. Denn: Selbstüberschätzung frustriert und geht mit Verletzungsgefahr einher. Wenn Sie draußen trainieren, machen Sie sich mit Funktionskleidung vom Wetter unabhängig – Regen kühlt! – und schützen Sie sich im Bedarfsfall vor Überhitzung. Bei allen sportlichen Aktivitäten gilt: Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht verunsichern. Ob Menschen mit oder ohne MS – wer vom Pferd fällt und wieder aufsteigt, gewinnt neues Selbstvertrauen.

Positive Effekte von Sport auf MS-Erkrankte und häufige Symptome

Es gibt vielfältige positive Effekte von Bewegung und Sport auf Symptome der MS. 

  • Die abnorme Ermüdbarkeit und Erschöpfung bei körperlicher oder geistiger Aktivität ist eines der MS-Symptome, das die Lebensqualität dauerhaft und deutlich beeinträchtigt. Von Fatigue Betroffene müssen gegebenenfalls ausreichende Pausen in ihren Alltag einbauen, sollten sich aber auch körperlich betätigen! Bewegungsmangel führt dazu, dass sich die Fatigue verschlechtert. Wichtig ist die Erkenntnis, dass eine leichte "Ermüdung" beim Training durchaus gewollt und notwendig ist, um Trainingserfolge zu erreichen. Das Aufraffen zum Sport wirkt also der Fatigue entgegen! Wie im Alltag sollten Sie allerdings auch beim Sport Pausen machen. Dann können Sie in der Summe mehr leisten und müssen sich nicht verausgaben. Hilfreich ist eine sportliche Betätigung, die in ihrer Intensität die eventuell verminderte Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Mit regelmäßigem Ausdauertraining verbessern Sie Ihre maximale Sauerstoffaufnahme und die Lungenfunktion und damit deutlich Ihr subjektives Wohlbefinden. Der Aufenthalt an der frischen Luft unterstützt das noch zusätzlich. Geeignet sind Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren; aber auch Kräftigungstraining hilft gegen die Fatigue.

  • Durch entzündliche Läsionen im motorischen System haben Menschen mit MS oft eine reduzierte Maximalkraft, Kraftausdauer oder Schnellkraft. Betroffen sind häufig die unteren Extremitäten. Das Problem besteht oft darin, dass der Kraftverlust zu Bewegungsarmut und damit zu weiterem Muskelabbau führt – auf diese Weise treten MS-Erkrankte oft in einen Teufelskreis ein. Lassen Sie sich daher nicht entmutigen, sondern beginnen Sie mit einem leichten Kräftigungstraining, zum Beispiel Gerätetraining im Fitnessstudio oder auch gymnastischen Übungen zu Hause. Wenn Sie dies regelmäßig durchführen, hilft es, Kraft aufzubauen und zu erhalten und so dem Teufelskreis zu entkommen.

  • MS-Erkrankte, die von Ataxie betroffen sind, leiden unter Störungen der Bewegungskoordination, zum Beispiel beim Gehen, Schreiben oder Essen. Sie taumeln, schwanken oder haben Schwindelgefühle. Aus Angst oder Scham vermeiden viele MS-Erkrankte dann zunehmend, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Hier hilft es, bewusst rhythmische und langsame Bewegungen zu trainieren. Bewegungslehren wie Tai Chi, Yoga oder Qi Gong leisten dazu gute Dienste. Lassen Sie sich von Ihrem Physiotherapeuten oder Trainer Übungen für Koordination und Gleichgewicht zeigen, die darauf abzielen, den Körperschwerpunkt bewusst zu verlagern und zu kontrollieren. Auch Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können helfen, die Beschwerden zu mildern.

  • Wer regelmäßig Sport treibt, kennt das Phänomen: Es fällt oft schwer, sich zum Training aufzuraffen. Allzu verlockend scheint der Abend auf dem Sofa. Aber nach dem Sport fühlt man sich gut und freut sich über die positiven Effekte. Regelmäßige Bewegung steigert das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie werden merken, dass Sie Stress leichter verarbeiten und besser mit den Schwierigkeiten des Alltags umgehen können. Sport macht Spaß, fördert die gute Laune und stärkt die Vitalität.

  • MS-Erkrankte – vor allem jene mit stärkerer Symptomatik – ziehen sich häufig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Das beeinträchtigt die Lebensqualität und verstärkt psychische Symptome wie zum Beispiel Depressionen. Wer Sport treibt, orientiert sich wieder nach außen. Gerade beim Sport in der Gruppe können MS-Erkrankte neue Kontakte knüpfen. Der Spaß am gemeinsamen Tun steht im Vordergrund und die Unterstützung durch andere motiviert. Wenn Sie mit anderen Menschen ein gemeinsames Hobby teilen, nehmen Sie am gesellschaftlichen Leben teil. Ob im Sportverein, mit Freunden, in der Rollstuhlsportgruppe oder im Club: Gemeinsame Bewegung macht glücklich!

  • Spastik beschreibt den Zustand eines erhöhten Muskeltonus aufgrund der Schädigung übergeordneter Kontrollzentren. Dieses Symptom der Multiplen Sklerose führt über die Versteifung der Muskulatur zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Sehnen und Muskeln können sich dauerhaft verkürzen. Passives und aktives Bewegen sowie bewusstes Stehen wirken diesem Umstand entgegen. Empfehlenswert sind vor allem Wassersport sowie geführte und unterstützte Bewegungen entweder mit Hilfe eines Therapeuten oder mit speziellen Geräten, sogenannten Bewegungstrainern. Diese motorisierten Ergometer ermöglichen ein passives Bewegen von Armen und Beinen. 

Vorstellung geeigneter Sportarten

Wir stellen hier eine Auswahl an Sportarten in alphabetischer Reihenfolge vor, skizzieren, was die Sportart ausmacht und die für Multiple Sklerose-Erkrankten wichtigen Aspekte.

  • Kanufahren ist ein facettenreicher Sport für Jung und Alt. Je nach Vorliebe und persönlichem Wohlbefinden kann man beim Paddeln das Naturerlebnis oder die sportliche Leistung in den Vordergrund stellen. Ob auf einem See, auf kleinen Flüssen, im Wildwasser oder auf dem Meer – vom Wasser aus eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf Landschaft und Umgebung. 
    Grundsätzlich wird beim Kanufahren zwischen zwei Bewegungsformen unterschieden: das gleichmäßige Paddeln mit einem Doppelpaddel im Kajak sowie das einseitige Paddeln mit dem Stechpaddel im Kanadier oder Drachenboot.

    Paddeln schult Gleichgewichtssinn sowie Koordination und trainiert vor allem die Rumpf- und Armmuskulatur. Durch die Wahl der entsprechenden Technik und des individuellen Tempos kann die Belastung relativ gut gesteuert werden. In Zweier- oder Mannschaftskanus wird Paddeln zu einem Gemeinschaftserlebnis.

    Für MS-Erkrankte, die sich in der freien Natur bewegen möchten, ist Kanufahren ein idealer Sport, da sie sich je nach Leistungsvermögen fit halten können. Durch die Schulung des Gleichgewichts und die rhythmischen Bewegungsabläufe können Symptome wie Spastik oder Ataxie abgeschwächt werden.

  • Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland halten sich mit dem Volkssport Nummer eins fit: dem Laufen. Sind die Sportschuhe geschnürt, geht es für viele Hobby-Sportler auf die Lieblingsstrecke im Wald oder um den See. Dabei werden neben dem Herz-Kreislauf-System auch die Ausdauer und die physische Leistung des Körpers trainiert. MS-Erkrankte berichten davon, dass Joggen ihnen geholfen hat, die Fatigue zu bekämpfen. Joggen auf Waldwegen ist abwechslungsreicher und gelenkschonender, aber durch etwaige Unebenheiten und Steine auch anspruchsvoller für das Gleichgewicht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf asphaltierten Wegen beginnen. Gemeinsames Joggen in Laufgruppen macht besonders viel Spaß und führt zu neuen Bekanntschaften.

  • Beim Reiten wird der ganze Körper aktiv, und der Reiter wirkt gezielt auf das Tier ein. Reiten kann als Freizeitsport oder Wettkampfsport betrieben werden. Am Besten erlernt man es in einem Verein mit ausgebildeten Reitlehrern. Reiten fördert Ausdauer, Muskelaufbau sowie Gleichgewichts- und Körpergefühl. Koordination, Balance und Konzentration sind dabei Kernqualitäten.

    Über den Pferderücken werden dreidimensionale Schwingungen auf den Reiter übertragen. Positiver Effekt: Die dabei entstehenden Impulse ermöglichen ein gezieltes Training der Halte- und Rumpfmuskulatur sowie die Regulierung der Muskelspannung. Menschen mit MS können durch Reiten ihr Gleichgewicht trainieren sowie ihre Ausdauer, ihre Beweglichkeit und ihre Koordination verbessern. Dies wiederum kann sich positiv auf ihre Symptomatik auswirken. Außerdem wird Reiten als therapeutische Sportart eingesetzt. Die Hippotherapie zum Beispiel ist eine Form der Physiotherapie, bei der der Patient auf dem Rücken des Pferdes von den Schwingungsimpulsen profitiert, ohne selbst aktiv zu werden.

  • Menschen mit MS, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, können sich sportlich ebenso engagieren wie jeder andere. Viele Sportarten lassen sich im Rollstuhl ausüben. Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband listet 28 Sportarten auf, in denen Rollstuhlnutzer aktiv werden können. Dazu gehören Sommer- und Wintersportarten, Kampf-, Wasser-, Ballsport und Trendsportarten wie Actionsport oder ChairSkating. Die Anforderungen
    sind dabei sehr unterschiedlich. Während zum Beispiel beim Bogenschießen Konzentration, Koordination und Oberkörperspannung wichtig sind, ist Rollstuhlbasketball körperlich und konditionell sehr fordernd und anstrengend.

    Ebenso wie bei Menschen, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, sollte die gewählte Sportart zur Persönlichkeit passen. Während der eine sich gerne rhythmisch bewegt, sucht der andere vielleicht eher den Wettkampf, das Spiel, Ausdauer oder Entspannung. Grundsätzlich kann jeder Rollstuhlfahrer Sport betreiben. Bei allen Sportarten gilt: Neben den spezifischen Bewegungen oder Fertigkeiten, die der Sportler für die Ausübung beherrschen muss, sollte er grundsätzlich den Körpereinsatz und die Mobilität im Rollstuhl trainieren. Dazu muss dieser optimal an den Nutzer angepasst sein. Für einige Sportarten wie Ballsport oder Leichtathletik gibt es spezielle Rollstühle, die zum Beispiel wenig Rollwiderstand haben oder besonders wendig und kurvensicher sind.

    Rollstuhlsport hat – auch besonders für MS-Erkrankte – viele positive Effekte. Er bietet ein effektives Muskeltraining an Armen, Rumpf, Bauch oder Rücken, steigert Kraft und Ausdauer und stärkt dadurch das Herz-Kreislauf-System. Das Miteinander im Verein oder der Gruppe hat einen positiven Einfluss auf die Psyche und fördert die Teilnahme am sozialen Leben – vor allem dort, wo Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam trainieren.

  • Es gibt kaum eine Sportart, die wie Rudern nahezu alle Muskelgruppen aktiviert. Rudern bietet einen idealen Mix aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining und kann sowohl als Individual- als auch als Mannschaftssport betrieben werden. Die Bootspalette reicht vom Einer bis zum Achter. Naturverbundene Wassersportler können zu fast jeder Jahreszeit Flüsse und Seen mit dem Boot erleben.

    Da der ganze Körper an der Bewegung beteiligt ist, ist Rudern auch für MS-Erkrankte ein empfehlenswerter Sport. Ein moderates Tempo gepaart mit geringem Krafteinsatz kann Überanstrengung verhindern. Ähnlich wie das Kanufahren, kann sich auch Rudern positiv auf Symptome wie Spastik, Ataxie und Muskelschwäche auswirken. Da Rudern ein geringes Verletzungsrisiko birgt und schonend alle Muskelgruppen beansprucht, eignet es sich auch für MS-Erkrankte mit geringem Fitnessgrad. Mit steigender Ausdauer können auch positive Auswirkungen auf eine MS-bedingte Fatigue zu spüren sein.

  • Beim Schwimmen ist das Wasser der Trainingspartner und ermöglicht eine Bewegung, die das Herz-Kreislauf- System anregt, ohne zu überfordern. Bewegungsabläufe können im Wasser aufgrund des Auftriebs einfacher trainiert werden. Schwimmen kräftigt Schultergürtel, Arm und Rumpfmuskulatur und kann Spastiken lockern. Es schont die Gelenke und trainiert Koordination und Ausdauer.

    Die unterschiedlichen Temperaturreize fördern Durchblutung und Stoffwechsel und stärken zusätzlich die Immunabwehr. Ob Brust-, Rücken, Kraul- oder Schmetterlingsstil – Schwimmen ist eine ideale Sportart für Menschen mit MS, denn die Bewegungen fallen im Wasser leichter als an Land, und das kühle Wasser verhindert das bei sportlicher Überhitzung häufig auftretende Uhthoff- Phänomen.

  • Zur Musik bewegen und die Freude am Rhythmus erleben und genießen – ob
    Standardtanz oder Lateinamerikanischer Tanz, Disco- Fox oder Squaredance: Tanzen ist Lebensfreude, auch mit MS. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System und der Rücken werden dabei gestärkt. Tanzen kräftigt die Muskulatur der Beine, Arme und Schultern und lockert den gesamten Körper. Das Erlernen von bestimmten Bewegungsabläufen fördert die Koordinationsfähigkeit und trainiert gleichzeitig die Gedächtnisleistung. Wenn Sie einen Partner haben, der nicht an MS erkrankt ist, können Sie beim Tanzen die Freude an gemeinsamer Aktivität ganz neu entdecken.

  • Zu den Teamballsportarten zählen unter anderem Volley-, Basket-, Hand- und auch Fußball. Sie zeichnen sich durch schnelle Richtungs- sowie Tempowechsel aus. Zudem sind Ausdauer, Koordination und eine sichere Körperbeherrschung wichtig. Der Teamballsport eignet sich daher eher für MS-Erkrankte, die weitestgehend symptomfrei sind. Durch regelmäßiges Training profitieren sie nicht nur von dem Erhalt ihrer motorischen Fähigkeiten, sondern tun gleichzeitig aktiv etwas für ihre Psyche. Das Ausdauertraining infolge der hohen Laufleistung hat nachweislich eine antidepressive Wirkung. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Mannschaft kann diesen Effekt verstärken, bringt neue soziale Kontakte mit sich und steigert so ein Stück weit die Lebensqualität.

  • Wer den hohen Anforderungen im Alltag und Beruf etwas entgegensetzen und Körper und Seele etwas Gutes tun möchte, könnte mit einer der folgenden Entspannungs- und Bewegungslehren auf dem richtigen Weg sein. So unterschiedlichen Ursprungs sie auch sind, haben sie doch einiges gemeinsam: Sie stärken das innere Gleichgewicht, erhöhen die Körperwahrnehmung und können MS-Symptome wie Spastik, Depressionen
    oder Fatigue lindern. Auf sanfte Weise fördern sie, ohne zu überfordern. Daher sind sie auch für Menschen mit stärkeren Einschränkungen geeignet. Jede Methode hat ihren eigenen Weg, um die Möglichkeiten des Körpers positiv zu beeinflussen sowie Beweglichkeit, Selbstvertrauen und Lebensfreude zu stärken. Das hilft, eigene Kraftquellen zu entdecken und mit den Schwierigkeiten des Alltags besser zurecht zu kommen. MS-Erkrankte, die sich für eines der Konzepte interessieren, sollten sich im Vorfeld gründlich darüber informieren und gegebenenfalls eine Probestunde nehmen, denn die Ansätze sind sehr vielfältig, mit eigener Ausprägung und unterschiedlichen Anforderungen an den Übenden.

    • Eutonie

    "Wohlspannung" heißt Eutonie übersetzt – eine Methode, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt und auf dem Wechselspiel zwischen Nervensystem, Skelett und Muskulatur basiert. Sie schult Körperbewusstsein, Bewegungsfähigkeit, Konzentration und das Gedächtnis. MS-Erkrankte lernen, die eigene Körperspannung flexibel der jeweiligen Situation anzupassen und optimale Bewegungsabläufe zu entwickeln.

    Eutonie beschreibt keine reine Entspannungsmethode, sondern eine die Spannung angleichende Vorgehensweise. Entwickelt und benannt wurde die Eutonie in den 50er Jahren von Gerda Alexander (1908-1994). 

    Bei der Eutonie nimmt der Übende seinen Körper im Kontakt zum Boden oder in langsamen und bewusssten Bewegungen wahr. Das Unterlegen von Tennisbällen, Kirschkernsäckchen oder Bambusstäben hilft, einzelne Körperteile gezielt wahrzunehmen und dabei Körperbewusstsein (ein zentraler Begriff in der Eutonie) zu entwickeln. Dabei wird die Durchblutung angeregt, der Stoffwechsel wird aktiviert und Verspannungen und Blockaden können sich sanft lösen. 

    Die Vorgehensweise wird dem Zustand des Übenden angepasst. Durch einfache Übungen kann die Eutonie Schritt für Schritt in das tägliche Tun integriert werden und somit zu einem gesundheitsgerechten Verhalten im Alltag beitragen. Eutonie ist für wenig und schwer beeiträchtigte Multiple Sklerose-Erkrankte geeignet. 

    • Feldenkrais

    Das ganzheitliche Bewegungskonzept lehrt die intensive Wahrnehmung von Körper und Geist. Es beinhaltet aktiv-passiv Übungen, die bei MS-Erkrankten die Bewegungsqualität verbessern können. Sie lernen, dem eigenen Körper zu vertrauen und seine Bewegung flexibel an die jeweilige Situation anzupassen. Feldenkrais fördert Stabilität und Aktivität durch eine verbesserte Körperwahrnehmung und eine ökonomische Bewegungsweise.

    Der Kernphysiker Moshe Feldenkrais (1904-1984) hat diese Methode begründet. Für ihn war Bewegung die Grundlage des Bewusstseins, der Atmung, sogar des Denkens und Empfindens.

    Für Multiple Sklerose-Kranke ist die Feldenkraismethode besonders geeignet, weil sie dabei meist im Liegen, ohne große Anstrengung, kleine Bewegungen durchführen. Sie spüren, wo ihre Bewegungen eingeschränkt, wo Muskeln angespannt sind und wo sich Gelenke nicht frei bewegen lassen. Sie lernen, ihren Körper besser wahrzunehmen, erkennen ungünstige Bewegungsmuster und lernen, wie sie diese durch neue Abläufe, die ergonomisch und geschmeidig sind, ersetzen können. Multiple Sklerose-Erkrankte verbessern so auf sanfte Art ihre Gang- und Standsicherheit sowie ihr Gleichgewicht und finden zuirer inneren Mitte. Feldenkrais wird als Einzelmethode oder Gruppenmethode angewandt.

    • Qigong

    Diese alte chinesische Meditations-, Konzentrationsund Bewegungsform fördert und erhält Gesundheit und Wohlbefinden. Qigong erweitert die Beweglichkeit, wirkt positiv auf die Stimmung, erhöht die körperliche Aufmerksamkeit und hilft, den Alltag gelassener zu bewältigen.
    Qigong-Übungen sind eine harmonische Verbindung von Atem, Vorstellungskraft und Bewegung, mit dem Ziel, die Lebensenergie Qi zu aktivieren.

    • Tai Chi

    Das chinesische "Schattenboxen" diente früher zur Selbstverteidigung, heute überwiegend zur Entspannung und Körperbeherrschung. Es wird häufig als zusätzlicher Therapieansatz bei chronischen Erkrankungen wie MS empfohlen. Die langsamen, harmonischen und fließenden Bewegungsabläufe wirken positiv auf Gleichgewicht und Koordination. Sie stärken Rumpf-, Rücken- und Haltemuskulatur, vermindern Spastik und verbessern die Atmung.

    • Yoga

    Entstanden aus einer indischen Tradition, verbindet Yoga Atmung und Bewegung mit dem Ziel, eine ganzheitliche Entspannung zu erreichen sowie Körper und Geist in Einklang zu bringen. Die Bewegungs- und Haltungsübungen können sanft, aber auch fordernd sein. Zu den positiven Effekten zählen eine Verbesserung der Atmung, Stressabbau, erhöhte Koordination und Beweglichkeit, allgemeine Kräftigung und ein Training der gesamten Muskulatur.

  • Aerobic ist ein dynamisches Ganzkörpertraining in der Gruppe mit rhythmischen Bewegungen zu schneller Musik. Ein Trainer führt die in einer Choreografie zusammengestellten Übungen vor, die hauptsächlich Ausdauer und Koordination trainieren. Puls- und Atemfrequenz beschleunigen sich und das Herz-Kreislauf- System wird gestärkt. Weil Arme und Beine gleichzeitig bewegt werden, schulen MS-Erkrankte auch Gleichgewicht
    und Konzentration. Bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder Fatigue sollten sie ihre Trainingseinheiten in mehrere kürzere Sequenzen aufteilen.

  • Wer Sport und Ausgleich an der frischen Luft vereinen möchte, findet dieses beim Golfen. Auf dem Golfplatz muss der Spieler einen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in ein Loch spielen, wobei verschiedene Golfschläger zum Einsatz kommen. Positiver Aspekt für MS-Erkrankte: Sie können ausdauernd gehen ohne Zeitdruck. Bei Gehschwierigkeiten kann der Golfwagen eine sinnvolle Unterstützung sein. Golf spielen schult Konzentration und Ausdauer sowie die Hand-Auge-Koordination. Während des Bewegungsablaufes trainieren Golfspieler ihre Rumpf- und Armmuskulatur und üben die Koordination des gesamten Körpers.

  • Wer beweglich bleiben will, muss sich bewegen. Eine Möglichkeit, den Körper regelmäßig zu trainieren, ohne dabei die Gelenke zu überfordern, ist Gymnastik. Unter dem Begriff Gymnastik sind verschiedene Dehnungs- und Kräftigungsübungen zusammengefasst, die der Erhaltung und Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Verletzungsprophylaxe dienen. Diese können unter anderem die Wirbelsäule mobilisieren, die Muskulatur stärken, den Gleichgewichtssinn schulen und die Elastizität erhöhen.

    Gymnastik kann in jedem Alter und körperlichen Zustand betrieben werden, da die Belastungen einzelner Übungen gut steuerbar sind. Durch die enorme Bandbreite an Bewegungsmöglichkeiten ist Gymnastik für MS-Erkrankte besonders gut geeignet, um die Beweglichkeit zu erhalten, Körperkontrolle zu entwickeln sowie Koordination, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Einzelne Einheiten lassen sich gut zwischendurch in den Alltag einbauen. Schon zehn bis fünfzehn Minuten täglich genügen.

  • Asiatische Kampfsportarten wie Taekwondo, Karate, Aikido, Judo, Kung Fu oder Jiu-Jitsu blicken auf eine lange Tradition zurück. So verschieden die Namen auch sein mögen, so einheitlich ist der Grundgedanke dieser Sportarten: Es geht vorwiegend um die waffenlose Selbstverteidigung durch Einsatz des eigenen Körpers. Durch blitzschnelle Aktionen weicht man einem Angreifer aus und lenkt die Kraft des Gegners gegen ihn selbst. Als Verteidigungsmittel dienen die bloßen Hände und Füße sowie spezielle Wurf-, Griff-, Tritt-, Schlag- und Stoßtechniken. Dabei werden alle Muskelgruppen des Körpers trainiert. Kampfsport hält nicht nur Körper und Geist fit, sondern baut Stress ab und Selbstbewusstsein auf. Er fördert durch präzise Bewegungsabläufe neben Körperbeherrschung, Konzentration, Reaktion und Gleichgewicht auch die Beweglichkeit. Qualitäten, die auch für MS-Erkrankte einen hohen Stellenwert haben. Da die Techniken schnell und kraftvoll ausgeführt werden müssen, ist Kampfsport in der Regel jedoch eher für Menschen mit geringer MS-Symptomatik geeignet. Eine fachliche Ausbildung gibt es in Vereinen, Kursen oder Kampfsportschulen.

  • Tischtennis ist eine Ballsportart, für die eine Tischtennisplatte, eine Netzgarnitur, ein Tischtennisball und pro Spieler ein Schläger benötigt werden. Bezogen auf die Zeit zwischen zwei Ballkontakten gilt Tischtennis als die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Ob im Stehen oder im Rollstuhl – Tischtennis trainiert die Kondition und stärkt die Konzentration sowie die kognitiven Fähigkeiten. Es ist ein gutes Augenmuskeltraining und kräftigt die Rückenmuskulatur. Sportbegeisterte können bis ins hohe Alter mit dem Schläger aktiv sein, auch wenn sie erst spät damit begonnen haben. Und Tischtennis verbindet: Menschen mit und ohne MS-Diagnose sowie mit und ohne Einschränkungen können gut zusammen spielen. Tischtennisplatten finden sich vielerorts, zum Beispiel in der Sporthalle, im Hobbykeller, auf Spielplätzen oder in der Jugendherberge. Für MS-Erkrankte mit stärkeren Symptomen ist vieles möglich: So gibt es zum Beispiel für Spieler, die den Schläger nicht mehr gut halten können, Spezialschläger, die an der Hand befestigt werden.