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Wie mache ich mich fit fürs Arztgespräch?

Ein Merkzettel ist in der Tat oft wichtig, so Dr. Gerald Lehrieder im AMSEL-Expertenchat.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, ab 19 Uhr antwortet Dr. Lehrieder zum Thema: Wie mache ich mich fit fürs Arztgespräch. Gern können Sie die Zeit vorher nutzen, Ihr Fragen einzustellen oder auch untereinander zu plaudern (in der Plauderecke, dem unteren Textfeld).

Thomas: Mich interessiert, wie ich mich auf ein Arztgespräch vorbereiten kann, in dem Befunde besprochen werden, die ich nicht vorhersehen kann z.B. die Auswertung einer Kernspinuntersuchung und wie kann ich mich vorbereiten, wenn ich plötzlich mit dem Thema Medikamentenwechsel (Eskalation) konfrontiert werde?

Dr. Gerald Lehrieder: Hallo Thomas, Die Vorbereitung auf das Befundgespräch beginnt schon, wenn die Untersuchung vorgeschlagen wird und die Überweisung ausgehändigt wird. Hier können Sie ruhig fragen, welche Entscheidung möglicherweise vom Befund abhängt. Können Sie mit dem Radiologen schon ein kurzes Gespräch führen hilft das auch weiter. Und ganz wichtig: Fürs Arztgespräch mit dem Neurologen einen Merkzettel mit den Fragen mitbringen. Die besten Dinge fallen einem oft erst hinterher ein, wenn man draußen ist. Legitim ist in einer solchen Situation, wenn man PLÖTZLICH konfrontiert wird, auch eine kurze Auszeit. Nachdenken und beim nächsten Termin weiterreden und entscheiden.

Dr. Gerald Lehrieder

Chefarzt der Dr. Becker Kiliani-Klinik

  • Facharzt für Neurologie
  • Zusatzbezeichnungen für Sozialmedizin und Verkehrsmedizin
  • Fachkundenachweis im Strahlenschutz und der Transfusionsmedizin
  • Spezialist auch auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose

Heike: Hallo Dr. Lehrieder, danke, dass Sie dieses Thema anbieten. Ich habe kommende Woche einen Termin bei meinem Neurologen. Noch nicht gesicherte MS. Ein Schub? im Februar. MRT zeigte Läsionen. Ich bin sehr unsicher. Ich hätte gerne ein weiteres MRT nach neuen Missempfindungen am Schienbein. Halten Sie das für realistisch oder muss ich warten?

Dr. Gerald Lehrieder: Wenn die MS nicht gesichert ist, dann ist das eigentlich jetzt der richtige Zeitpunkt für eine neue MRT. Nach den neuen Diagnosekriterien kann die MRT auch schon jetzt helfen. Zumal Sie ja offenbar auch neu aufgetretene Störungen haben. Man könnte jetzt ggfs. die Diagnose sichern und das tun, was heutzutage für das Wichtigste gehalten wird, eine frühe Therapie einleiten.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, wir sind zu siebt - eine vielleicht der WM geschuldete kleine Runde. Sie dürfen hier gerne ganz offen fragen.

Filomena: Obwohl ich mir immer aufschreibe, was ich fragen möchte, bzw. welche Rezepte ich benötige, fällt mir meistens erst später daheim wieder etwas ein, das ich fragen wollte. Wenn ich es dann nicht sofort notiere vergesse ich es auch wieder bis zum nächten Arzttermin. Manchmal notiere ich es auch sofort, aber die Beschwerden um die es geht sind dann bis zum nächsten Termin nicht mehr aufgetreten. Sollte ich trotzdem dann noch danach fragen oder abwarten, ob die gleichen Beschwerden wieder auftreten?

Dr. Gerald Lehrieder: Ein Merkzettel ist in der Tat oft wichtig. Da sieht nämlich auch der Arzt, dass Sie sich auf ihn vorbereitet haben und dass Ihnen das Gespräch wichtig ist. Vielleicht begleitet Sie ja auch mal eine Vertrauensperson, die wie eine Gedächtnisstütze wirkt. "Du wolltest doch noch fragen...." Und die Amsel und die DMSG hält zudem gute HIlfsmittel als Merker bereit. Die App "MS-Tagebuch" ist zum Beispiel sowas.

Filomena: Leider ist mein Neurologe vor nicht allzulanger Zeit in Ruhestand gegangen, kurz darauf auch noch meine langjährige Hausärztin. Habe zu meinem neuen Neurologen zwar schon einen ganz guten Draht aufbauen können, aber beim Hausarzt fällt es mir sehr schwer einen neuen, für mich "guten" Arzt zu finden, bei dem ich auch meine psychischen Befindlichkeiten loswerde. Vielleicht vergleiche ich zu sehr mit meiner bisherigen Hausärztin. Welchen Rat haben sie? Sollte ich häufiger zum Hausarzt um ein wenig mehr "Kontakt" zu pflegen?

Dr. Gerald Lehrieder: Das Vertrauen zum Hausarzt wie zum Neurologen wächst natürlich erst über die Zeit. Aber die Häufigkeit der Kontakte macht es wahrscheinlich nicht aus. Sie merken sicherlich relativ rasch, ob "die Chemie" stimmt. Und die muss stimmen, wenn Sie vertrauensvoll auch Ihre psychischen Befindlichkeiten besprechen wollen. Wenn man das Gefühl hat, die Chemie stimmt überhaupt nicht, ist es wohl besser, den Arzt zu wechseln, als häufiger zu gehen. Jeder Topf findet da seinen Deckel, da bin ich sicher.

Filomena: Das Problem beim Hausarzt liegt bei mir vor allem darin, dass bei uns am Ort eine ärztliche Gemeinschaftspraxis besteht. Mit 2 Ärzten komme ich gut zurecht, bei den beiden anderen stimmt die Chemie, wie sie sagen einfach nicht. Aber es ist leider so, dass nicht immer alle Ärzte da sind, manchmal ist der eine auf Hausbesuchen, dann der anderer. 2 davon arbeiten auch nur Teilzeit, deshalb komme ich fast immer zu einem anderen und kann jedesmal wieder von neuem "Vertrauen" aufbauen. Bei uns ist eine ländliche Gegend, bei der nicht viele Praxen in der Nähe sind.

Dr. Gerald Lehrieder: Vielleicht können Sie das beim Arzt Ihres Vertrauens einfach mal ansprechen. Manchmal hilft auch ein Deal mit der Sprechstundenhilfe an der Anmeldung, dass Sie zu "Ihrem" Arzt kommen und vielleicht etwas mehr Wartezeit in Kauf nehmen. Es haben sicherlich alle Verständnis dafür, über die psychischen Befindlichkeiten reden zu wollen ist ja auch was anderes als ein grippaler Infekt oder Blutdruckmessen.

Rosemarie: Guten Abend --es ist sehr schwer geworden ,neue Hausärzte zu finden. Noch habe ich meinen Hausarztüber dne alles läuft-aber auch er ist schon älter und wird irgendwann gehen. HIer gehen wesentlich mehr Ärzte in Rihestand als neue nach kommen. Es gibt Notpraxis am Krankenhaus mit wechselnden Ärzten ,die Überlegung einer Internetpraxis und die Ärzte übernehmen kau noch neue .gar chronisch Kranke Patienten. Sollte ich irgendwann beginnen , für alle Fälle Kontakt mit einem Arzt aufzunehmen ,den ich evtl später als Hausarzt wählen könnte? Allerdings möchte ich bei meinem Hausarzt bis zum letzten TAg bleiben.

Dr. Gerald Lehrieder: Mit einer MS brauchen Sie meiner Meinung nach einen Hausarzt UND einen Neurologen. Ich weiß, da ich selbst vom Land stamme, dass dies in vielen Gegenden schon schwer ist. Eine Notpraxis ist für die Not, kann aber einen Hausarzt nicht ersetzen. Darf ich einfach mal eine Frage in die Runde stellen? Wie wünschen Sie sich denn die Rolle des Neurologen in der Entscheidungsfindung, z.B. für oder gegen eine bestimmte Immuntherapie? Soll er für Sie entscheiden und Sie machen was er sagt? Soll er Sie mit Informationen füttern und sich aus der Entscheidung sonst raushalten? Oder soll er partnerschaftlicher Berater sein? Wie haben Sie frühere Entscheidungsfindungen erlebt? Wie sollte es sein? Lassen Sie uns die Rolle des Fragers mal umdrehen. Ich frage Sie.....

Moderator Patricia Fleischmann: 11 Chatter und so wenige Fragen ? Trauen Sie sich ruhig :-)

Moderator Patricia Fleischmann: Übrigens: Kennen Sie die Broschüre "Mein Arzt und ich" ? Zu bestellen unter www.amsel.de/shop

Filomena: Mein damaliger Neurologe hat mir 2 Basistherapien zur Auswahl vorgestellt, d.h. er hat mir eine Menge Broschüren und Infomaterial über das jeweilige Medikament mitgegeben. Ich konnte mich dann für eine von beiden entscheiden. Es handelte sich um Avonex oder Copaxone. Ich habe mich für Copaxone entschieden und es auch nicht bereut.

Dr. Gerald Lehrieder: Der Arzt hat sich also auf die Rolle des Informationsvermittlers zurückgezogen und keine Empfehlung abgegeben. SIE haben allein entschieden. Respekt für diesen Mut. Haben Sie Freunde, Mitbetroffene, Familie einbezogen und welche Rolle haben die gespielt?

Charlotte: Hallo Dr. Lehrieder, seit Okt 13 besteht wohl der Verdacht auf MS. So richtig viel weiß ich allerdings nicht, es besteht "nur" ein Entzündungsherd und die Diagnose konnte bislang nicht gesichtert werden. Als ich das letzte Mal in der klinik war wegen Beschwerden (leichtgradige Hemiparese) wurde unter anderem ein psychosomatisches Konsil gemacht (das MRT war unauffällig)...aber ohne wirkliches Ergebnis,.. seit dem habe ich das Gefühl, dass auch mein behandelnder Neurologie mich gerne mit "im Grunde ist ja nicht wirklich was" und ich nicht ernst genommen werde. Seit Monaten bin ich allerdings Physio und Ergotherapeutischer Behandlung und werde von dieser Seite sehr motiviert, meine Beschwerden dem Neurologen vorzutragen, aber ich habe große Hemmungen dies zu tun. Wenn ich im Arztgespräch bin bin ich irgendwie blockiert, danach denke ich meist: hätte ich doch mehr gefragt, aber in der Situation fallen mir die Fragen nicht ein. Es fällt mir schwer mit meiner Situation umzugehen weil ich das Gefühl habe, dass die Menschen, die mir wirklich weiter helfen könnten bezüglich der Diagnostik mich nicht ernst nehmen. Haben sie mir einen Tipp wie ich am besten in der Situation weiter verfahren soll?

Dr. Gerald Lehrieder: Wer sich von seinem Arzt nicht ernst genommen fühlt, muss das offen ansprechen. Fragen Sie nach, warum er nicht glaubt, dass wirklich was ist. Wenn die Chemie zwischen Ihnen einigermaßen stimmt, wird er Ihre Sorgen ernst nehmen und sich Zeit nehmen. Scheuen Sie sich aber auch nicht, ihn nach seinem Einverständnis zu fragen, eine Zweitmeinung einzuholen.

DBG: Guten Abend, vielleicht eine etwas komische Frage: Mögen es Ärzte, wenn man versucht auch fachlich auf Augenhöhe zu begegnen, d.h. gut informiert zu sein auch über Details

Dr. Gerald Lehrieder: Nicht komisch, sondern wichtig. Ich kann ja nicht für alle Ärzte reden, aber wir wünschen uns bei chronischen Erkrankungen Patienten die Experten für Ihre Erkrankung sind. Wir wünschen uns das Vertrauen der informierten Patienten. Nur so können wir gemeinsam die richtigen Wege finden. Kein Experte ist sauer, wenn Sie eine zweite Meinung einholen. Das macht Entscheidungen in der Regel besser und langfristig tragfähiger. Und das ist es ja, was wichtig ist. Wir tun so viel für Akzeptanz einer Therapie und Schwesternservice, und so. Die Grundlage für die Compliance wird bei den partnerschaftlichen Gesprächen über die Entscheidung gelegt.

Rosemarie: Bei mir hatte die Chemie zwischen Neurologen (privat ebenfalls bekannt) und mir nicht mehr gestimmt. So wurden die Neurologen an einer Fachklinik mit Ambulanz wichtiger. Dort wurde auch die Immuntherapie angefangen.Klinikneurologe fütterte mit Infos ,schlug die THerapie seiner ersten Wahl vor, liess mir Zeit für KOntakt mit Hausneurologe und Hausarzt.Dann gab es noch mal ein Gespräch mit ihm um sich in der Zwischenzeit gestellte Fragen zu klären und dann begann die THerapie. Hausarzt stand dahinter , örtlicher Neurologe nciht ,so daß ich Statuskontrollen in der Klinik machte und ich daran bin , neue KOntakte zu auswärtigen Neurologen zu knüpfen. NOch kann ich fahren mit ÖPNV und es ist mir wichtiger ,dass Hausarzt Klinik und Neurologe an einem Strang ziehen als die räumliche Nähe

Dr. Gerald Lehrieder: Das klingt doch nach einer abgewogenen Entscheidung, bei der sich alle Beteiligten in Ihrem Interesse einbringen konnten. Glückwunsch zu einem solchen Netz von Ratgebern.

Filomena: Ich hatte mich schon beinahe (allein) für Avonex entschieden, das dies nur 1 x wöchentl. gespritzt werden musste. Dann habe ich jedoch noch Kontakt zu einem - damals auch neu Betroffenen- bekommen, dieser hatte sich schon für Copaxone entschieden. Danach habe ich es mir anders überlegt, da ich Angst hatte einen ganzen Tag mit grippeähnlichen Symptomen zu verlieren und bin dann doch auch auf Copaxone als richtig für mich gekommen. Mein Mann und meine Kinder haben sich in das Thema gar nicht eingelesen, deshalb habe ich für mich selbst entschieden.

Dr. Gerald Lehrieder: Einzelmeinungen bergen immer ein gewisses Risiko, da sie ja nicht unbedingt repräsentativ sind und für Sie keine echte Vorhersagekraft haben. In Ihrem Fall war's ja wohl gut. Gleiches gilt auch manchmal für nicht moderierte Internetforen (selbstverständlich nicht die AMSEL-Foren), da kann man schon mal auch fragwürdige Tipps kriegen. Ein möglichst aus vielen Quellen gewonnenes Bild hilft weiter. Und da spielt neben dem Arztgespräch natürlich die Selbsthilfe eine wichtige Rolle. Manchmal sind auch Gesundheitsmagazine, zwar verallgemeinernd, aber doch hilfreich.

Josi: Bei meinem Neurologen fühle ich mich gut aufgehoben. Er hat mir grundsätzlich überlassen, ob ich mich für oder gegen eine BT entscheide. Nach einem Gespräch in der Praxis sollte ich es mir überlegen und mich dann nochmals wegen einem Termin melden. So konnte ich nochmal zu Hause in Ruhe in mich gehen und vorab, zumindest ein Stück weit, informieren. Das hat es mir leichter gemacht für mich zum damaligen Zeitpunkt wichtige Fragen zu stellen.

Dr. Gerald Lehrieder: Und so haben Sie dann hoffentlich auch die richtigen Antworten erhalten, damit Sie gemeinsam die richtige Entscheidung treffen. So soll es sein.

Josi: Ist es üblich nach einem MRT mit dem Radiologen über den Befund zu sprechen oder wird das meist nur mit dem behandelnden Neurologen gemacht? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Radiologe nach dem MRT eher "zurückhaltend" ist was neue Läsionen etc. angeht. Dennoch bittet er mich zum kurzen Gespräch herein. Ich meine wenn er mir nicht wirklich etwas sagen möchte, kann er mich ja auch direkt nach dem MRT wieder schicken? Das letzte Mal kam dann beim Neurologen erst die "große (leider negative) Überraschung. Ich hoffe sie verstehen, was damit gemeint ist.

Dr. Gerald Lehrieder: Wenn ein Radiologe Vorbefunde hat und kann was über die Entwicklung von neuen Läsionen etc sagen, ist das ja hilfreich in der Vorbereitung des Neurologengesprächs. Sie erinnern sich an die Frage von Thomas zum Eingang. Auf ein nichtssagendes allgemeines Blabla könnte ich auch verzichten. Dann ist nichts sagen besser.

anni: Sehr geehrter Herr Dr. Lehrieder, leider habe ich diesen Eindruck nicht gewinnen können. Fragen zum Vitamin-D-Spiegel oder zur Ernährung wurden z.B. nur mit nicht wissenschaftlich bewiesen abgetan oder auf Beschwerden mit einem Medikamentenvorschlag ohne ein genaueres Abwägen des Für und Wider reagiert. Ich bin bei einem MS-Spezialisten in Behandlung und bin jetzt schon auf die Reaktion auf meine massiven Rückenschmerzen gespannt ...

Dr. Gerald Lehrieder: In vielen strittigen Fragen sind wir Schulmediziner natürlich auf Studien mit wissenschaftlichen Belegen angewiesen. Ich glaube Sie als Patienten haben ein Anrecht auf diese Form der Beratung. Das heißt aber nicht, dass Ihre Meinung "abgetan" wird.

Karina: Hallo Dr. Lehrieder! Ihre Antwort zur Frage von DBG: Das kann ich nur bestätigen! Mein Arzt antwortete mir auf meine Aussage hin - "Danke für Ihre Geduld" - "Ein informierter Patient der Fragen stellt, ist mir lieber als ein Patient, der alles unkommentiert schluckt!"

Dr. Gerald Lehrieder: Danke für die Bestätigung.

Rosemarie: danke-nur wird es schwieriger an der Klinik den Status zu bekommen und der Hausarzt steht kurz vor der Rente. Danach habe ich wohl keine kompetenten Ansprechpartner mehr, es sei denn es klappt mit einem guten auswärtigen Neurologen. Mein Vorteil ist--ich bin mittlerweile kein neu Erkrankter mehr und weiß worauf ich achten muß

Dr. Gerald Lehrieder: Sie haben ja erfahren, worauf Sie Wert legen müssen. Das spürt auch Ihr Gegenüber in der Beratungssituation. Ich bin sicher, es wird Ihnen wieder gelingen, ein solches Netz zu knüpfen. Denn das hat mindestens so viel mit Ihnen wie mit den Ärzten zu tun.

Sommersprosse: Ich habe immer das Gefühl , dass alles schnell schnell gehen muss. Da ich noch relativ frisch erkrankt bin stellt sich mir die frage, ist es in ordnung wenn ich all meine Beschwerden nieder Schreibe und diese dem Arzt überreiche, oder ist die Art und Weise eher "blöd".

Dr. Gerald Lehrieder: Einen Zettel mitbringen ist nicht blöd, sondern hilfreich. Gerade bei Neuerkrankten wird sich Ihr Neurologe auch mal Zeit nehmen. Sie können ja auch in einem Kurzgespräch ankündigen, dass Sie beim nächsten Mal etwas mehr Zeit brauchen. Dann können Sie sich vorbereiten, und in der Praxis wird hoffentlich ein größeres Zeitfenster für Sie reserviert.

Josi: Danke für Ihre Antwort. In dem Fall war das eher kontraproduktiv. Ich dachte fälschlicherweise, dass "alles beim alten" ist.

Dr. Gerald Lehrieder: Keine Antwort ist hier auch eine Antwort.

Filomena: Hier noch eine andere Begebenheit, zu der ich gerne ihre Meinung hören würde. Meine Mutter (schwer an Parkinson erkrankt) hat einen Neurologen in ihrer Nähe. Um in dringenden Fällen einen schnellen Termin bei ihm zu bekommen, zahlt sie den Termin aus eigener Tasche (d.h. zum Privatpatiententarif) und lässt nicht über die Krankenkasse abrechnen. Finden sie das in Ordnung, dass mit tatsächlich schwer Kranken so umgegangen wird. Hier ist meiner Meinung nach keine gute Arzt - Patient - Basis. Meine Mutter möchte jedoch weiterhin zu ihm, da er fachlich hervorragend ist.

Dr. Gerald Lehrieder: Was wichtig festzuhalten ist: Ihre Mutter scheint sich medizinisch gut aufgehoben zu fühlen und gut betreut zu sein. Das heißt, fachlich stimmt alles. Dass man sich den dringend notwendigen schnellen Termin mit einem Privatpatiententarif "erkaufen" muss, kann und will ich mir aus politischer Korrektheit heraus gar nicht vorstellen. Hier gibt es ja politische Vorstellungen das zu lösen, eine Selbstverpflichtung der Ärzte, die dann auch eingehalten wird, wäre besser.

Moderator Patricia Fleischmann: Noch 7 Minuten, liebe Chatter - Zeit für die letzte Fragerunde !

Filomena: Vielen Dank Herr Dr. Lehrieder für die vielen Infos und Anregungen.

Dr. Gerald Lehrieder: Gerne, auch Ihnen vielen Dank für die Beteiligung. Sie haben ja heute auch Fragen meinerseits beantwortet.

Rosemarie: Ja ein Neurologe sollte sich bei Neuerkankten Zeit nehmen. Und doch passiert e mir ,dass nach über einem halben Jahr ich nach (von einem Allergologen) verordnetem Rezept ,eine schwere Gegenwirkung hatte und Symptome einer leichten Leberreizung bekam. Auf die Bitte ,mit meinem örtlichen Neurologen ruhig und höflich bat ,sich einmal Zeit zu nehmen (nicht unbedingt in der Woche Zeitfenster 1-2 MOnate da mittlerweile nciht mehr akut ) über die Medikamente zu reden und die Möglichkeit , andere Fachärzte darauf hinzuweisen ,daß meine Medikamente damals noch nciht auf dam öffentlichen Markt waren( 3,4 Diaminopyridin) und somit nicht in der LIste für Wechselwirkungen zu finden, warf er mich stante pede aus der Praxis. Zuvor hatte ich noch nie eine Bitte geäußert und mich auch nie über etwas beschwert. Nur wollte ic die THerapie der Fachklinik in die er mich überwisen hatte auch durchführen ,während so lange keine Gehstörungen auftreten das unnötig fand. Ich war doch ziemlich ünerrascht damals

Dr. Gerald Lehrieder: Man merkt Ihnen Ihre Empörung heute förmlich noch an. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Vertrauen entweder wieder aufbauen können, oder zu einem anderen Arzt die nötige Basis finden.

anni: Ist es ratsam , sich neben dem Neurologen in der MS-Sprechstunde noch einen zweiten Neurogen zu suchen? Bei der Sprechstunde wartet man 3 bis 4 Monate auf einen Termin und bei Problemen bleibt nur die notaufnahme im Krankenhaus.

Dr. Gerald Lehrieder: Ich kenne viele Patienten, die gehen einmal pro Jahr oder alle zwei Jahre in die MS-Sprechstunde eines großen MS-Zentrums und haben daneben als direkten Ansprechpartner einen Neurologen vor Ort. Wenn die Kommunikation in diesem Netzwerk stimmt und sich die Akteure austauschen, dann kann das sehr hilfreich sein.

Josi: Danke für Ihre Zeit Dr. Lehrieder. Einen schönen Abend allerseits!

Dr. Gerald Lehrieder: Auch Ihnen, danke.


Allgemein - Filomena: Einen schönen Abend noch allen



Allgemein - Karina: Ciao!



Allgemein - Karina: und Danke!


Rosemarie: Ja ich hatte den arzt nciht mehr besucht. Auch ich danke für Ihre Zeit ,Herr Dr Lehrieder aund Frau FLeischmann allen einen schönen Abend

Dr. Gerald Lehrieder: Und allen Fußball-Fans noch einen spannenden Fußball-Abend.

Karina: Danke gleichfalls!

Dr. Gerald Lehrieder: Bis bald mal wieder in diesem Chat.

Moderator Patricia Fleischmann: Einen schönen Abend alle miteinander und ganz herzlichen Dank an Dr. Lehrieder ! Weiter geht's am 1. Juli.

Redaktion: AMSEL e.V., 17.06.2014