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MS und Reisen, was ist zu beachten?

Expertenchat am 06.05.03 mit Dr. Klaus Gottwald zum Thema 'MS und Reisen, was ist zu beachten?'.

Moderator Kerstin Boger: Hallo und herzlich Willkommen zu unserem heutigen Chat mit Dr. Klaus Gottwald. Wir freuen uns schon sehr auf Ihre Fragen.

Markus: Guten Abend. Ist es sinnvoll einen Gesundheitscheck zu machen, bevor man in wärmere Länder reist?

Dr. Klaus Gottwald: Wenn Sie an anderweitigen Krankheiten ausser MS leiden, ist es sinnvoll sich vom Hausarzt bezüglich der zu erwartenden Belastungen beraten zu lassen, z.B. bezüglich Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz. Bei MS ist ein Gesundheitscheck nicht grundsätzlich erforderlich.

Markus: Danke für die Antwort.Wie sehen Sie die Notwendigkeit von bestimmten Impfungen wie Hepathitis A u. B für MS-Patienten? Und wie sieht die Verträglichkeit aus?

Dr. Klaus Gottwald: Hepatitis A und B Impfungen sollten entsprechend der Empfehlungen der Reisebüros in Abhängigkeit der zu bereisenden Länder durchgeführt werden. Da Impfungen sich auf das Imunsystem auswirken können, und somit auch auf den Verlauf einer MS sollte die Notwendigkeit einer jeden Impfung vorher kritisch überdacht werden. Unter Umständen lassen sich auch die Reiseziele modifizieren.

Sonja: Hallo. Können Medikamente für MS-Betroffene auch problemlos mit in warme Länder genommen werden? Ich nehme Copaxone. Oder ist eine Kühlung dringend erforderlich?

Dr. Klaus Gottwald: Medikamente sollten nach Möglichkeit gekühlt werden (Interferone und Copaxone). Alternativ wäre eine Medikamentenpause für ein bis zwei Wochen zu erwägen.

Moderator Kerstin Boger: Hallo an alle, die jetzt erst in den Chat einsteigen

Markus: Gibt es Alternativen wie Prophilaxen oder Passivimpfungen?

Dr. Klaus Gottwald: Als Prophylaxe wäre eine Gabe von Immunglobulinen zu erwägen. Die Impfung gegen Hepatatits B ist in aller Regel ohne Risiken.

Sonja: Können Medikamente problemlos für ein bis zwei Wochen ausgesetzt werden, ohne ein Risiko einzugehen?

Dr. Klaus Gottwald: Ja, Imunmodulatoren verlieren ihre Wirksamkeit nicht mit der letzten Injektion, eine Pause von ein bis zwei Wochen führt ebenso wenig wie das Absetzen nicht zu vermehrten Krankheitsschüben.

Jürgen: Schönen guten Abend Herr Dr. Gottwald. Wie sollte man sich verhalten, wenn man während des Urlaubs einen Schub bekommt? Sicherlich ist dies von Fall zu Fall unterschiedlich, aber kann man hierzu etwas Allgemeines sagen?

Dr. Klaus Gottwald: In jede Urlaubsreise sollte man ca. 20 Tabletten Decortin H 50mg mitnehmen. Es ist so möglich, bei einem akuten Schub, evtl. nach telefonischer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zumindestens eine orale Cortison-Therapie einzuleiten. Eine Einstiegsdosierung um ca. 200mg ist zu empfehlen.

Sonja: Würden Sie einer vierwöchigen Rucksacktour z.B. in Australien oder Thailand grundsätzlich zustimmen, und wenn ja, welche Vorkehrungen wären zu treffen?

Dr. Klaus Gottwald: Eine vierwöchige Rucksacktour durch die genannten Länder stellt ein schlecht kalkulierbares Risiko dar. Auf Grund nicht einzuschätzender physischer Belastungen ist ein erhöhtes Schubrisiko gegeben. Eine adequate medizinische Hilfe ist abseits der Ballungszentren nicht zu erwarten. Eine Rucksacktour ist durch den Schwarzwald besser geeignet.

Moderator Kerstin Boger: Es können gerne noch Fragen gestellt werden!

Jürgen: Im Hinblick auf die Wahl des Reiseziels würde mich interessieren, ob eher die Wärme oder die Sonne den Gesundheitszustand verschlechtern kann?

Dr. Klaus Gottwald: Die Wärme ist insgesamt belastender, gegen Sonneneinstrahlung kann man sich schützen. Es gibt eine persönliche Wärmetoleranz die ein jeder aufgrund früherer Erfahrungen einschätzen sollte.

Jürgen: Danke für die Antwort und Ihnen noch einen schönen Abend noch.

Dr. Klaus Gottwald: Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.

Moderator Kerstin Boger: Ich bedanke mich sehr für die von Ihnen gestellten Fragen und wünsche allen noch einen schönen Abend. Vielen Dank Herr Gottwald, dass Sie sich für den Chat zur Verfügung gestellt haben. Der Chat wird nun geschlossen.

Redaktion: AMSEL e.V., 07.05.2003