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Beeinflusst die MS mein Denken?

02.12.08 - Das MS-"Profil" von kognitiven Störungen ist eindeutig anders als eine Demenz, so Prof. Herbert Schreiber im AMSEL-Expertenchat. Die Ursachen sind zu klären: Chronische Müdigkeit kann ebenfalls das Denken beeinflussen.

Moderator Patricia Fleischmann: Guten Abend, liebe AMSEL-Chatter! Heute leiten wir hier mit "Beeinflusst die MS mein Denken?" schon mal ein wichtiges AMSEL-Thema 2009 ein, die "unsichtbaren" MS-Symptome. Prof. Herbert Schreiber antwortet auf Ihre Fragen - und wir sind gespannt!

Holger: Sehr geehrter Herr Prof. Schreiber, ich bin selber vergleichsweise leicht betroffen. Meine beiden Neurologen warnen bzw. widersprechen mir, meine Defizite bzgl Kognition alleine auf die MS zu schieben. Aus mehreren Quellen habe ich aber entnommen, dass ca 40% davon betroffen sind. Wobei diese Zahl wohl eher schwierig zu messen ist. Möchten beide Ärzte mich davon abhalten, zu negativ zu denken und mich von der Krankheit zu sehr beeinflussen zu lassen? In meinem konkreten Fall habe ich mich nach einer langen und schwierigen Phase nach 2,5 Jahren dazu entschlossen, mein Doktorat zu beenden, da ich mich nicht mehr in der Lage fühle, so wie früher den Gedankengängen meiner Kollegen zu folgen (Abschweifen, Gedächtnis, Konzentration, mit einem Mal sind alle Gedanken fort, als wenn jmd den fernseher ausmacht und dieser schwarz wird). Weiterhin spiele ich mit dem Gedanken, mich beruflich neu auszurichten. Die letzten Jahre haben mir ehrlich gesagt, sicher auch als Folge aus meinen Einschränkungen, psychisch sehr zugesetzt (Stichwort:Versagen). Wie lautet Ihre Einschätzung? Alles Einbildung? Oder können Sie sich vorstellen, dass die Defizite mich soweit behindern wie beschrieben? Falls meine Defizite tatsächlich mit MS in Verbindung stehen, würde mir das insoweit helfen, wieder Selbstbewußtsein zu finden, da ich nicht direkt verantwortlich dafür bin ... Allerdings, die Aufmerksamkeitsstörungen (...) waren mir bekannt schon vor der Diagnose vor 4 Jahren und vor meinem ersten Schub vor ca 10 Jahren, wenn auch nicht so ausgeprägt.. Vielen Dank für offene Worte!

 
 
Prof. dr. med. Herbert Schreiber
 
 
 

Niedergelassener Neurologe der Gemeinschaftspraxis Drs. Lang, Krauß, Kriebel und Schreiber in Ulm.

  • Schwerpunkte: Rehabilitationsmedizin, Geriatrie, Schmerztherapie, Muskelkrankheiten.
  • apl. Professur an der Universität Ulm.
  • Tätig in der Patientenakademie Neuropoint, Ulm.
  • Initiierung und Mitwirkung an mehreren klinische Studien bei MS.
  • Regelmäßig als Referent und Experte auf AMSEL-Veranstaltungen engagiert.


Prof. Herbert Schreiber: Guten Abend, Holger. Ich würde Ihnen raten, einmal eine detaillierte neuropsychologische Untersuchung machen zu lassen. Dabei kann man verschiedenste Aspekte, wie von Ihnen geschildert- auch Konzentr und Aufmerksamkeit - messen. Ebenso gelingt relativ gut eine Einschätzung, ob die Störungen organisch bedingt (also MS) oder psychisch bedingt sind.


Allgemein - Andrea: Guten Abend alle zusammen :-)

Allgemein - Holger: Hallo
Moderator Patricia Fleischmann: @ Andrea: Hallo auch! Gut, dass Sie das Feld "Allgemeiner Beitrag" schon entdeckt haben. Hier können Sie sich untereinander austauschen, während Sie auf Expertenantworten warten.
Allgemein - Holger: das bedeutet die fragen an den experten sind nicht öffentlich zu lesen?
Moderator Patricia Fleischmann: @Holger: Doch, doch, alle Fragen sind öffentlich, aber über allg. Beitrag könen die Chatter sich untereinander unterhalten, Erfahrungen austauschen etc.
Allgemein - Holger: ok

Moderator Patricia Fleischmann: 8 Leute im Chatroom und keine Fragen?

Holger: Vielen Dank für die Antwort, die Untersuchung habe ich bereits durchlaufen, mit dem ergebnis, dass im grunde nichts aussergewöhnliches festzustellen ist ...

Prof. Herbert Schreiber: Dann könnte es sehr wohl sein, daß emotionale Faktoren Ihre geistige Leistungsfähigkeit reduzieren. Ich höre auch Probleme mit der Verarbeitung der Diagnose, möglicherweise auch Ängste heraus... Reden Sie doch einmal mit Ihrem Arzt darüber, wie er sie in psychischer Hinsicht sieht

Moderator Patricia Fleischmann: korrigiere: nun sind wir 10 Chatter, 1 Experte und1 Moderatorin

Felix: Wie erkenne ich kognitive Störungen, die von MS verursacht wurden, d.h. gibt es "typische" Störungen?

Prof. Herbert Schreiber: ja es gibt ein "Profil" von Störungen, das eindeutig anders ist als eine Demenz, z.B. vom Alzheimer Typ. Also diesbezüglich keine Angst! Was sieht man? Neben Stör der Konzentr, Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit sieht man immer wieder Gedächtnisstör, insbes was das Arbeitsgedächtnis betrifft. Dieses hilft uns, viele Dinge gleichzeitig und schnell zu managen, schnell hin und her zu "switchen" und dennoch keine Fehler zu machen. Wenn dort Einschränkungen sind, nagt der Stress mehr an Einem. Ein bischen ist der Zustand eines beeinträchtigten Arbeitsgedächtnisses mit massivem Schlafentzug vergleichbar. Auch da ist man langsamer, macht Fehler etc.


Allgemein - Andrea: Ja ich gebe es zu, ich bin nur aus Neugier hier.
Moderator Patricia Fleischmann: @Andrea: Neugier ist völlig in Ordnung. Und vielleicht kommt wärhend des Chats ja doch noch eine Frage auf.

petra: Ich würde die Frage gerne umgekehrt an den Experten stellen: Beeinflusst Denken die MS? Mir geht es momentan super! Ich versuche positiv zu denken und glaube an mich, dass ich das irgendwie schaffen kann. Denken Sie, daß da was dran ist? Gruss Petra

Prof. Herbert Schreiber: Auf jeden Fall können Sie durch positives Denken viel Gutes bewegen. Wir kennen die enge Verbindung von Immunsystem (bei MS betroffen) und Psyche/Einstellung. Allerdings kennen wir noch zu wenige Details dieser Interaktion. Dennoch - machen Sie so weiter!!

sassa: Ich habe erhebliche Probleme bei meinem Ganztagsjob. Kognitive Probleme wie Konzentrationsprobleme, Probleme dem Gespräche zu verfolgen, Probleme mit Kurz- und Langzeitgedächtnis und so weiter und so fort. Ich habe Angst vor einem Test. Ich selber sehe diese Probleme als sehr belastend. Zu einem Aufmerksamkeitstest in der Reha sagte der Doc, dass es altersentsprechend ist. Ein weiterer Test mit Reaktion auf Ton und gleichzeitig Bild hat er abgebrochen, weil ich das einfach nicht geschafft habe. Wie bewerten Neurologen diese SChwierigkeiten ? Mich belastet das bei der Arbeit sehr. Neue Arbeitsbereiche würden mich wohl sehr überfordern.

Prof. Herbert Schreiber: Sie schildern kognitive Probleme, die durchaus auch mit der MS zu tun haben könnten. Man muß wissen, daß dies nichts mit Demenz, also Alzheimer etc, zu tun hat - sondern mit Teilleistungsstörungen vor allem in Bereichen der Konzentration, Geschwindigkeit des Denkens und Handelns sowie der Fähigkeit parallel Dinge zu tun und Stress auszuhalten ... Wie gesagt, könnte ein ausführliche und kompetent gemachte Testbatterie helfen Vielleicht schaffen Sie doch!?

Holger: nun, die einschränkungen sind egtl schon vor der diagnose aufgetreten. tatsächlich hatte ich bereits psychische probleme davor. Aber wenn ich es richtig verstehe, dann ordnen sie die "defizite" ebenfalls eher nicht der ms zu...

Prof. Herbert Schreiber: ja - möglicherweise ist es so. Allerdings wissen Sie nie ganz genau wann die Krankheit wirklich anfing - da ein sog "subklinische" Vorphase gibt. Falls de Arzt auch psych Probleme verantwortlich macht, wäre auch ein medik Therapieversuch zu diskutieren.

petra: Danke für Ihre postitive Antwort. :-) Und noch einen schönen Abend. Gruß Petra

Prof. Herbert Schreiber: Ihnen auch einen schönen Abend!


Allgemein - Tanja89: hallo zusammen

Allgemein - Andrea: hallo Tanja
Holger: Mein Verdacht hat sich wieder bestätigt: 1) Bei der MS ist alles noch etwas im Dunkeln. und 2) Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Danke für Ihre Antworten! An alle anwesenden: Alles Gute für die Zukunft! Holger

Prof. Herbert Schreiber: Danke auch und schönen Abend

sassa: Ich werde mal den Neurologen fragen, ob der das mit mir macht. Oder haben sie einen Tipp, wo man sowas am besten testen läßt.

Prof. Herbert Schreiber: Ihr Neurologe hat sehr wahrscheinlich eine Adresse leider gibt es wenige niedergelassene Neuropsychologen - ggf kann man sich auch an Zentrum an einem Krankenhaus wenden aber primär würde ich über den Neurologen gehen

claudia: hallo Herr Schreiber. ich habe seit einigen Jahren MS ohne nenenswerte EInschränkungen. Seit ein paar Monaten ändert sich das allerdings. ICh kann es nur beschreiben. Ich weiß auch nicht ob es mit dem Denken mit der Konzentration zusammenhängt oder was ganz anderes ist. Ich beschreibe es mal so. Mein Hirn schaltet seinen Schalter auf "Aus" Für wenige sec. geht das weitersprechen nicht mehr, ich bin unfähig was zu tun, handeln oder zu sprechen. Bis ich es realisiert habe ist der Schalter wieder auf "An". Ich merke deutlich das es nicht weitergeht...dann klick..und ich bin wieder fähig alles zu machen? Ist das eine Beeinflussung der MS auf das Hirn ? Oder was ist das?

Prof. Herbert Schreiber: Sie sollten sicherheitshalber epilept Anfälle ausschließen lassen - diese könnten ähnlich ablaufen. Auch die Durchblutung muß z Sicherh gecheckt werden Einen Bezug zur MS sehe ich weniger. Es handelt sich ja um eine Entzünd die nicht so schnelle Sympt - und das immer wieder - macht

Michel: warum wird eigentlich jedes "unsichtbare Symptom" auf die Psyche geschoben? das ist doch genau der Grund, warum viele (mich eingeschlossen) nicht ernst oder zumindest nicht richtig wahrgenommen werden. ich bin jung und sportlich, sodass mir erst mal keiner abnimmt, dass ich MS habe. dabei kann ich schon lange nicht mehr Gesprächen auf Elternabenden nach 18 Uhr folgen und benötige schon mal 3 Stunden für die Zubereitung eines einfachen Mittagessens (trotz positivem Denken).

Prof. Herbert Schreiber: Sie haben recht - naiverweise denkt man erst an die Psyche - auch weil es viel mühsamer ist, die komplexen Fragen kognitiver Störungen zu klären. Aber die Neuropsychologie hat in den letzten 15 Jahren massive Fortschritte gemacht, die nachweisbar psych von körperl Störungen differenzieren können. Da kommt das Kernspin nicht mit - sagt nur etwas über die Beschaffenheit des Gehirns aus aber nicht übe das Funktionieren

sassa: Ich habe noch eine Frage. Inwieweit kann man diese kognitiven Probleme wegtrainieren ? Das Programm aus der Reha sollte ja helfen. Die Frage ist, um wieviel Prozent kann man die Gehirnleistung verbessern. Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis ? Wenn ja, wie oft muss man soetwas pro Tag trainieren ?

Prof. Herbert Schreiber: Eine sehr wichtige Frage! Man kann diese Probleme auf jeden Fall positiv trainieren, wenngleich erst jetzt langsam Daten erhoben werden, die diese Einschätzung bestärken. Wichtig ist aber auch die richtigen Bedingungen für ein gutes geistiges Funktionieren zu schaffen - also ausreichend Schlaf, gute Vororganisation, Planung, um Hektik zu vermeiden. DAnn klappt es schon automatisch besser - auch mit Pausen. Ansonsten sollte man die Defizite, die da sind konsequent trainieren, üben. Zeitaufwand und Häufigkeit hängen sicher vom Einzelfall ab - aber was immer hilft ist Regelmäßigkeit und optim Bedingungen wie schon erwähnt

Felix: Ich habe eine chronisch fortschreitende Erkrankung (PPMS). Gibt es dabei häufiger kognitive Probleme, als bei anderen Verlaufsformen? Mein größtes Problem ist dabei ein praktisch ständiger Drehschwindel (vermutlich durch eine Entzündung im Kleinhirn ausgelöst?!), der auch meine kognitive Leistungsfähigkeit vermindert. Wie kann man diesen Schwindel effektiv behandeln?

Prof. Herbert Schreiber: Ja, PPMS-Verläufe sind schwieriger - auch in kognitiver Hinsicht. Das kommt wohl daher, daß bei der PPMS von Anfang an die sog "Neuro-Degeneration" über der Entzündung steht. Und die Neurodegeneration, genauer der Axonverlust (Axon = "Datenkabel"). Der Drehschwindel ist übel. Sie sollten HNO-ärzl mal checken ob Ihr GW-organ im Innenohr seitengleich innerviert wird. Möglich ist natürlich auch eine Schädigung im Gehirn selbst. Ggf können zentral wirkende Anti-Schwindel-Medikamente versuchtg werden - wie VertigoNeogamma, Aequamen, Betahistin, ... Aber es ist sicher ein therap Problem.

sassa: Noch etwas anderes, wenn ich das Thema so lese... Beeinflusst die MS mein Denken ? Gibt es Hinweise, dass bei MS die Aggressivität zunimmt ? Oder negatives Denken verstärkt. Oder ist das eher eine Auswirkung des Stresses, welcher durch die Auswirkungen der MS entsteht ?

Prof. Herbert Schreiber: Die Krankheit MS macht sicher nicht aggressiver als Störung an sich . Aber die Stressbelastungen, Frustrationen wegen der Defizite und Einschränkung der Lebensqualität nehmen zu ... dadurch steigt der "Wasserspiegel" Auch besteht dann die Gefahr negativ zu denken Aggessivität ist dann die Endstrecke vieler kleiner negativer Erfahrungen


Allgemein - claudia: ist meine frage angekomme`? Gruß Claudia
Moderator Patricia Fleischmann: @Claudia, Ihre FrAge ist da, mit vielen andern, die noch der Beantwortung harren. Prof. Schreiber erledigt das in atemberaubenden Tempo, aber halt nur eine Frage nach der andern. Hätte ich das vorher geahnt, hätte ich mehrere Experten für heute Abend akquiriert.
Allgemein - claudia: ok, danke für die Info
Moderator Patricia Fleischmann: @alle: Die rege Teilnahme hier schreit fast schon nach iederholung. Daher meine Fragen an die Cahtter: Welche Teilaspekte der Kognition interessieren Sie denn besonders? Dann könnte die AMSEL 2009 einzelne Aspekte in Chats thematisieren.

sassa: Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Einen schönen Abend und nochmal herzlichen Dank für die Mühe.

Prof. Herbert Schreiber: Danke auch. Schönen Abend!

Moderator Patricia Fleischmann: Soor: Wiederholung mit "W" :-) und Chatter statt Cahtter...

Moderator Patricia Fleischmann: Heute scheint die Moderatorin auch leichte kognitive Störungen zu haben...


Allgemein - claudia: :-)

Marianne: zunehmend gerade ich in schwierigkeiten weil meine familie mich nicht versteht oder ich ihnen im denken nicht folgen kann,sowas passiert mir auch außerhalb ,geht mir alles zu schnell oder verstehe nicht was sie von mir wollen, wenn ich dann zu bedenken gebe ich habe ms ,heißt einfach das hat doch nichts damit zutun oder es wird belächelt fühle mich in si situationen total überfordert und unverstanden ,stehe dann total neben mir und gerade in stress ,und es entstehen unschöne situationen,werde auch aggressiv --merke einfach mein ganzes wesen verändert sich, was kann ich tun und kommt das wirklich von der ms oder bilde ich es mir nur ein Danke im voraus für ihre antwort

Prof. Herbert Schreiber: Das ist ein wirkliches Problem. Keiner der Fam-mitglieder kann sich richtig in Sie hineinversetzen und Sie fühlen sich häufig mißverstanden. DAs macht Frust, wahrlich. Wenn es so schlimm ist würde ich Folgendes machen. Zuerst eine Patientenschulung mit Einschluß aller maßgeblicher Familienmitglieder - vielleicht erhöht das die Sensibilität... Wenn die Sit weiter eskaliert, Familien-Gesprächstherapie - also unter Heranziehung eines erfahrenen Mediators (Art Gesprächstrainer), damit die Familie wieder miteinander und nicht aneinander vorbeiredet

Marianne:
stress bewältigung und wahrnehmungsstörungen

Prof. Herbert Schreiber: Auch dieser Hinweis kam an! [Patricia Fleischmann]


Allgemein - Tanja89: wesensänderung durch ms finde ich spannend aber vielleicht zu klein für ein thema

Allgemein - Tanja89: und hallo erstmal frau fleischmann :-)
Suzi: Wie hängen die kognitiven Störungen mit Depressionen zusammen. Können die kogn.Stö. Depressionen verursachen oder umgekehrt?

Prof. Herbert Schreiber: Ja! Kognition und Depression sind wie Schwester und Bruder. Die Römer sagten "mens sanum in corpore sano" - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper und umgekehrt! Wenn die geistige Leistungsfähigkeit nachläßt treten erfahrungsgemäß mehr psy Probleme auf. Und psy probleme können massive geistige Funktionsstörungen erzeugen oder daß auch nur eine Schimmer von Alzheimer vorliegt - - also beide Bereiche "pflegen"

Moderator Patricia Fleischmann: @Tanja: Hallo, ganz schön was los heute...

Moderator Patricia Fleischmann: @alle: Wesensveränderung, stressbewältigung und Wahrnehmungsstörungen... danke für die Tipps, werd ich mir merken!

Suzi: zu Wiederholung eines Chat über Kognition: Trainingsmöglichkeiten- und Arten finde ich ein interessantes Thema

Prof. Herbert Schreiber: hochinteressantes Thema - aber alles in der Entwicklung. Was wir jetzt tun müssen ist die Erkenntnisse der Neuropsychologie auf den MS Bereich übertragen. Wir haben es mit subtilen geistigen Teilleistungsstör zu tun, die gleichwohl die Pat in unserer turbo-schnellen Welt defizitär machen. Wir brauchen nun Trainingsprogramme die hochflexibel auf einzelne Anforderungen reagieren können, quasi ein MS-assoziiertes Repertoire von Übungen etc bereithalten und in Zusammenarbeit mit geschulten Kräften eingesetzt werden. Also ohne eine Begleitung wird es nicht gehen Und - solche Programme müssen nun in den MS-Zentren ausprobiert werden

Moderator Patricia Fleischmann: Hier ein Tipp: Die AMSEL-Broschüre "Konzentriert denken, planen, handeln - Kognitive Probleme bei MS" über Störungen der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses gibts im www.amsel-shop.de zu bestellen!

Tanja89: zur obrigen aussage, dass man durch die ms nicht aggressiv werden kann, hätte ich noch eine kurze frage: viele die ein frontalhirnschaden haben, werden doch aggressiv, oder? wenn dort ein herd sitzen würde, könnte das nicht zu ähnlichen ergebnissen führen? danke!

Prof. Herbert Schreiber: oh Sie fordern mich. Sie haben völlig recht- Bei "strategischen" Schäden, z.B. im Frontalhirn kann es zu Wesensänderungen kommen - auch i d Richtung wie Sie beschreiben. Das ist aber bei der MS meist nicht oder nur minimal der Fall. Besonders ausgeprägt kann es aber nach Schädel-Hirn-Verletzungen auftreten

teresa: hallo und guten Abend, mich beschäftigt, ob klar abgegrenzt werden kann, ob mein Arbeitsgedächtnis und meine kognitiven Defizite der MS oder einer evt. Demenz zuzuschreiben sind. Und weiterhin, was ich tun kann, die Entwicklung zu verlangsamen oder besser noch zu verhindern. Mit der Tagesstruktur und -planung habe ich immer öfter Probleme, weil meine Müdigkeit so stark ist, dass ich oft nur noch schlafe. Ich habe schon meinen Job aufgegeben, in der Hoffnung, den Haushalt dann zu schaffen, aber es geht nur abwärts, die guten Tage werden immer seltener, kann dieses Fortschreiten gebremst werden und wie.

Prof. Herbert Schreiber: Ich würde sagen daß Ihre kogn Defizite eindeutig von einer Demenz abgegrenzt werden können. Das schafft eine kompet Neuro-Psychologie Sich dagegen zu stemmen eine andere schwierige Aufgabe. Wichtig ist das richtige Maß an Anforderungen beizubehalten. Das schult das Gehirn und hilft langfristig. "Wer rastet der ...." - das Sprichwort stimmt. Bei Ihnen scheint die Müdigkeit dazuzukommen. Versuchen auf jeden Fall mit fremder Hilfe sich bei der Tagesstruktur helfen zu lassen. Ggf kann man sogar eine Soziotherapie bei der Kasse beantragen. Genau da soll sie Sie unterstützen. Ich glaube daß Sie mit dem richtigen Anford-profil nicht nur bremsen sondern sogar verbessern können

Moderator Patricia Fleischmann: @Suzi: Trainingsmögl. und -arten - werde dran denken, wobei das schriftlich im Chat eher schwierig sein wird. Vielleicht mal ein Text mit Links zu verschiedenen Online-Übungen?

Moderator Patricia Fleischmann: Apropos: Unter www.gedaechtnis-online.de steht ein Gedächtnischeck, der es allerdings in sich hat. Bitte nur mit Konzentration und Ruhe bearbeiten und nicht nebenher in der Mittagspause, sonst könnte es sein es ergeht Ihnen wie unseren Forumsteilnehmern.

Marianne: Danke für die antwort .genau in diese richtung hab ich schon dentiert mit dem ergebnis --- du bist sooo schwierig nicht wir---sie machen einfach zu ,und so langsam will ich nicht mehr--leider ,habe nur leider auch keine kraft mehr alles zu schlucken,verursacht mir nur stress und schon geht die kette los nochmals einfach danke ,es hat mir sehr geholfen zu wissen ,meine idee ist gut,werde es noch mal versuchen

Prof. Herbert Schreiber: Super! Nicht aufgeben!

PM (vorab): Sehr geehrter Herbert Schreiber, ich bin 41 Jahre alt, habe seit 20 Jahren eine leicht verlaufende MS. die mich aber ohne sichtbare Behinderungen leben läßt, sodass ich noch voll berufstätig bin und noch alleinerziehend eine Tochter habe. Medikamente lehne ich ab, dagegen setzte ich gesunde Lebensführung, gesunde Ernährung mit ausreichend Bewegung und viel Schlaf. Ich erfreue mich meines Lebens trotz MS. Allerdings plagen mich eine ständige Müdigkeit und eine dazukommende schnelle Ermüdbarkeit - das alles aber ist kaum zu beeinflussen weder durch Wellness, noch durch viel Aktivität. Wenn ich mich ausruhe, werde ich nie ausgeruht, höchstens entspannt, egal wie lange ich mich ausruhe. Nach einem Urlaub fühle ich mich auch höchstens entspannt, aber immer noch müde. Morgens stehe ich nach 5 stunden Schlaf genauso müde auf, wie nach 12 Stunden Schlaf. Das bemerke ich eben nicht nur rein körperlich, sondern auch kognitiv. Es gibt immer öfter Momente, in denen mein Gehirn auf "ERROR" stellt: keine Aufnahme mehr möglich, jegliche Kommunikation, vor allem Sprechen tunlichst einstellen - das überkommt mich machmal ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, es blinkt und surrt im Kopf, die Energien finden keinen Halt, wenn ich mich nur 10 Minuten eine Art "Managerschlaf" oder Art Meditation mache, gehts schon wieder besser. Das ist beunruhigend und je älter ich werde, desto schlimmer. Leider habe ich keinerlei Anlaufstelle bisher dafür bekommen. Im privaten Umfeld heißt es nur, das sei ganz normal, das sei das Alter. Meine Neurologin nimmt das nicht ganz so ernst, man merkt mir das nicht wirklich an. Vor zwei Jahren war ich auf Reha in Bad Windsheim, die haben mich einerseits körperlich beeindruckend gestärkt, allerdings fand ich die Test zur kognitiven Denkfähigkeit so einfach und oberflächig, dass sie mein Problem nicht wirklich ergründen konnten. So kann ich mich eine halbe stunde Stunde voll auf konzentrieren und im Computer einen Knopf drücken, wenn ein Ton erklingt oä. Wohin kann ich mich wenden, wo könnte ich nach spezieller Hilfe fragen? Habne Sie eine Idee für mich? Mit vielem Dank und freundlichen Grüßen

Prof. Herbert Schreiber: Ich glaube daß Sie in geradezu klassischer und sehr feinfühliger Weise eine Fatigue schildern - die sowohl körperliche und kognitive Element haben kann. Mein Tipp: weiter körperlich aktiv bleiben aber ohne Leistungsdruck - einfach zum Wohlfühlen. Sodann durchaus medikamentöser Therapieversuch - z.B. mit PK-Merz, ggf auch ein aktivierendes Antidepressivum ausprobieren (obwohl Sie 0,0 depressiv sind!), im Extremfall sogar mal Vigil. Dann Wärme vermeiden (tut Fatigue-Pat oft nicht gut). Vieles sosnt machen Sie schon richtig. Wir machen gerade eine Fatigue-Studie an 10 dt zentren. Ihre Beschreibung ist geradezu Programm..! Alles Gute!

Suzi: Eine schönen Abend noch und vielen Dank Herr Prof. Schreiber und Frau Fleischmann. Bis es für meine/unsere subtilen Teilleistungsstörungen geeignete Trainigsprogramme gibt mache ich weiter mit meinem Minijob an der frischer Luft und gesundem Essen, einer liebevollen Familie und Physiotherapie.

Prof. Herbert Schreiber: Genau die richtige Einstellung!

Moderator Patricia Fleischmann: So, momentan sind noch 14 Chatter online, etliche Fragen offen, aber nur noch 20 Minuten Zeit. Daher schlage ich vor, jetzt schon Ihre letzten Fragen für heute zu überlegen und zu posten. Und noch ein Hinweis: Unter expertenrat@amsel.de können Sie 24 h täglich Ihre Fragen an den Ärztlichen Beirat der AMSEL richten, auch zu Kognition. Etwas Geduld und die Antwort erreicht Sie in den darauffolgenden Tagen per Mail.

teresa: mit der fatigue habe ich jetzt auch noch eine Frage: ich nehme tgl. morgens eine vigil, kann ich das langfristig machen, bis vor kurzem habe ich nur ab und zu vigil genommen in letzter Zeit jedoch tgl.. ich habe das Gefühl besser den Tag durchzustehen

Prof. Herbert Schreiber: prinzipiell ja - aber Sie sollten dennoch so niedrig wie möglich gehen. Vielleicht auch immer wieder Absetzversuch machen

Tanja89: guten abend herr prof. schreiber, hätte da mal eine frage. hab seit längerem abends oft so ne art "angstzustände" aus dem nichts heraus. ich liege im bett, verkrampfe total und kann mich nicht mehr bewegen. mein herz rast wie verrückt und ich habe kurz zeitig richtig angst. irgendwann ist alles weg, als wäre es nie dagewesen. von einer auf die andere sekunde. danach weiß ich oft nur noch ausschnitte davon. meist erst wenn mir andere davon erzählen mal. habe sowas in der art auch oft nachts, nur ohne angst, ich werde von starken schmerzen aus dem schlaf gerissen, mein ganzer körper verkrampft.... mir ist auch oft schwindlig. kann das von der ms kommen? verädert sie irgendwo dabei mein denken, oder ist das eher was psychisches. denn panikattaken im klassischen sinne kenne ich auch, aber die sind eindeutig anders. und in letzter zeit fiel mir auf, dass das eigentlich nur dann passiert, wenn ich nicht ins bett geh, wenn ich müde bin und darüber hinaus wach bleibe. vielen dank schonmal!

Prof. Herbert Schreiber: Sie beschreiben - glaube ich - plötzlich auftretende Panickzustände. Ein Bezug zur MS ist eher fraglich, letztlich aber nicht 100%ig auszuschließen. Sie sollten auf jeden Fall Medikament mit Angstlösender Potenz ausprobieren, z.B. Paroxetin, Cipralex oder Trevilor. Sie haben eine gute Chance daß es besser wird. Alles Gute!

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, leider endet der Chat hier schon, mind. 5 Fragen sind noch offen. Falls die heute Abend nicht mehr beantwortet werden können, schauen Sie bitte die nächsten tage mal ins Chatprotokoll: Wir versuchen, das nachzuholen. Für jetzt: Bitte keine Fragen mehr. Nutzen Sie expertenrat@amsel.de für weitere Fragen. Die Neurologen des Ärztlichen Beirates der AMSEL antworten Ihnen hier. - Für uns heute: Einen schönen restlichen Abend an alle! Und ein großes DANKE an Herrn Prof. Schreiber für die Antworten!


Allgemein - teresa: danke für die Antworten, und eine schönen Abend noch
Moderator Patricia Fleischmann: Tschüss, teresa!

Redaktion: AMSEL e.V., 02.12.2008