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MS-Forschung allgemein

Mehr Lebensqualität und länger selbständig dank Multiple Sklerose-Therapien

03.11.2016 - Eine amerikanische Studie zeigt, dass heute 17 Jahre nach der Diagnose noch 90 % aller Behandelten ohne Gehhilfe auskommen. Sie schreibt diesen Fortschritt der rasanten Entwicklung innerhalb der MS-Therapien zu.

Vor 30 Jahren konnte man die Multiple Sklerose kaum behandeln.  Neben der Kortisonstoßtherapie und der Behandlung der Symptome gab es fast keine medikamentöse Therapie. Die Interferone und auch Glatirameracetat sorgten in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts für einen Durchbruch. Inzwischen gibt es immer potentere Mittel, um die MS auszubremsen, wobei man einschränkend sagen muss, dass dies nur für schubförmige Verläufe gilt. Doch Mittel für die progrediente MS stehen in der Pipeline. Das erste davon wird möglicherweise Ende 2016 zugelassen.

Prof. Heinz Wiendl bei einer AMSEL-Veranstaltung.

Knapp 17 Jahre nach ihrer Diagnose sind fast 90 Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) noch ohne Hilfe gehfähig, wie die aktuelle Studie zum Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose ergeben hat. Ohne Therapie müssten den Autoren zufolge rund 50 Prozent eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl nutzen.

"Die aktuellen Zahlen stammen zwar nur aus einem einzigen Zentrum, deshalb muss man sie mit Vorsicht interpretieren," so Prof. Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Mitglied im Ärztlichen Beirat der DMSG: "Sie zeigen aber, dass wir bei der MS auf einem guten Weg sind und unseren Patienten heute eine Vielzahl Therapien anbieten können, die ihre Selbständigkeit und Lebensqualität lange erhalten."

"MS-Forschung ist noch lange nicht am Ziel"

Die Studie mache aber auch deutlich, dass die MS-Forschung noch lange nicht am Ziel sei, fügt der Direktor der Klinik für Neurologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hinzu: "Wir können noch nicht allen Patienten schwere Einschränkungen ersparen und haben noch keine guten individuellen Vorhersagemöglichkeiten für den Verlauf und das Ansprechen auf die Therapie."

Weltweit haben rund 2 Mliionen Menschen Multiple Sklerose, in Deutschland vermutlich über 200.000.

  • Seh- und Gehstörungen
  • Fatigue
  • Missempfindungen
  • Schluck- und Sprechstörungen
  • Spastik und
  • Blasenschwäche

gehören zu ihren Symptomen. Multiple Sklerose ist bei jedem anders, weswegen sie auch die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern genannt wird. Sie kann sich schubförmig oder schleichend verschlechtern, schnell oder langsam voranschreiten, im Kindes- wie im Rentneralter auftreten (wobei die meisten zwischen 20 und 40 diagnostiziert werden).

Das macht es schwer, aussagekräftige Langzeitdaten zu ermitteln. Und es bedeutet natürlich auch, dass einzelne den durchschnittlich ermittelten Fortschritt nicht oder kaum empfinden.

Insgesamt zieht die Studie jedoch eine positive Bilanz, denn die Gehfähigkeit gilt als wichtiges Maß für die Behinderungsprogression. Mobil zu bleiben ist ein wesentlicher Faktor für Lebensqualität. Länger mobil zu sein bedeutet für die Betroffenen länger selbständig zu bleiben, beruflich wie privat, oder es zumindest leichter zu haben mit der Selbständigkeit (tatsächlich ist ein häufiger Berentungsgrund jedoch nicht unbedingt, dass ein Patient auf einen Rolli angewiesen ist, sondern Symptome wie Fatigue zwingen teils gehfähige Patienten in die Berufslosigkeit).

Langzeitstudie: MS-Behandlung und ihr Erfolg

Ob und wie stark moderne Standardmedikamente den Behinderungszuwachs reduzieren, darum ging es dem Team um Stephen L. Hauser von der University of California in San Francisco. Es hat die Daten von 517 Patienten ausgewertet, die über viele Jahre in diesem Zentrum in Behandlung und unter Beobachtung waren. Bis zu 10 Jahre lang begleiteten die Forscher die Studienteilnehmer, erfassten Medikamentierung und Behinderungsentwicklung seit ihrer Diagnose.

Mit der EDSS-Skala (Expanded Disability Status Scale) wurden Behinderungen systematisch erfasst. Der Wert blieb innerhalb dieser Studie bei 41 Prozent der Studienteilnehmer unter einer Therapie mit Interferon beta und nötigenfalls hochpotenten Wirkstoffen wie Natalizumab und Rituximab stabil oder sich verbesserte sogar. Einen EDSS-Wert von 6 (Gehen mithilfe von Krücken) oder 7 (Fortbewegen mit einem Rollstuhl) – erreichten während der durchschnittlichen Krankheitsdauer von 16,8 Jahren hier nur 10,7 % der Patienten. Bei unbehandelten Patienten sind es dagegen ca.  50 %, die in diesem Zeitraum ähnlich schwere Behinderungen erleiden, wie frühere Studien gezeigt haben.

Außerdem zeigte sich, dass bei den behandelten Patienten nur 18,1 % im beobachteten Verlauf eine sekundär progrediente MS (SPMS) entwickelten. Ohne Behandlung erreichen mindestens doppelt so viele im gleichen Beobachtungszeitraum die Phase SPMS (36 bis 50 %).

Die meisten Patienten hatten zu Beginn Interferone oder Glatirameracetat bekommen. Potentere (mitunter auch nebenwirkungsstärkere) Mittel erhielten diejenigen, die auf die erstgenannten Wirkstoffe nicht ansprachen. Meist war dies Natalizumab, Rituximab oder auch Mitoxantron und Cyclophosphamid. Wirkstoffe wie Fingolimod, Dimethylfumarat und Teriflunomid waren auch darunter, jedoch sind diese erst während der Studie zugelassen worden.

Noch effektivere Therapien gefragt

Ein Fortschritt lässt sich also durch die Entwicklung innerhalb der MS-Therapie verzeichnen. Dennoch erfuhren über den Beobachtungszeitraum 59 % der Studienteilnehmer eine klinisch signifikante Behinderung. Dies illustriere den anhaltenden Bedarf an effektiveren krankheitsmodifizierenden Therapien für die schubförmige MS und generell für effektive Therapien gegen die progrediente MS, so Wiendl.

Eine weitere kürzlich veröffentlichte multizentrische retrospektive Beobachtung belegt ebenfalls, dass eine Immuntherapie spätere Behinderungen reduzieren kann (Jokubaitis et al., Ann Neurol). Sie zeigt, dass die Langzeitprognose unter Immuntherapie besser ist, als man es aus früheren natürlichen Verlaufsstudien oder im direkten Vergleich ohne Therapie erwarten würde. Beide Untersuchungen litten allerdings unter der methodischen Einschränkung, dass direkte Vergleichsgruppen aus gleichen Regionen mit gleicher Krankheitsaktivität, aber ohne entsprechende Therapie fehlen, ergänzt Wiendl.

Quelle: Pressemitteilung der DGN (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 27.10.2016.
University of California, San Francisco MS-EPIC Team. Long-term evolution of multiple sclerosis disability in the treatment era. Ann Neurol 2016.
Jokubaitis VG et al. Predictors of long-term disability accrual in relapse-onset multiple sclerosis. Ann Neurol 2016.
Redaktion: AMSEL e.V.

 

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