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"Gesund und bewußt ernähren bei MS"-das Expertenchatprotokoll

Ein Expertenchat mit Gudrun Werner am 20.01.2004 rund um das Thema MS und Ernährung

Moderator Anja Köhler: Guten Abend und herzlich willkommen zum ersten AMSEL ExpertenChat im Neuen Jahr mit Gudrun Werner auch Sie möchten wir herzlich willkommen heißen! Liebe ChatterInnen, wir sind gespannt auf Ihre Fragen zum Thema Ernährung und Multiple Sklerose.

tom: Guten Abend, ich bin neu im Thema Ernährung und MS, ich habe von Omega-3 und -6 Fettsäuren gehört, welche sind zu empfehlen und wo stecken sie drin?

Gudrun Werner: Grundsätzlich braucht der Körper sowohl Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren. Die Omega-3-Fettsäuren haben u.a. eine entzündungshemmende Wirkung, weshalb sie bei der MS eine besondere Bedeutung haben. Sie kommen in allen Kaltwasserfischen (Tiefsee-, z.B. Hering, Makrele) vor, aber auch in Vorstufen in pflanzlichen Ölen wie z.B. Leinöl, Walnussöl oder Sojaöl. Omega-6-Fettsäuren braucht der Körper genauso, sie kommen v.a. in allen pflanzlichen Ölen vor. Zu diesen O-6-F. gehört aber auch die Arachidonsäure, die eine entzündungsfördernde Wirkung hat. Die Arachidonsäure kommt v.a. im Scweineschmalz, im Eigelb, Fleisch und auch im Fisch vor. Pflanzen können diese Arachidonsäure NICHT bilden, deshalb wird auch bei entzündlichen Erkrankungen wie der MS eine überwiegend pflanzliche Ernärung empfohlen.

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tom: Bzw. kann man das Wirken dieser Fettsäuren nach heutigem Kenntnisstand schon gut einschätzen?

Gudrun Werner: Über die Wirkung der Fettsäuren sind viele Untersuchungen gemacht worden. Dass Omega-3-Fettsäuren einen entzündungshemmenden Effekt und die Arachidonsäure einen entzündungsfördernden Effekt hat, ist eindeutig. Was auch wichtig ist, ist das Verhältnis der einzelnen Fettsäuren zueinander und der Status der Antioxidantien (Vit E, C, A, Selen,...). Nur: Die MS ist nur leider keine Erkrankung, die sich auf die Fett-Problematik beschränkt ...

Tanja: Guten Abend Frau Werner. Eine Frage zu dem weissen vom Ei: kann ich das bedenkenlos essen? Ich denke da an Gebäck, das nur mit Eiweiß-Schaum gemacht ist usw.?

Gudrun Werner: Guten Abend Tanja. Die Frage zum Eiklar bezieht sich wahrscheinlich auch auf die Arachidonsäure. Und die ist fast ausschließlich (neben den ganzen anderen Inhaltsstoffen) im Eidotter enthalten. Von daher kann man Baiser o.ä. Gebäcke im "normalen" Rahmen "bedenkenlos" essen.

Tanja: Noch eine Frage: In der Betriebsküche wird mit "Fondor" gewürzt. "Fondor" besteht aus Glutamat. Wie ist die Wirkung von Glutamat auf MS - verstärkt es die Entzündung?

Gudrun Werner: Weiß ich nicht. Aber Glutamat als Salz der Glutaminsäure dürfte keine Wirkung auf entzündliche Vorgänge haben. Es ist eher eine grundsätzliche Frage. Lebensmittel sollen einen Eigen- und keinen Einheitsgeschmack haben. Kräuter und Gewürze bieten da eine vielfältige Palette...

melanie: hallo. Hab mir den Verlauf des heutigen Chats angeguckt. Meine Frage: ist es nicht gut, Eier bei einer MS-Erkrankung zu essen?

Gudrun Werner: Eigelb enthält heutzutage sehr viel Arachidonsäure, eine entzündungsfördernde Fettsäure. Deshalb sollte man mit dem Verzehr von Eiern sparsam sein und v.a. versteckte Eier in Nudeln, Kuchen, Gebäck, Aufläufen usw. meiden. Tipp: Mit 2 Eiern pro Woche auskommen.

Tanja: Hallo, ich war aus irgendeinem Grund aus dem Chat herausgeflogen und konnte die Antwort nicht mehr lesen. Meine Frage war: Das Eiklar - ist es auch Entzündungsfördernd - sollte ich es ähnlich, wie das Eigelb in Grenhzen halten oder kann ich es ungezügelt genießen?

Gudrun Werner: Das Eiklar verhält sich relativ neutral. Deswegen würde ich es aber nicht "ungezügelt" genießen sondern die normalen Mengen berücksichtigen.

melanie: Noch eine Frage: ich nehme täglich Nahrungsergänzungsmittel: omega 3 fettsäuren mit vitamin e und coenzym q10. kann ich das bedenkenlos einnehmen? habe mal gehört, daß das bei MS gut ist.

Gudrun Werner: Omega-3-Fettsäuren mit Vitamin E zum Schutz zu kombinieren ist sehr sinnvoll. Mengenmäßig würde ich 30 mg Omega-3-F./ kg Körpergewicht empfehlen, d.h. bei einem Körpergewicht von 70 kg wären das 2100 mg. Die empfehlenswerte Tagesmenge für Vitamin E liegt bei 400 I.E. alpha-Tocopherol.

Tanja: bezüglich Eiklar: Was meinen Sie mit "normale Mengen"? Auch nur 2 pro Woche?

Gudrun Werner: Würde ich keine Einschränkungen machen.

melanie: Welche Lebensmittel sollte man bei MS noch alles lieber meiden?

Gudrun Werner: Es gibt keine grundsätzlich "falsche" oder "richtige" Lebensmittel. Von den einen (Gemüse, Obst, Getreide) sollte man eher mehr, von den anderen (Fleisch, Ei) eher weniger essen. Beim Fisch unterscheide ich Süßwasserfische von Tiefseefischen. Genauere Empfehlungen über Mengen (als Richtwerte) gibt es in meinem Buch nachzulesen :-). Essen MUSS schmecken. Was nützt mir die beste Ernährung von den Inhaltsstoffen her, wenn ich das Essen mit Widerwillen zu mir nehme??

Tanja: Wie steht's mit dem Zucker - ist Fruchtzucker genauso entzündungsfördernd, wie der normale Zucker?

Gudrun Werner: (Haushalts)Zucker ist ein isoliertes Industrieprodukt, das keinerlei Inhaltsstoffe außer Energie bietet und gilt deshalb als "Nährstoffräuber". Auch in der Ernährung von "Gesunden" sollte der Zucker nur eine untergeordnete Rolle spielen. Nun ist aber der Energiebedarf der meisten MSler durch eine eingeschränkte Bewegung oft niedriger als bei "Gesunden", daher ist es um so wichtiger, dass hochwertige Lebensmittel mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen... zugeführt werden.

melanie: habe mir eben die noch nicht beantworteten Fragen durchgelesen.da stand,daß Zucker schädlich ist.das wußte ich auch noch nicht. Ich esse für mein leben gerne Süßigkeiten und Kuchen. Muß ich darauf verzichten???

Gudrun Werner: Man muss als MSler nicht auf Zucker verzichten, aber vielleicht doch ein wenig einschränken?!! Zucker hat nur leere Kalorien, während z.B. Obst oder Trockenobst (was auch lecker süß schmeckt) so ganz nebenbei auch eine ganz stattliche Menge an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen hat. Zugegeben, man kann keinen Apfel mit einem Stück Schokolade vergleichen ... Der Heißhunger auf Schokolade und andere Süßigkeiten wird aber immer weniger je länger man sich vollwertig ernährt. Funktioniert garantiert - einfach mal ausprobieren!

Tanja: Dennoch nochmal die Frage - ich liebe süßes - Marmelade, Honig, Sorbet, wenn ich den Haushaltszucker weglasse und statt dessen Fruchtzucker nehme - ist das besser für mich?

Gudrun Werner: Das ist gehopst wie gesprungen! Der rieselfähige Fruchtzucker ist genauso "leer" wie der Haushaltszucker und kann bei größeren Mengen sogar zusätzlich noch Durchfall verursachen. Und schmecken tut er auch nicht so. Tipp: weniger von den geliebten süßen Sachen essen und gründlicher kauen, besser noch: auf der Zunge zergehen lassen. Geschmack/ Genuss kommt beim Kauen, nicht beim Schlucken.

Tanja: nochmal zum Zucker - ganz konkret interessiert mich der Fruchtzucker und z.B. Honig. Ich esse natürlich auch Obst und Gemüse in großen Mengen. Weil ich Sahne, Butter und Vollmilch verweigere - also Margarine, Halbfettmilch und Käse unter 45% in der Trockenmasse esse, sowie wenig Fleisch, nehme ich ab statt zu. Also ein Gewichtsproblem bekomme ich wegen Zucker nicht. Fördern Honig und Fruchtzucker die Entzündung?

Gudrun Werner: Honig und Fruchtzucker fördern nicht die Entzündung. Wie sieht aus mit (Vollkorn)Getreideprodukten?

melanie: wie siehts aus mit Kaffee??

Gudrun Werner: Kaffee hat eine harntreibende Wirkung. Dabei wird aber nicht nur Wasser ausgeschieden sondern auch wichtige MineR

Gudrun Werner: Mit dem Harn wird mehr Flüssigkeit ausgeschieden als mit dem Kaffee zugeführt wurde. Neben dem Wasser werden aber auch wichtige Mineralstoffe ausgeschieden. Deswegen gilt die Regel: pro Tasse Kaffee zwei Tasse Wasser zusätzlich trinken. Viele MSler trinken eh schon sehr wenig oder haben Probleme mit dem Wasserhalten - daer eher ungünstig. 2 Tassen Kaffee pro Tag sind meineserachtens bei einer Trinkmenge von 2 l Wasser/ Tee pro Tag unproblematisch.

Tanja: Wenn ich Vitamin E supplementiere und mich aber normal ernähre - welche I.E - stärke pro Kapsel sollte ich wählen?

Gudrun Werner: Vitamin E-Supplemente: 400 I.E. alpha-Tocopherol pro Tag.

melanie: noch eine frage: stimmt es,daß kaffee sehr schädlich bei MS ist? iIch trinke morgens 2 Becher und nachmittags einen Becher Kaffee. Ansonsten trinke ich nur roibostee (rotbuschtee)

Gudrun Werner: "sehr schädlich" finde ich übertrieben. Gegen 2 Tassen Kaffee pro Tag ist generell wenig einzuwenden, wenn DAZU noch 2 Liter Wasser oder Tee (kein Scwarztee) kommen. Gefährlich ist es nur, wenn jemand NUR Kaffee trinkt. Der Körper "trocknet aus" und verliert viele wictige Mineralstoffe, Spurenelemnte.

Tanja: Auch das esse ich reichlich - Mehrkornkornbrot aller Art, Müsli mit Nüssen - Studentenfutter, natürlich auch noch geräucherter Butterfisch, Heilbutt, Makrele, Lachs usw. Sojaprodukte aus dem Reformhaus.... Also, glaube ich, daß ich recht brav bin. Noch eine Frage: Wie wirken saure Säfte - sind sie Entzündungsfördernd für MS-Schübe?

Gudrun Werner: warum sollen saure Säfte entzündungsfördernd sein und was verstehst du unter "sauer"?

melanie: ja,das mit dem coenzym q10. was sie darüber wissen.

Gudrun Werner: Wird im Körper ausreichend gebildet. Ich sehe es eher als "Marketing-Gag" an. Braucht dem Körper nicht über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.

Tanja: Eine hab' ich noch: Kann man das mit dem Fettgehalt in Milchprodukten nach dem Additionsverfahren handhaben? Beispiel: 1 mal Vollfettmilch 3,5% wäre äquivalent mit 2mal halbfett? :-)

Gudrun Werner: 100 ml Vollmilch enthalten 3,5 g Fett, fettarme nur 1,5 g Fett. Bei einer Menge bis zu 300-400 mg Milch/-prod. würde ich Vollmilchprod. nehmen, weil im Fett natürlich auch sonstige Sachen wie z.B. fettlösliche Vitamine gebunden sind. Beim Käse essse ich lieber 1 Scheibe 45 %-igen Käse als 2 Scheiben 30 %-igen, aber das ist Geschmackssache. Grundsätzlich sollte man bei der MS den Fettverzehr möglichst niedrig halten.

Tanja: Mit sauren Säften meine ich z.B. Sanddorn-/Johannisbeer usw Muttersaft und saure Tees, wie Früchtetee usw.

Gudrun Werner: Diese Säfte schmecken zwar sauer haben im Körper aber keine saure Wirkung. Wichtig bei Säften: langsam trinken. 1 kl. Glas O-Saft = 2 Orangen. So lange wie man braucht diese zu essen, sollte man auch brauchen um sie zu trinken. Die Verdauungsarbeit ist nämlich die gleiche, und die fängt im Mund mit dem Speichel an!

Moderator Anja Köhler: Wir danken allen herzlich für die Teilnahme an dem heutigen Chat, wir schließen nun den Chat, Frau Werner wird die restlichen Fragen noch beantworten! Der Nächste Chat findet am 03. Februar zum Thema Pflegeversicherung und Rente statt! Wir freuen uns schon jetzt auf Ihr Kommen. Wir wünschen allen noch einen guten Abend allen

melanie: Eine Heilpraktikerin war der Meinung, daß man bei MS einen höheren Bedarf an q10 hat. Daher nehme ich es täglich zusätzlich. Schaden kann es ja nicht,oder?

Gudrun Werner: Stimmt, schaden tut es wahrscheinlich auch nicht.

melanie: 400 I.E. (was bedeutet das I.E. ?)

Gudrun Werner: I.E. bedeutet internationale Einheiten Beim alpha-Tocoperol ist 1 I.E. = 1 mg

tom: Wenn sich eine fleisch-arme Ernährung empfiehlt, gilt dies auch für Milchprodukte, insb. Käse und Quark, also recht fetthaltige Sachen?

Gudrun Werner: In Milch/ -prod. ist generell relativ wenig Arachidonsäure (As.)enthalten. Quark, Magerstufe enthält 0,3 g Fett/ 100 g und keine As. Quark, 20% F --> 5 mg As. Milch, Joghurt, 3,5 % F --> 4 mg As. Schlagsahne, 30 % F --> 32 mg As. Käse, 45 % F --> ca. 25-30 mg As. im Vergleich Eigelb --> 300 mg As. Schweinefleisch --> 120 mg As. Hühnerschlegel --> 190 mg As. Innereiein --> 300-900 mg As. Forelle --> 30 mg As. Neben der Aracidonsäure aber auch auf eine fettarme Ernährung achten.

tom: tom: Wie steht es mit der Linolsäure, ich habe für den Kontext der MS sowohl positives, wie negatives über sie gehört. Falls man zu große Mengen meiden sollte - ist es möglich in etwa Produkte anzugeben, die zu hohe Mengen enthalten?

Gudrun Werner: Die Meinung, Linolsäure in der Nahrung zu meiden, ist meiner Meinung nach veraltet. Ich habe in der Klinik auch keinen Erfolg bei den Patienten beobachten können, die das getan haben. Die Einschränkungen sowohl bei der Lebensmittelauswahl als auch bei der Abwiegerei waren aber gravierend. Aus der Linolsäure KANN der menschliche (wie der tierische) Organismus Arachidonsäure bilden, das tut er aber (einfach ausgedrückt) sehr ungern und je mehr Linolsäure da ist, um so weniger wird der Körper das tun. Liegt die Arachidonsäure aber über die Nahrung (Eier, Fleisch, Fisch) schon als solche vor, dann baut der Körper sie zu über 90 % in Membranen ein. Von dort wird sie im "Bedarfsfall Entzündung" sofort geholt und es werden Entzündungsbotenstoffe gebildet. Mit einer "normalen Mischkost" nimmt der Körper etwa 300 bis 400 mg Arachidonsäure pro Tag auf, bei einer vegetarischen nur 50 mg. Und trotz einer hohen Linolsäurezufuhr bei Vegetariern über Öle, Nüsse und Vollkornprodukte sind deren Arachidonsäure-Spiegel wesentlich niedriger als bei "Mischköstlern". 10 bis 15 g Linolsäure pro Tag halte ich für günstig.

Redaktion: AMSEL e.V., 21.01.2004